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Full text of "Ueberlieferung und Handschriftenverhaeltnis des traktates Schwester Katrei"

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ÜBERLIEFERUNG 



UND 



NDSCHRIFTENVERHÄLTNIS DES TRAKTATES 

„SCHWESTER KATREF 

V 

EIN BEITRAG ZUR GESCHICHTE DER DEUTSCHEN MYSTIK 



INAUGUÜAL-DISSERTATION 



ZUR 



ERLANGUNG DER DOKTORWÜRDE 



DER 



HOHEN PHILOSOPHISCHEN FAKULTÄT 

DER 

VEREINIGTEN FRIEDRICHS-UNIVERSITÄT 
HALLE-WITTENBERG 

VORGELEGT 
VON 

OTTO SIMON 

AUS HALLE A. 8. 




HALLE a. S. 
DRÜCK VON EHRHARDT KARRAS 

1906 






Original frorn 
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



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Referent: Herr Professor Dr. Strauch. 



( _ I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 




Herrn Professor Dr. Philipp Strauch 



in Dankbarkeit und Verehrung 



zugeeignet. 



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UNIVERSITY OF CALIFORNIA 






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Einleitung. 



Der Traktat „Schwester Katrei", dem die vorliegende Unter- 
suchung 1 ) gilt, ist zweifellos eines der interessantesten literarischen 
Denkmäler der älteren deutschen Mystik. Er ist bekanntlich 
von Franz Pfeiffer im Jahre 1857 in seinen Deutschen Mystikern 
des 14. Jahrhunderts Bd. 2, S. 448 ff. als VI. Traktat Meister Eck- 
harts zum ersten Male herausgegeben worden. Seiner Ausgabe 
lagen zu Grunde die drei aus dem 14. Jahrhundert stammenden 
Pergamenthandschriften: 2 ) Cgm. 133 (Mü), die im Jahre 1870 
anläfslich der Belagerung verbrannte Strafsburger Hs. A. 98 (Str) 
und Hs. Brev. 4. Nr. 88 der Königl. Landesbibliothek in Stutt- 
gart (St). Wie schon hier bemerkt werden mag, folgte Pfeiffer, 
was die ganze Anlage des Traktates angeht, durchaus Mü. Auch 
hinsichtlich der Textgestalt gab er vermutlich der gleichen Hs. 
den Vorzug, während er Str und St nur gelegentlich bei einzelnen 
Lesarten heranzog. 3 ) Die Überschrift Daz ist swester Katrei 

J ) Sie verdankt ihre Anregung Herrn Professor Dr. Strauch, der vor 
Jahren selbst daran dachte, der „Schwester Katrei" eiue Abhandlung zu 
widmen. Vgl. Anzeiger f. deutsches Altertum 6 (1880), 213 Anm. und Archiv 
f. Litteratur- und Kirchengeschichte des Mittelalters 2 (1886), 624 Anm. Die 
von ihm dazu in den Jahren 1885 und 1886 angefertigte Kollation der Frei- 
burger und Nürnberger Handschrift (s. Kapitel I) hat er mir gütigst zur 
Verfügung gestellt. Beide Hss. wurden dann von mir einer nochmaligen 
eingehenden Prüfung unterzogen. Auch für zahlreiche Hinweise meist hand- 
schriftlicher Art habe ich Herrn Professor Strauch zu danken. 

2 ) Vgl. Fr. Pfeiffer, Deutsche Mystiker des 14. Jahrhunderts. Bd. 2: 
Meister Eckhart, S. VIII ; siehe ferner Kapitel I. 

s ) Die Stellen bezw. Lesarten bei Pfeiffer, die weder Mü noch St bieten, 
müssen der verlorenen Hs. Str entstammen. Dahin gehören z. B. die Stellen: 
Pfeiffer 451,6 'in dime zorne, du tuost ein houptsünde'; 454,36 'Wer da 
gloubet in got'; 455,34—35 'Waz hie iuwer weseu — wesen sin'; 457,35—38 
'wider den jungelinc— Kristus sprach'; 462,6—7 'Diz tuot got — geruofen 
mac'; 462,38 'Wir mügen froeliche sterben'; 474,11—12 'alsus wil ich sin 
— in der zit'; 474,38—40 'und allez daz got — als menge weit'. 

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tneister Ekehartes tohter von Sträzburc, die er in seiner Ausgabe 
dem Traktat vorsetzte, fand er allein in Mü überliefert Zweifel- 
los weist Pfeiffers Edition, wie das von Denifle 1 ) und anderen 
oft genug hervorgehoben worden ist, sehr erhebliche Mängel auf. 
Ich weise nur auf den unverständlichen Satz S. 474, 30 f. hin: Der 
wil wizzen alle mine tage sit dem male daz ich ein guot für ein 
boesez bekennen mohte. Zur Entschuldigung des Herausgebers 
mufs jedoch gesagt werden, dafs er gerade in diesem Falle 
wegen der Ungunst der ihm zu Gebote stehenden handschrift- 
lichen Überlieferung überhaupt nicht in der Lage war, das 
Eichtige herauszufinden. Von den Hss. boten ihm Mü sowie Str 
die verderbte Stelle; die Hs. St kam hier für ihn nicht in Be- 
tracht, da sie bereits vorher abbricht. Eine wenn auch noch 
so. scharfsinnige Konjektur hätte in diesem Falle nicht viel helfen 
können, sie hätte sich vielmehr mit der Feststellung begnügen 
müssen, dafs im Texte hier eine Lücke vorliege, die verständlich 
zu machen oder gar auszufüllen vorläufig unmöglich sei. 

Im Jahre 1875 veröffentlichte dann Birlinger in seiner 
Alemannia Bd. 3, S. 15 ff. ebenfalls auf Grund einer Pergament- 
handschrift des 14. Jahrhunderts (s. unten S. 5 f.) eine von der 
Pfeifferschen Fassung vielfach abweichende Rezension unseres 
Traktates, die, wenn auch im einzelnen durchaus nicht einwands- 
frei, im ganzen jedenfalls einen besseren Text bietet. 2 ) Beide 
Ausgaben haben bis auf den heutigen Tag der Forschung als 
Grundlage gedient. Im Laufe der Jahre sind nun an den ver- 
schiedensten Orten noch neun weitere, untereinander mannigfach 
variierende Handschriften des Traktates aufgetaucht (s. Kapitel I), 
so dafs nunmehr die Zeit für eine kritische Durcharbeitung des 
gesamten handschriftlichen Materials gekommen sein dürfte. 

Was die Beurteilung anlangt, die unser Traktat in zahl- 
reichen zusammenfassenden Darstellungen der Geschichte der 



*) Vgl. Hut-polit. Blätter 75 (1875), 924 f. und Zeitschr. f. deutsches 
Altertum 21, 142. 

2 ) Birlingers Fassung ist im einzelnen sehr stark mit Fehlern behaftet, 
die zum grofsen Teile auf Rechnung der Hs. kommen, die zum Teil aber auch 
durch den Herausgeber in den Text erst hineingetragen sind. VgL z. B. 
Alemannia Bd.3: 16,7. 19,22. 29 f. 20,28. 21,33. 22,5. 23,19.22. 24,7.9f. 
25,17. 28,20t 29,8ff.23ff. 32,12ff. 39f. 35,6ff.38f. 36, 10 f. 14 f. 38,18. 
39, 37 f. 42, 33 f. 43,1.47. Auch Birlingers Citate aus Pfeiffers Ausgabe sind 
mehrfach ungenau. Vgl. z. B. 19 Anm. 10; 21 Anm. 1; 29 Anm. 11; 30 Anm. 5. 



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— 8 — 

deutschen Mystik, insbesondere des Systems Meister Eckharts 
erfahren hat, 1 ) so glaube ich hier nicht näher darauf eingehen 
zu müssen, da allen bisherigen Untersuchungen und ihren Er- 
gebnissen der feste Untergrund fehlt, d. h. eine zusammenhängende 
Prüfung der handschriftlichen Überlieferung des Traktates. Nur 
das Urteil Denifles, der sich wiederholt über den Traktat aus- 
gesprochen hat, erfordert unsere Beachtung; den von ihm in 
Aussicht gestellten Nachweis für die Richtigkeit seiner Be- 
hauptung ist er uns freilich schuldig geblieben. 2 ) Nach ihm hat 
der Traktat nicht Meister Eckhart zum Verfasser, sondern er 
ist nur ein Konglomerat sowie eine Tendenzschrift, zum Teil 
beghardischen Ursprungs, aus dem 14. Jahrhundert. So sehr ich 
nun auch der Annahme Denifles zuneige, so möchte ich doch 
darauf hinweisen, wie schwer es im einzelnen ist, bei dem heutigen 
Stand der Forschung auf diesem Gebiet beweiskräftige Kriterien 
für die Richtigkeit jener Behauptung zu gewinnen. Bei der Aus- 
scheidung der echten deutschen Traktate und Predigten Meister 
Eckharts von den unechten sind wir bekanntlich über die ersten 
Anfänge kaum hinausgekommen. 3 ) Auch die Auszüge aus seinen 
lateinischen Schriften, die Denifle vor nunmehr zwanzig Jahren 
der gelehrten Welt bot, können uns, so wertvoll sie an sich sind, 
gegenwärtig nicht allzu viel helfen. Erst wenn die lateinischen 
Werke Eckharts in einer Gesamtausgabe vorliegen — hier harrt 



l ) Ich habe hier besonders im Auge: A. Jundt, Essai sur le mysticisme 
sp^culatif de Maitre Eckhart (Strasbourg 1871), p. 27 ss. — Derselbe: Histoire 
du pantheisme populaire au moyen &ge et au seizi&me siecle (Paris 1875), 
p. 68s. note. — W. Preger, Geschichte der deutschen Mystik im Mittelalter, 
Bd. 1 (Leipzig 1874), S. 311. 342ff. 430ff. — M. Rieger bei W. Wackernagel, 
Altdeutsche Predigten und Gebete (Basel 1876), S. 400. — Derselbe: Die Gottes- 
freunde im deutschen Mittelalter (Heidelberg 1879), S. 20 ff. — H. Delacroix, 
Essai sur le mysticisme speculatif en Allemagne au quatorziäme sifccle (Paris 
1900), p. 145. — Vgl. auch 0. Lorenz und W. Scherer, Geschichte des Elsasses, 
Bd. I 8 (Berlin 1886), S. 82f. 

8 ) Vgl. Hist.-polit. Blätter 75,924; Taulers Bekehrung kritisch unter- 
sucht (Quellen und Forschungen zur Sprach- und Kulturgeschichte der ger- 
manischen Völker Bd. 36, Strafsburg 1879), S. 132 Anm. 2; Die deutschen 
Schriften des seligen Heinrich Seuse aus dem Predigerorden , Bd. 1 (München 
1880), S. VIII und 564 Anm. 4; Archiv f. Litteratur- und Kirchengeschichte 
des Mittelalters 2 (1886), 624 Anm. 

a ) Vgl. jetzt vor allem M. Pahnckes, die Eckhartforschung fördernde 
Dissertation: Untersuchungen zu den deutschen Predigten Meister Eckharts, 
Halle 1905. 

1* 



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— 4 — 

eine ebenso schwierige wie dringend notwendige Aufgabe ihrer 
Lösung — , kann ihr Wert für die Beurteilung der auf uns ge- 
kommenen deutschen Schriften des grofsen Mystikers in vollem 
Umfange erkannt und ausgenutzt werden. Und was ferner die 
Ketzergeschichte des späteren Mittelalters betrifft, so ist unsere 
Kenntnis bezüglich der zahlreichen religiösen Gemeinschaften 
und Sekten jener Zeit sowie ihrer Lehren immer noch äufserst 
lückenhaft. 

Unter diesen Umständen kann niemand erwarten, dafs die 
vorliegende Arbeit auf alle Fragen, die sich bei der Behandlung 
unseres Traktates erheben, eine klare Antwort geben wird. Dazu 
wäre vor allen Dingen auch ein gründliches theologisches Studium 
erforderlich. Indem ich später meine Studien auch nach dieser 
Seite hin zu vertiefen hoffe, werde ich mich gegenwärtig darauf 
zu beschränken haben, erst einmal die Grundlage zu schaffen, von 
der in Zukunft jede weitere Arbeit über den Traktat auszugehen 
hat, d. h. das gesamte bisher bekannt gewordene handschrift- 
liche Material des Traktates im Zusammenhange zu untersuchen. 
Dabei wird es einmal meine Aufgabe sein eine Beschreibung der 
einzelnen Handschriften vor allem hinsichtlich ihres Inhalts zu 
liefern. Ein näheres Eingehen auf die Handschriften dürfte schon 
deshalb erwünscht sein, weil einige von ihnen bisher entweder 
überhaupt noch so gut wie unbekannt oder wenigstens nicht 
genügend ausgebeutet sind. Namentlich ist es aber für die Be- 
urteilung des Traktates nicht unwichtig, zu wissen, in welcher 
Umgebung er in den Handschriften auftritt Sodann wird das 
Verhältnis der handschriftlichen Fassungen des Traktates zu 
einander klarzulegen sein. Den vorläufigen Abschlufs meiner 
Studien soll dann in nicht allzu ferner Zeit eine kritische Aus- 
gabe des Traktates bilden. 



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Erstes Kapitel. 

Die Überlieferung des Traktates „Schwester 

Katrei". 



Das handschriftliche Material wird im folgenden in der 
Anordnung beschrieben, wie sie sich aus der im zweiten Kapitel 
näher zu begründenden Klassifizierung der Handschriften ergibt. f ) 
Vgl. den Stammbaum der handschriftlichen Überlieferung am 
Schlufs. Darnach zerfallen die Handschriften in drei Haupt- 
klassen, die mit I, II und in bezeichnet werden mögen. 

1. Die Handschriften der Hauptklasse L 

A Der Abdruck unseres Traktates durch Birlinger in der 
Alemannia 3, 15 ff. nach einer Pergamenthandschrift des 14. Jahr- 
hunderts in kl. 4°, die früher vielleicht einmal dem Benediktiner- 
kloster Wiblingen (im heutigen württemb. Oberamt Laupheim) 
gehört hat. 2 ) Aus derselben Handschrift hat Birlinger a. a. 0. 

*) Den Vorständen nachstehender Bibliotheken, welche mir die Be- 
nutzung der Handschriften in liebenswürdigster Weise ermöglicht haben, 
spreche ich an dieser Stelle meinen ergebensten Dank aus. Es sind: die 
Königl. Bibliotheken zu Berlin, München und Stuttgart; die Stiftsbibliotheken 
von Einsiedeln, St. Gallen, Melk und St. Peter zu Salzburg; die Grofsherzogl. 
Universitätsbibliothek zu Freiburg i. Br., die Stadtbibliothek zu Kolmar i. E., 
das Germanische Nationalmuseum in Nürnberg sowie die k. k. Hofbibliothek 
zu Wien. Auch Herrn Professor Strauch, durch dessen Vermittlung mir die 
Pariser Hss. zugänglich wurden, fühle ich mich verpflichtet. Endlich habe 
ich noch der Verwaltung der Königl. Universitätsbibliothek zu Halle wegen der 
jederzeit bereitwillig gewährten Unterstützung dankbar zu gedenken. — Gleich 
hier will ich bemerken, dafs ich mir die Mitteilung bisher unbekannter Stücke 
aus den von mir benutzten Hss. vorbehalte. 

*) Birlinger gibt a. a. 0. leider den Besitzer der Hs. zur Zeit seines 
Abdruckes nicht an. Möglicherweise besafs er sie selbst. Meine Vermutung, 
die Hs. befinde sich jetzt vielleicht auf der Königl. Landesbibliothek zu Stutt- 
gart oder auf der Bonner Universitätsbibliothek, hat sich nicht bestätigt. 



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S. 97 ff. 205 ff. noch eine Reihe von, Gebeten, ferner Traktate 
Meister Eckharts, des Mönches von Heilsbronn und anderer mit- 
geteilt. Die Sprache der Handschrift ist alemannisch -els&ssisch. 
S Papierhandschrift IVb20 der Stiftsbibliothek von St. Peter 
zu Salzburg. *) Sie stammt aus dem Jahre 1477 (s. unten S. 7) 
und enthält 182 Blätter in gr. 8°. Der dem 18. Jahrhundert 
entstammende schweinslederne Einband (mit rot gesprenkeltem 
Schnitt) trägt auf dem Rücken von einer Hand desselben Jahr- 
hunderts die Aufschrift: Von den 10 geholten. Dem Vorder- und 
Hinterdeckel ist je ein goldenes Wappen aufgepresst. Auf beiden 
wird Petrus mit den Schlüsseln dargestellt. Das vordere Wappen 2 ) 
zeigt aufserdem noch die Buchstaben P. A. S. P. (= Placidus 
Abbas Sancti Petri) sowie die Jahreszahl 1704, während auf dem 
hinteren Wappen die Worte stehen : Monast S. Petri Salisb. In 
der mit kunstvollen Initialen (blau und rot) ausgestatteten Hs. 
heben sich deutlich vier Hände voneinander ab. Die erste reicht 
von BLla— 71b, die zweite von Bl. 72a— 107a und von Bl. 142a 
bis 182 a, die dritte von Bl. 108 a— 133 a, die vierte endlich von 
BL 134 a— 141 b. Zwischen Bl. 71 und 72 fehlt ein Blatt Die 
Sprache der Hs. ist bairisch- österreichisch. 

Bl. la— 28a: Dy(z) sind dy czehen gepoi (rot). Du soll gdauben und 
anpetten ain gott, und habt nicht fremde götter ... Di vor geschriben zehen 
pot amers lieben herren Bullen uns sein ain Spiegel, dar inne wir unser ge- 
wissen schauen sullen . . . als ob er sy alle oder menigeu verloren hyet. in 
ainen(!) waren Christenleichen gelauben, in stater hofnung und in ainer volr 
ckotnen lieb behalt euch der ewig gott. amen. 

Bl. 28 a— 62 b: Da hie ist zu merchen ein guete materi von der lieb gots 
über alle ding (28 b). Wie wol wir(!) ainvdtigen priester von meiner grossen 
unverstantnusz wegen vil notturßiger war, daz ich dyemetichlich von dem 
andern lement und underweyset wurd, wye ich got, meinen hymlischen vater, 
soll lieb haben . . . dy selb wart dy (!) wassen irem lieben chind, unserm lieben 
herren Jhesu Christo, der da mit got dem vater und dem sun und mit dem 
heyligen geist lebst von(!) herscht ain warer gott ewichlichn. amen. 

Bl. 63 a — b: Dye lieb gottes über alle ding ist gar ein guete ertzney 
wider aüe anweigumb (!) . . . wenn attez des dy warhait verhaysset und aüez 
daz sy hoffet und daz sy gelaubet, des warttet und peittet sy gedultich- 
lichen. amen. 

Bl. 64 a— b: Der auf gang von dem jamrigen eilend mit dem leiplichen 
tod ist vü menschen nicht allain weltlichen, sunder auch geistlichen gar sched- 



*) Vgl. Denifle, Hist.-polit. Blätter 75, 904; Zeitechr. f. deutsches Alter- 
tum 21, 142; Taulers Bekehrung S. 39. 

') Es ist nach gütiger Mitteilung des Herrn P. Finnin Lindner 0. S. B. 
das Wappen des Abtes Mayrhäuser von St. Peter. 



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leich . . . aber ein mensch praucht daz nicht zu seinem hau und chumpt solichen 
göttlichen vermanung nicht nach. 

Bl. 64b— 65 b: Daz sey einem yeden Christenmenschen geraten, daz er 
die pessrung seins lebens nicht spar unczt auff sein endt . . . daz im vor allen 
dingen layd sey, daz er got mit seinen sunden hat gelaydigt. 

Bl. 66 a— b: Wie wol daz ist daz aller grausamleichist und daz aller 
erschrechlichist der tod des menschen, als daz Aristotiles schreybt in dem puech 
Ethyconm, so ist doch der tod der sei daz aller smachleichist . . . der sicher- 
lich pegert zu sterben, daz er mit sand Paul spreche: ich peger zu erlöst 
werden xmd sein mit Christo. 

Bl. 66 b — 67 a : Seyd aber alle werich unsers herren Jhesu Christo uns 
ein ler sind, dar umb allez daz er an dem chrucz, da er sterben wölt, getan 
hat, daz sol wir auch tuen . . . und vernuftig ist, so sol er sprechen die vor 
und hernach geschriben gepet von dem haüsamen sterben. 

BL 67 a — 71b: Nun ist fieizichlichen zu merchen von den anweigung und 
und versuechung, dye dy sterbenden menschen gemaincklichen an ir letzten 
enden . . . wnd wan der her anklopft mit dem siechtumb, daz wir im gern 
auff tuen und frölich varen von disem eilend (71b) in die ewig rue, des helf 
uns der allmachtig got. amen. — finito libro an der cwelffpoten tailung tag 
in dem 1477 jar pfr dbxkdfm (rot). 

Bl. 72 a— 107 a: Ez l ) hueb sich in der tugenten schuel ein liepleich chosen 
und ein geistleich gezeug in fragen und in antwurtten von einem schueler 
tugentsam . . . und dar umb unsern herren pitten mit vleisse, daz er in dar 
zu schikch, und daz wir uns arm sunder also dar zue schikchen, daz (107 a) 
wir besiezen daz ewig leben, daz bestant uns got vater und der sun und heilig 
geist. amen. — Et sie est finis prime Johannes (rot). — Bl. 107b leer. 

BL 108 a— 133 a: Vil pf äffen und layen grossen chlag und swdre mü ist 
und tzweiffligeu frag, wie si sich holden suIlen in mess haben oder gots leich- 
nam enphahen . . . und in chraft der speis wandernt sy biz zu dem perg des 
herren zu ewiger sälichait, und di zu erlangen ist uns zu zerung oder wegspeis 
gegeben der leichnam unsers herren, der mit dem vater und dem heiligen geist 
herrschet oder reichet got ewigefdeich. — Bl. 133 b leer. 

BL 134 a— 141b: Ez sind drey frag, in disen drein fragen . . . (BL 139 b 
und 140 a leer) ... da da bluet auz der heilig geist. Die Quelle zu dem 
Traktat von den drei Durchbrüchen. Vgl. Denifle, Taulers Bekehrung S. 137 ff. 

Bl. 142 a — 182 a steht unser Traktat mit der roten Über- 
schrift: Daz ist ein wunder, ein nüoz disputiern von einem er- 
bergen peichtiger und von seiner peichttochter , prueff und hör 

selczämeu ding. 
B1.182b leer. 

2. Die Handschriften der Hauptklasse n. 

Die zur Hauptklasse II gehörigen Handschriften zerfallen 
wiederum in drei Unterklassen, die mit 1, 2 und 3 bezeichnet 
werden mögen. 

l ) Hb. En. 



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— 8 — 

a) Die Handschriften der Unterklasse 1. 

Mü Cod. genn. 133 in 16° der König! Hof- und Staats- 
bibliothek zu München. 1 ) Die neu eingebundene Hs. umfafst 
96 Pergamentblätter und ist von einer zierlichen Hand des 
14. Jahrhunderts geschrieben. Sie ist am Anfang und zu Ende 
defekt; die erste und letzte Seite sowie Bl. 77b und 78a sind 
stark abgerieben und nicht überall lesbar. Bl. la trägt von 
einer Hand des 14. oder 15. Jahrhunderts die Aufschrift: Ayn 
subtils guets puech. Die Sprache der Hs. ist mitteldeutsch. 

Bl. lb— 6b: Daz rehte vollenkomenste wesen . . . des hdf uns drieini- 
keit. Abgedruckt bei Pfeiffer II (Traktat 12), 517, 22—520, 38. 

Bl. 6b— 7a: Die bildenreiche forme . . . nicht an sim wesen. Abgedruckt 
bei Pfeiffer 11,668,20—34 = Greith, Die deutsche Mystik im Predigerorden 
(Freiburg i. Br. 1861), S. 200. 

Bl. 7 a— 8a: Nu mohte man wegen . . . her kumet zu sinem bilde. Ab- 
gedruckt bei Pfeiffer II, 681, 19—682, 15. 

Bl. 8 a -9 b: Diz ist, als ob ein junger . . . daz bescheit diser vrage. 
Abgedruckt bei Pfeiffer II, 631, 1—632, 27. 

Bl. 9 b— 10 a: Noch ist aber ein ander vrage . . . nu ist diz bescheiden. 
Abgedruckt bei Pfeiffer H, 675, 18—32. 

Bl. 10b— IIa: Diz sprichet Dyonisius: der vater geworhte ... nach 
underschaide weselich. Abgedruckt bei Pfeiffer n, 673, 19—39. 

Bl. IIa— 12a: Ein vrage ist von dem wirkere . . . also edel als daz 
wirkende. Abgedruckt bei Pfeiffer II, 677, 27—678, 22. 

Bl. 12 a — 14 a: Ein vrage ist under den meistern . . . die gute di einunge. 
Abgedruckt bei Pfeiffer II, 675, 32—677, 8. 

Bl. 14b— 15a: Sant Paulus sprichet: ich bit unsern herren Jhesum 
Christum . . . sal her bekennen den wec der warhait. Abgedruckt von Preger 
in der Zfdhist. Theol. 36, N. F. 30 (1866), 488. 

Bl. 15a — 23b: Unser herre Jhesus Christus sprichet: ich bin der wech 
. . . Iielfuns der gute got. amen. Abgedruckt von Pfeiffer in der ZfdA. 8, 243 ff.; 
entspricht ferner Zfdhist. Theol. 34, N. F. 28 (1864), 166—181. Vgl. noch ZfdA. 
35, 216 ff. 

Bl. 24 a — 63 a steht unser Traktat mit der roten Überschrift: 
Daz ist swester Katrei maister Elthartes tbchter von Strazb&rch. 

Bl. 63 a— 64 a: Daz sint bischolf Albrechtes spruch (rot). Iz sint xij 
guter stuke . . . ewiclüeich veHampt würdest. Abgedruckt in der ZfdA. 8, 217 
bis 218. 



') Vgl. Pfeiffer, Deutsche Mystiker 2, VIII; ferner: Die deutschen Hand- 
schriften der Königl. Hof- und Staatsbibliothek zu München, I.Teil (München 
1866), S. 14. Hier ist unsere Hs. nur ganz summarisch und zum Teil unrichtig 
beschrieben. 



( . I . Original from 

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— 9 — 

Bl. 64a— b: Zwelf sacke sint, die aim gai stächen mensch hindern van 
aim geistlichen Üben . . . da mit vertust man geistlich liebe und den guten 
wiäen zu got. 

BL 65 a — 70 b: Ex ipso et per ipsum et in ipso, ipsi gloria in secuta 
. . . der wir euriclich mit vreuden gebruchen muzen. amen. Entspricht ZfdPh. 
14,74-80. 

BL 70b— 74a: In omnibus requiem quesivi . . . und vinden muzen an 
got, des helf uns got. Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 45), 152—154. 

BL 74a— 77a: Das wort, daz ich gesprochen han an latin . . . als iz 
uns muglich ist, des hei f uns got. Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 103), 
835-337. 

BL 77 a— 79 b: Den min sei mirmet, zeig dich mir und sage mir . . . 
und got in allen creaturen rastet, amen. 

BL 79b— 88a: Vor dem heiligen ostertage, do unser herre Jhesus woste 
. . . daz di liebe ain an in si und ich an in. amen. Eine deutsche Über- 
setzung der Kapitel 13—17 des Johannesevangeliums. 

Bl. 88b— 93b: Man list in dem heiligen ewangelio . . . und minnet sich 
mer zu der sele. Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 76 a), 238—243. 

Bl. 93 b— 96 b: Minor regula paupertatis (rot). Seneca sprichet: armüt 
ist ain gut, daz man hasset . . . dis armute machet, daz sich der mensch ge- 
seüicUch Jieldet ... BL 96 b unleserlich. 

• 

Str Den Traktat „Schwester Katrei" enthielt, wie in der 
Einleitung (s. oben S. 1) schon bemerkt worden ist, auch die aus 
dem 14. Jahrhundert stammende Pergamenths. A. 98 (Str) der 
früheren Strafsburger Stadtbibliothek. Die 1870 verbrannte Hs. 
gehörte zweifellos zu den ältesten und für die ältere deutsche 
Mystik wichtigsten Dokumenten. 

Einen Ersatz dafür bietet nun cod. 15383 der k. k. Hof- 
bibliothek zu Wien, ein Quartband von 188 Blättern, einen Teil 
von Pf eiffers Nachlafs enthaltend. 1 ) Hier ist uns nämlich Bl. 4 a 



J ) Vgl. die gänzlich unzureichende, vielfach in die Irre führende Be- 
schreibung dieses Bandes sowie des gesamten Pfeifferschen Nachlasses in den 
Tabulae codd. manusc. ete. Vindob. t. VIII (1893), p. 144. 149. 155 sqq. — An 
dieser Stelle dürfte ein kurzes Wort über den literarischen Nachlafs Fr. Pfeiffers, 
soweit er sich auf der Wiener Hof bibliothek befindet, nicht unangebracht sein. Er 
füllt im ganzen zwölf Quartbände, vgl. Nrr. 15253. 15293. 15295. 15377—15385. 
Im wesentlichen handelt es sich hierbei um Pfeiffers vielgestaltige Vorarbeiten 
zu seiner Ausgabe der deutschen Mystiker des 14. Jahrhunderts, insbesondere 
ist uns hier ein immerhin grofser Teil seiner eigenhändigen Abschriften aus 
zahlreichen Hss. erhalten. Wenn es auch unerläßlich ist, immer wieder auf 
die Hss. selbst zurückzugehen, so behalten Pfeiffers Sammlungen doch selb- 
ständigen Wert genug und können uns auch heute noch im Einzelfalle nützlich 
sein. Vgl. z. B. Preger, Sitzungsber. d. k. bair. Ak. d. W., phil.-hist. Kl. 1871, S. 162 



I Onqmal fron» 

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— 10 — 

bis 39 b und Bl. 135 a — 139 b eine Reihe von Aufzeichnungen — 
wenn auch nur skizzenhaft — bezüglich der ehemaligen Strafs- 
burger Hs. erhalten, die ihre Rekonstruktion hinsichtlich des 
Inhalts in der Hauptsache ermöglichen. Was zunächst unseren 
Traktat betrifft, so lassen die wenigen ihm gewidmeten Notizen 
deutlich die Stücke erkennen, aus denen er sich nach der alten 
Hs. zusammensetzte (s. unten S. 12). Besonderes Interesse aber 
verdienen Pfeiffers Angaben noch deshalb, weil sie über die 
Reihenfolge der Eckhartischen Predigten in der Strafsburger Hs. 
Auskunft geben. Es genügt nicht, zu wissen, welche Predigten 
oder Traktate Eckharts eine Hs. aufweist, vielmehr, will man 
überhaupt zu einer Chronologie seiner deutschen Schriften ge- 
langen, so hat man von der Feststellung der Reihenfolge auszu- 
gehen, in der sie in den ältesten Hss. überliefert sind. 

Im folgenden will ich versuchen, auf Grund des Pfeifferschen 
Nachlasses >) sowie des sonst bekannten Materials von dem Inhalt 
der verlorenen Hs. ein Bild zu geben. 2 ) 

Bl. 2a— 18b: David von Augsburg, Die sieben Vorregeln der Tugend. 
Abgedruckt bei Pfeiffer I, 309-325; vgl. S. XXII der Einleitung. 



und Jundt, Histoire du pantheisme, p. 210. 283 s. 285 ss. Eine systematische 
Durcharbeitung des gesamten Nachlasses vollends würde vielleicht auch bei 
dem heutigen Stande der Forschung für die Erkenntnis der deutschen Mystik 
noch wertvolle Aufschlüsse liefern. Eine erfolgreiche Benutzung des Nach- 
lasses wird freilich durch den schlechten Zustand, in dem er sich befindet, 
sehr erschwert. Allerdings lagen mir nur drei Bände (Nrr. 15381. 15383. 15385) 
vor, allein mit den übrigen wird es kaum anders bestellt sein. Von wenigen 
Ausnahmen abgesehen sind den verschiedensten Hss. zugehörige Teile, jeder 
Anordnung entbehrend, willkürlich zusammengebunden worden. 

l ) Ich erinnere noch einmal daran, dafs ich nur die drei, in der vorher- 
gehenden Anmerkung genannten Bände kenne, von denen jedoch nur Nr. 15383 
für unseren Zweck in Betracht kommt. Es ist möglich, dafs in den übrigen 
neun noch manches hier Einschlägige zu finden ist, doch dürfte mir Wichtiges 
kaum entgangen sein. 

9 ) Sie steht in dem Catalogus codicum manuscriptorum in bibliotheca 
sacri ordinis Hierosolymitani Argentorati asservatorum confectus a Joh. Jac. 
Wittero, Argentorati 1746, p. 4 mit dem Titel verzeichnet: Sermones de Tem- 
pore & de Sanctis. Teutonice. M. 4. — Pfeiffer gebührt das Verdienst sie 
zuerst wieder ans Licht gezogen zu haben. C. Schmidt hat dann in den 
M6moires de l'academie royale des sciences morales et politiques de Tinstitut 
de France t. II (1847), p. 247 ss. in den Anmerkungen gelegentlich Sätze aus 
ihr mitgeteilt. — Vgl. auch Preger, Geschichte der deutschen Mystik 2, 86 f. 
und besonders Pahncke a.a.O. S. 26 ff. 



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— 11 — 

Bl. 18b— 35a: David von Augsburg, Der Spiegel der Tugend. Ab- 
gedruckt bei Pfeiffer I, 325—341. 

Bl. 42 a— 60 b: Acht Predigten Meister Eckharts (bei Pfeiffer die Nrr.26 
bis 28. 30. 32—35), in vollständiger Abschrift erhalten; vgl. cod. 15383, B1.7a 
bis 39b. Jede dieser Predigten wird ausdrücklich als sermo magistri Eghardi 
(rot) bezeichnet. ') Sie stimmen beinah wörtlich mit Pfeiffers Abdruck überein. 
Pfeiffer Nr. 26 gleicht Jostes, Meister Eckhart und seine Jünger, Nr. 36, S. 30,28 
bis 32,14, und der Abschnitt 121,29—123,16 aus Pfeiffer Nr. 35 entspricht 
Jostes a. a. 0. Nr. 17, S. 12, 11 - 13, 30. 

Bl. 60 b— 84 a: Zehn weitere Predigten Meister Eckharts (bei Pfeiffer die 
Nrr. 38. 39. 41. 44. 46. 31. 36. 48. 50. 51). Hier sind uns indes nur die lat. 
Überschriften der Predigten angegeben, als ihr Verfasser wird jedesmal Meister 
Eckhart genannt; vgl. cod. 15383, BL 4a. Pfeiffer Nr. 38 gleicht Jostes a. a. 0. 
Nr. 69, S. 69,34-71,39. 

Bl. 84a— 85 b: Sancius Dyonisius sprichet von drierhande Hecht, daz 
diu sele haben söl . . . disiu begrifunge ist ein verstantnüsse , an dem got ime 
selber offenbar ist und vereinet sich in eime lichte, da nietnan zuo komen en- 
mag, alse sant Paulus sprichet: got si mit uns. amen. In vollständiger Ab- 
schrift erhalten; vgl. cod. 15383, Bl. 4a und Bl. 135a— 136b; entspricht Preger, 
Geschichte der deutschen Mystik 2, 455 f. und Jostes a.a.O. Nr. 69, S. 67, 35 
bis 69, 17. 

Bl. 85b— 86b: Der lesemeister von Kotten sprach: ein voUekomen mensch 
solle haben dise sehs ding an ime etc.; vgl. cod. 15383, Bl. 4a. Abgedruckt 
in der Germania 3, 2411, entspricht Zfdhist. Theol. 36, 516f.; dasselbe Stück 
auch in der Heidelberger Hs. Nr. 62, Bl. 92 b überliefert, s. Bartsch, Die alt- 
deutschen Handschriften der Universitätsbibliothek in Heidelberg (Heidelberg 
1887), S. 26. 

Bl. 86 b— 88 b: Kristus sante sine apostden, wände siu (sin) man wären, 
dö sprach sant Paulus: sehet her, diz sint die hende, da mite ich gewannen hän, 
des ich gelebet hän . . . daz sint die seligen, die got erweit hat, die also der 
warheit lebent, als hie geschriben stat, die etüebent in selben, deu creatüre 
sint alle stete gelich, wände sie lebent mit allem dem, daz sie lebent der war- 
heit, diu got ist, wände ez enist dehein warheit, dan diu got ist. In voll- 
ständiger Abschrift erhalten; vgl. cod. 15383, Bl. 137a— 139b. 

Bl. 88 b— 89 b: Ir sulnt ewictdiche also arm sin, alse wir waren, do wir 
niht enwaren . . . also enist ir genugede minder wan in ime. Vgl. cod. 15383, 
Bl. 4b; entspricht möglicherweise Pfeiffer II (Traktat 10 2 >), 493-495. 

Bl. 89 b -95 a: Drei Predigten Meister Eckharts (bei Pfeiffer die Nrr. 52. 
53. 16). Auch hier müssen wir uns mit den wiederum Eckharts Autorschaft 
bezeugenden lateinischen Überschriften begnügen; vgl. cod. 15383, Bl. 4b. 

Der sich unmittelbar hieran anschüefsende Passus von Pfeiffers Abschrift 
zeigt Verwirrung und läfst nicht deutlich erkennen, ob der interessante Ver- 
merk des Schreibers Finito libro sit laus et gloria Christo, non videat 



*) Auch Predigt Nr. 28 wird, was Pahncke a. a. 0. S. 26 übersehen hat, 
als sermo magistri Ekardi bezeugt. 

8 ) Traktat 10 handschriftlich auch Stuttgarter Landesbibliothek HB. I 
Ascet. 203,4°, Bl. 190 a. 



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— 12 — 

Christum, qui librum substrahat istum auf die Eckhartpredigt Nr. 16 oder erat 
auf das nächste Stück folgte. 

Bl. 95 a— 99 b: Formans me. er hat mich geformet an ime umd mit 
ime und in ime etc. Vgl. cod. 15383, Bl. 4 b. Entspricht dem Druck der 
Taulerschen Predigten vom Jahre 1521, Bl. 277ra— 278rb sowie Wackernagel, 
Altdeutsche Predigten S. 163 ff. (544 ff.); s. auch Greith, Die deutsche Mystik 
im Predigerorden S. 171. 

Bl. 99b— 159b (?): Unser Traktat mit der Überschrift: Von 
der bihte (rot). Vgl. cod. 15383, Bl. 5 a— 6a. Er schliefst in 
Übereinstimmung mit Pfeiffer II, 475, 32 eigentlich schon Bl. 137 b. 
Pfeiffer bemerkt jedoch bei den beiden auf den Traktat folgenden 
Stücken ausdrücklich, dafs sie noch zum vorhergehenden bthter 
gehören. Das erste von ihnen reicht von Bl. 138 a — 140 a und 
entspricht der Predigt Nr. 18 bei Pfeiffer II, 78 f.; das zweite, 
dessen Identität festzustellen mir nicht gelungen ist, beginnt 
Bl. 140a mit den Worten: Isayas sprichet ein wort, daz ist vol 
liehtes: stant uf, Jerusalem, enpfah licht! daz „stant uf, Jeru- 
salem!" bedutet als vil als vride. diu ere gotes ist, daz er clein 
ding hat gesetzet von nihte uf niht. weit ir nu merken, ob ir 
uferstanden sint, der saehe sint dri . . ., und schliefst: . . . unde 
von geiste geistelos. diz ist diu ere gotes, daz wir guote Inte 
(werden), des helfe uns got. amen. Leider fehlt hier am Schlufs 
des Stückes die Angabe der Blattzahl. Da nun der auf das 
zweite Stück folgende Abschnitt Bl. 159b (Mitte) einsetzt, so 
kann es möglicherweise bis Bl. 159 b gereicht haben. Demnach 
hätte unser zweites Stück, was von vornherein sehr unwahr- 
scheinlich ist, den beträchtlichen Raum von 20 Blättern ein- 
genommen, während alle übrigen Teile des Traktates zusammen 
nur 40 Blätter füllten. Dagegen dürfte die Annahme wohl das 
Richtige treffen, dafs Pfeiffer bei der Skizzierung des Inhalts 
der Hs. hier an dieser Stelle Stücke, die ihm unwichtig erschienen, 
stillschweigend übergangen hat, wie es z.B. unten bei der Lücke 
zwischen Bl. 160 b und 164a der Fall ist. Cod. 15383, Bl. 5a— 6a 
gibt Pfeiffer über die Komposition unseres Traktates in der alten 
Hs. wichtige Aufschlüsse, worauf ich im zweiten Kapitel näher 
einzugehen habe. Hier mufs ich mich auf die Bemerkung be- 
schränken, dafs die 17. und 37. Predigt Eckharts, die Pfeiffer dem 
Quellenverzeichnis seiner Ausgabe (2, VIII) zufolge der Strafs- 
burger Hs. entnahm, nicht wie die oben genannten Predigten des 
Meisters als selbständige Stücke in der Hs. überliefert, sondern 
in unseren Traktat eingeschaltet waren. 



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— 13 — 

Bl. 159b — 160b: Wer noh einich helle noch einich himelrich, nohdan 
wolt ich minen got, süezer vater, dich . . . tmd ilen wir in daz hoehestej daz 
ist der überschal Vgl. cod. 15383, Bl. 6b; entspricht Pfeiffer II (Traktat 12), 
516, 14—517, 19. 

Zwischen Bl. 160 b und 164 a müssen die vier mystischen Gedichte 1 ) ge- 
standen haben, von denen Preger, Geschichte der deutschen Mystik 2, 140 ff. 
Proben mitgeteilt hat. Das vierte dieser Gedichte Ich will von der minne 
singen hat Jundt, Histoire du pantheisme p. 283s. ediert; es stand in der alten 
Hs. auf BL 162, vgl. Jundt a.a.O. p.210. In cod. 15383 findet sich bezüglich 
der Gedichte keine Notiz. 

Bl. 164 a— b: Nu ist ein vrage under den meistern tmd daz ist diu 
höheste vräge . . . daz diu ewige warheit ist Vgl. cod. 15383, Bl. 6b; ent- 
spricht Pfeiffer II, 682, 16—37. 

Bl. 164 b -168 b: Daz rehte vollekommene wesen des geistes ist, ob noh 
helle noh himelriche were . . . unde kein creature mag niht hoher komen. Vgl. 
cod. 15383, Bl. 6b; entspricht Pfeiffer II (Traktat 12), 517,20—520. 

Pfeiffers Aufzeichnungen schliefsen mit den Worten: 'Bl. 168b— 188a 
noch manche Tractate und Sprüche Eckharts, die einer näheren Untersuchung 
wert sind. — Strasb. 19. July 51 '. 

B Ms. germ. quart. 1087 der König]. Bibliothek zu Berlin, 
in der Sammlung des Freiherrn A. v. Arnswaldt Nr. 3144; 2 ) alter 
Holzdeckel mit braunem Leder überzogen, Rücken gelockert, 
Reste zweier Schliefsen. Es ist eine Papierhandschrift mit 
Pergamentblättern, von einer Hand des 15. Jahrhunderts ge- 
schrieben. BL 135 a — 157 a steht unser Traktat mit der roten 
Überschrift: Hier begint die biechtdochter. Die Sprache der Hs. 
ist niederdeutsch. 

Me Papierhandschrift Nr. 586 in 2° der Stiftsbibliothek zu 
Melk, 3 ) alte Signatur L 5; alter Holzdeckel mit hellem Leder- 
bezug, beide Schliefsen wohl erhalten. Die Hs. umfafst 228 rot 
bezifferte Blätter, wobei jedoch das erste beschriebene Blatt 
sowie die beiden letzten leeren Blätter nicht mitgezählt sind, 
und ist von einer Hand des 15, Jahrhunderts zweispaltig ge- 
schrieben. Die Rückseite des ersten , unnumerierten Blattes 
schmückt eine kunstvolle Initiale (rot, blau und gelb). Dem 



*) Zu Lied 3 s. R. Priebsch , Deutsche Handschriften in England Bd. 1 
(Erlangen 1896), S. 68 und ZfdPh. 36, 79. 

*) Vgl. die eingehende Beschreibung der Hs. durch Reifferscheid im 
Jahrbuch d. Vereins f. niederdeutsche Sprachforschung 10, 26ff. und R. Langen- 
berg, Quellen und Forschungen zur Geschichte der deutschen Mystik (Bonn 
1902), S. 178 Anm. 1 und S. 188 f. 

3 ) Vgl. Pfeiffer, Deutsche Mystiker 2, IX und Denifle, ZfdA. 21, 143. 



( . I . Original from 

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— 14 — 

Vorderdeckel ist ein Zettel aufgeklebt, der von alter Hand die 
Aufschrift trägt: Hyemalis de Dominico; darunter schrieb eine 
jüngere Hand: Predig des Hern Magistry Dinglspül. Auf der 
Innenseite des Vorderdeckels steht in grofsen roten Buchstaben: 
Jesus Maria. Hierauf nach kleinem Zwischenraum vielleicht von 
der Hand des Schreibers der Hs.: Maister Niclas von Dinckel- 
spüchel predig vom advent piss auf den achten suntag nach 
Pfingsten. Die Sprache der Hs. ist bairisch- österreichisch. 

Die Hs. bildet den ersten Teil eines auf zwei Bände an- 
gelegten Predigtwerkes. Vgl. die dem Inhaltsverzeichnis auf 
der Vorderseite des ersten unnumerierten Blattes beigefügte 
Notiz, wo es heilst: In dem andern tail des puechs wirt man 
anheben am achtten suntag nach phingsten, und dy teal get in 
paiden püehern nach ein ander, nach dem als sy inn halten ir 
ler und predig maister Niclas TinJcchelpühel und ander maister 
nach irr robriken (rot). Demnach haben wir es mit dem vom 
ersten Advent bis zum siebenten Sonntag nach Pfingsten ein- 
schliefslich reichenden Winterteil einer Predigtsammlung zu tun, 
in der hauptsächlich Nikolaus von Dinkelspühl, daneben aber 
auch noch andere Meister vertreten sind. Von den 69 in unserem 
Bande vereinigten Predigten, die sämtlich mit roten Überschriften 
versehen sind, werden zehn Meister Eckhart, zwei Konrad von 
Ratenburg sowie je eine dem hl. Bernhard und Origines, alle 
übrigen Nikolaus von Dinkelspühl zugeschrieben. Ein näheres Ein- 
gehen auf die Predigten würde ihrem verhältnismäfsig geringen 
Wert nicht entsprechen. Deshalb gebe ich nur den Anfang und 
den Schlufs der ganzen Sammlung; ferner führe ich kurz die 
Predigten an, die Nikolaus nicht zum Verfasser haben. Was 
insbesondere die Predigten Meister Eckharts in unserer Hs. an- 
langt, so bezweifelte schon Pfeiffer mit Eecht ihre Echtheit. 1 ) 
Trotzdem haben sie in seiner Ausgabe Aufnahme gefunden. Rieger 
hat dann aufs neue ihre Unechtheit wahrscheinlich gemacht. 2 ) 

Die Predigtsammlung beginnt (auf der Rückseite des ersten, unnume- 
rierten Blattes): Dy predig am ersten suntag im adventt: war umb uns got 
der her peschaffen hab (rot). Die predig sagt, war umb uns got peschaffen 
hob 3 und wie wir gevallen sein und wie wir widerpracht sein, und waz hie 
da von gesagt wirt, daz schreibt der maister Sententiarum im andern puech 
in diversis distinctionibus und sanetus Thomas und Bonaventur und sanctus 

») Deutsche Mystiker 2, XI. 

-) Vgl. Wackernagel, Altdeutsche Predigten 8. 404 Aum. 



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— 15 — 

Augenstinus super genest und ander lerer, des ersten sol man wissen, wie und 
war umb uns got peschaffen hab. wan got der herr wolt, daz ein creatur von 
seiner mitten güetichait tailhaftig wurd seiner er und sdlichait u. s. w. 

BL 23 vb— 26vb: Dy predig hat gemacht maister Chunrat von Raten- 
burg von der züchumfft unsers herren (rot). 

BL 69vb — 71rb: Ein andere predig von der hachtzeit der liechtmezz 
maister Ekcharts von Paris (rot). Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 105), 
340-343. 

BL 71rb— 76va: Am fumften swntag nach dem prehentag (rot) . . . Dy 
auslegung maister Chwnrats. von Ratenburg. 

BL 103 va — 106vb: Ein andere predig vom suntag Letare, 
ein maister von Paris (rot). Diese Predigt enthält Abschnitte 
unseres Traktates. Wie es scheint, hat Pfeiffer die Predigt für 
eine Bearbeitung des Traktates Nr. 11 seiner Ausgabe gehalten, 
dessen Eingang sich ja mit dem Anfang von Nr. 6 berührt. 1 ) 

BL 113ra — 115rb: Ein andre predig von dem englischen gruez maister 
Ekcharts von Paris (rot). Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 106), 343 
bis 347. 

BL 12lra— 124va: Ein andere predig vom palmtag maister Ekcharts 
von Paris (rot). Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 107), 347—354. 

BL 124va — 127ra: Ein andere predig maister Ekcharts eodem (rot). 
Eine Bearbeitung der Predigt Nr. 6 bei Pfeiffer II, 33 ff. 8 ) 

BL 137 vb — 139 ra: Ein andre churtze predig vom abentessen von Paris 
maister Ekcharts (rot). Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 108), 354-357. 

BL 156 va — 162rb: Ein predig von unser fraun mitleiden auz der ler 
sand Pernharts und rüt maister Niclas (rot). 

BL 171rb — 176rb: Dy predig ist genomen auz der ler Origenis, wie 
Maria Magdalena den herren Jhesum Christum am ostertag gesuecht hat (rot). 

BL 189rb — 192ra: Eine andere predig vom petten maister Ekchars von 
Paris (rot). Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 109), 357—363. 

BL 195ra — 198rb: Ein andere predig maister Ekcharts von Paris 
(rot). Abgedrückt bei Pfeiffer II (Predigt 76 b), 243—249. 

BL 204rb — 207ra: Ein andere predig vom heiligen gaist maister Ek- 
charts von Paris (rot). Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 110), 364—370. 

BL 210ra— 213rb: Ein andre predig von dem heutigen tag maister 
Ekcharts von Paris (rot). Eine Bearbeitung des Traktates Nr. 2 bei Pfeiffer 
H, 382 ff. 

Die Predigtsammlung schliefst B1.227vb: . . . dy weil wir uns mit 
unserm nächsten nicht versüenen wellen, den wir gelaidigt haben, und dar 
umb daz wir nu also leben, daz unser grechtichait grösser sey dann der 
gleichsner und Schreiber, und got du mit gevaüen und verdienen daz ewig 
leben, daz verleich uns got der vater und der sun und der heilig geist. amen. 



x ) Vgl. Pfeiffer, Myst. 2, IX. 

») Pfeiffer gibt Myst. 2, IX fälschlich Nr. 7 an. 



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— 16 — 

b) Die Handschriften der Unterklasse 2. 

ö Papierhandschrift Nr. 965 in 4° der Stiftsbibliothek von 
St. Gallen; 1 ) Holzband mit rotem Leder überzogen, Rücken in 
gelbem Leder, Schliefse abgerissen. Die Hs. stammt ans dem 
15. Jahrhundert und zählt 484 Seiten. Sie trägt auf dem Rücken 
von einer Hand des 18. oder 19. Jahrhunderts die Aufschrift: 
Verschiedene ascetische Abhandlungen. Vier Schreiber haben sich 
folgendermafsen in die Arbeit geteilt: der erste schrieb S. 1—166 
und S. 409— 434 sowie S. 472— 484; der zweite S. 167— 268 und 
S. 435—471; der dritte erscheint S. 271—372; der vierte endlich 
beschrieb S. 377 — 407. In der Hs. fehlen mehrere Blätter: zwischen 
S. 72 und 73 sowie zwischen S. 166 und 167 je ein Blatt; zwischen 
S. 172 und 173 sowie zwischen S. 174 und 175 je zwei Blätter; 
zwischen S. 178 und 179 wiederum ein Blatt; zwischen S. 222 
und 223 vielleicht drei Blätter und schlief slich zwischen S. 412 
und 413 sowie zwischen S. 480 und 481 je ein Blatt. Die Lage 7 
(mit S. 166 endigend) und die Lage 13 (mit S. 269 beginnend) 
gehören ursprünglich zusammen; sie sind beim Binden fälschlich 
getrennt worden. 

Wenn Scherrer a. a. 0. S. 360 von unserer Hs. sagt, sie sei 
von Fr. Cölner und drei anderen geschrieben und den Beicht- 
töchtern des Klosters von St. Georgen zugeeignet, so mufs dem 
gegenüber festgestellt werden, dafs uns in der Hs. selbst weder 
der Name eines Schreibers noch ein Widmungsvermerk überliefert 
ist. Wie verschiedene St. G-aller Hss. bezeugen, ist Fr. Cölner 
allerdings für die Nonnen von St. Georgen (Frauenkloster St. Wibo- 
rada) bei St. Gallen als Schreiber mehrfach tätig gewesen (vgl. 
Scherrer a.a.O. S.364. 377 f. 630.636). Scherrers Angabe kann 
also nur auf der Übereinstimmung des Schriftcharakters der Hss. 
beruhen. — Die Sprache der Hs. ist alemannisch -schwäbisch. 

S. 1—106: In dem namen unsers herren. so vohet an ain buch von 
der inner(l)ichen rede Cristi zu der träwen und andechtigen sei. daz erst capitel 
(rot). Audiam, quid loquatur in me dominus deus. ich wird hören, waz got 
der her in mir wirt reden . . . z& dem vatterland der ewigen verklerwng. amen. 
— Hie hat daz büchli ain end. got der alm acht ige mit syner lieben muter 
wellent uns an unserm ende schirmen, amen. (rot). Eine deutsche Übersetzung 
von Buch III der Imitatio Christi des Thomas a Eempis. 



') Vgl. O. Scherrer, Verzeichnis der Handschriften der Stiftsbibliothek 
von St. Gallen (Halle 1875), S. 360 f. und Denifle, ZfdA. 21, 142. 



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- 1? - 

S. 106—123 : Hie vdhet an ein nütsu gute ler ainem teglichem säligen 
menschen, der gern zu niemen wil all tag und all zit in gutem gotlichem hailigen 
leben (rot). Wut du nun komen zu der volkomenhait alles gaistliches lebens, 
so sol du dich geliehen der obresten ierarchie, daz ist furstetum der obresten 
enget . . . und daz si kompt zu der ainung, zu dem hisse und zu dem umvang 
irs gemdhels, zu dem uns helff got von hymelrich. amen. — Hie hat disü ler 
ain end. got uns sin hailigen gnad send und uns allen verlieh ain salig gut 
end. amen (rot). 

S. 123 — 124: Disü ding machend den menschen got wolgevaUen und 
oh den luten. daz erst ist guti werk . . . daz ich mit dir sdlJdichen leb. amen, 

S. 124—126: Die ist ain gaistlicher blüm (rot). Bi dem edeln blümen 
ist bezaichnet ain ieglich salig mensch . . . und gotlich tugent ze geben an 
allen dingen und hernach daz ewig leben, amen liebez kint mim. 

S. 126—134: Wer körnen weüe zu der höhsten volkomenhait und zu dem 
anschowen des obresten gutes, daz got ist, der sol sich selber leren bekennen 
und alle die ding, die ob im sind . . . da von sprichet sant Augustinus : grosser 
fröd ward nie gesehen in hymelrich noch in ertrich. dar zu helff uns der 
vatter und der sun und der hailig gaist. amen. Anfangs Berührung mit 
Traktat Nr. 2 bei Pfeiffer II, 382 ff., später jedoch völlig abweichend. 

S. 134 — 135: Also sprichet die ewig wisshaid: hörent myn lieben kind 
mit kurtzen worten die getruwen manung uwers getruwen vatter s . . . ze allen 
stunden gotlichs Hechtes oder trostes warten, amen, dar zu helf uns allen, 
daz wir daz volbringent. 

S. 135— 152: Ain predie des Talers (rot), d.h. Taulers. Unser lieber 
herr Jhesus Christus sprach in dem hailigen ewangelio: ain tau des samen 
viel in gut ertrich und bracht hundertvaltig frucht . . . sich an die dru küng, 
die got vil haimlicher wurdent denn vil ander, die by wonetent und sin bene- 
dieten lere hortent und sine hailigen werk sahent. und des sig gelobet und 
geeret der minneklich got, der uns vorgegangen hat und diz gelert hat amen. 

S. 152 — 161: Der Taler (rot). Brüder, leben wir im gaist, sottent wir 
och wandeln in dem gaist und ensollent nit volgen der begerung der iteln 
eren . . . dasz wir uns nun alle also mussent keren, daz uns dise volle masz 
werde, des helff uns got der vatter und der sun und der hailige gaist. amen. 

S. 161 — 166: Toller (rot). Ez stat in ainer bredig von sant Johannes 
baptislen geburt: kinder, ir sottent uch inkeren in den grund, da die gnade 
allain geborn wirt in der warhait . . . und künde der metisch in allem sinem 
leben der ker ainen getreffen, so were im wol geschehen. 

S. 167 : Diz sind zwo bredy von liden die ain und von miden die ander. 

S. 167—173: Gracia domini nostri Jesu Christi, die gnad unsers lieben 
heren Jesu Christi und die liebe und der frid und die gemeinsamy des haiigen 
gaistes sig all zu mit uns allen, amen. Ez ist fraug von vil luten, weder 
liden oder miden wirdigem Ion vor got bring oder haben . . . daz er sprichet 
?nin gemachel, daz ist, daz er uns gemäMet haut mit siner lidung, daz ist mit 
siner marter zu siner ewigen fröde. und daz wir der genoss werdin, daz 
verlih uns der vatter und der hailig gaist. amen, 

S. 173 — 181: Merk wol dis bredy von miden. Facies hominis et facies 
leonis a dextris ipsorum quatuor animalium. ain anüit aines menschen und 
ain anüit aines löweu zu der rechten hand der vieren ... das wir niemer 

2 



I Original fVorn 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



- IS - 

ersterbint mit den bösen tiefelskinden, und daz wir gnade vinden by den haiigen 
evrildichen, des helff uns got von himelrich. amen. Diese sowie die vorige 
Predigt auch in der St. Galler Hs. 972 a, S. 296— 316 (Scherrers Verzeichnis 
S. 365). 

S. 182 — 183: Quidam rnagnus doctor interrogavit quendam 
perfectum hominem dicens, quid tibi videtur: waz dunket dich, 
daz dih aller maist gefürdret hob zu diner ewigen selikeit . . . 
daz zehent, daz ich mich innen und ussnen übte uff daz aller 
höhst Ein Bruchstück aus unserem Traktat = Pfeiffer II, 467, 30 
bis 468, 15 (Alemannia III, 24, 19—25, 4). Vgl. den Vermerk des 
Schreibers auf dem oberen Rande von S. 182: Ex libro virginis. 

S. 184 — 259 steht unser Traktat mit der Überschrift: Disz 
buchly haiszet von den fünff brötten oder von der bichtochter (die 
vier letzten Worte in roter Schrift). 

Das oben genannte Stück S. 182 fehlt in unserem Traktat 
S. 218 der Hs. Hier wird der Leser, was wohl zu beachten ist, 
nicht etwa am Rande der Seite, sondern mitten im Text auf 
den Abschnitt S. 182 verwiesen (Si sprach: ich reden wol mit 
üch von ussren dingen, er sprach: daz such da vorna by disem 
zaichen +. er sprach: gelobt sig got u. s. w.). Schon die Art 
und Weise, wie hier auf das dem Traktat voranstehende Stück 
Bezug genommen wird, macht es von vornherein sehr unwahr- 
scheinlich, dafs es sich S. 182 um einen Nachtrag zu unserem 
Traktat handelt. Vergegenwärtigen wir uns, wie der Schreiber 
in dem Teile der Hs., der dem Traktat unmittelbar voraufgeht, 
bei seiner Arbeit verfuhr. Etwa in der Mitte von S. 181 kam 
er mit der oben erwähnten „bredy von miden u zu Ende. Den 
Rest der Seite liefs er frei, erst auf der neuen Seite 182 begann 
er mit dem folgenden Stück „Quidam rnagnus doctor etc", das 
S. 182 ganz und aufserdem noch ein paar Zeilen von S. 183 in 
Anspruch nahm. Den übrigen Raum, etwa zwei Drittel der 
Seite liefs er wiederum unbeschrieben. S. 184 setzte er dann mit 
der Niederschrift unseres Traktates ein. Höchst wahrscheinlich 
hat der Schreiber die Stücke in der angegebenen Reihenfolge in 
die Hs. eingetragen. Es wäre gesucht, wollte man annehmen, 
der Schreiber habe seine Arbeit S. 181 abgebrochen, um sie erst 
wieder S. 184 aufzunehmen, und habe dann die hier entstandene 
Lücke später zu Nachträgen benutzt. Allerdings wurde der S. 181 
und 183 frei gebliebene Raum nachträglich ausgefüllt, allein erst 
von zwei jüngeren Händen, die sonst nicht weiter in der Hs. 



I Original troni 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



- 10 - 

sichtbar sind. Die erste trug S. 181 und 183 folgende geistliche 
Betrachtung ein: Wie der mensch in aller beJcorung im selb mag 
behelffen, daz wil ich dir hie sagen u. s. w. Darunter schrieb die 
zweite Hand: Sant Augustinus spricht: wer Tcain vigind, so tver 
Jcain stritt, und tver Tcain stritt, so wer Jcain uberwinnung, und 
wer Jcain uberwinnung, so wer Jcain Jcron. — Die Annahme, das 
Stück S. 182 sei weiter nichts als ein Nachtrag zur „Schwester 
Katrei", wird jedoch durch seinen lateinischen Eingang vollends 
unmöglich gemacht. Dieser würde, wie jeder ohne weiteres zu- 
geben wird, an der Stelle bei Pfeiffer 467, 30 in den Zusammen- 
hang des Traktates überhaupt nicht hineinpassen. 

Nach alledem kann es sich also S. 182 nicht um einen 
Abschnitt handeln, den der Schreiber S. 218 versehentlich aus- 
liefs, und den er an jener Stelle nachzutragen sich später genötigt 
sah, vielmehr war der Abschnitt S. 182 bereits zu Papier gebracht, 
ehe der Schreiber mit der „Schwester Katrei" begann. Als dieser 
dann bei der Niederschrift des Traktates an die Stelle kam, wo 
der Abschnitt in den Text hineingehört, erinnerte er sich des 
Stückes, auf S. 182 und verwies der Einfachheit halber darauf, 
um es nicht noch einmal wiederholen zu müssen. Wir werden 
demnach in dem Abschnitt S. 182 ein ursprünglich in sich selb- 
ständiges, wahrscheinlich auf eine lateinische Vorlage zurück- 
gehendes Stück zu erblicken haben, das erst späterhin in unseren 
Traktat hineingearbeitet worden ist. 

Die Eichtigkeit dieser Auffassung wird überdies noch da- 
durch bestätigt, dafs sich das gleiche Stück, wie Jundt 1 ) schon 
bemerkt hat, auch in dem Druck der Taulerschen Predigten 
vom Jahre 1543, Bl. 306 vb— 307 ra unabhängig von unserem 
Traktat findet. Das Stück a. a. 0. entspricht dem Abschnitt bei 
Pfeiffer S. 467, 30—468, 25 (Alemannia III, 24, 19—25, 15). An- 
gefügt ist ihm noch ein kurzer Abschnitt, der bei Pfeiffer und 
in der Alemannia keine Entsprechung findet. Der Anfang des 
Stückes lautet: Eyn gelerter man fraget eynn iunckfraw, die eyns 
hilgens lebens was, mit waz übunge sy da zu hörnen were? Sie 
antwort (ausz demütiger gehorsamheitt) mitt X stucJcen. das erste 
das ich mich alzeyt Hesse, war ich mich vant ... Es schliefst: 
. . . das ist mir also (Bl. 307 ra) woll beJcant als meyn finger an 
meyner hant Angefügt wird noch: Der gelerte man lobte got 



') Histoire du pantheisme, p. 64 note. 

2* 



I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 20 - 

von seynen gäben. Sye spraich: herre, leer mich, wie ich leben 
sol. Er sprach: Ir solt vren licham zu lassen ein sanfft leben, 
vff das der geist vngehindert sey. Do sprach sie: Nein, here, ich 
musz vnsen exemplar Jesum Christum (der kein sanfft lebenn 
gefürt hat) folgen in armid vnd in eilende, in hunger, in durst, 
in hitze, inn kelde, in pein vnd in versmdtheit bisz in den todt 
Die zuletzt angeführten Sätze erinnern übrigens an den Passus 
bei Pfeiffer S. 473,29—474,4 (Alemannia III, 30,35—31, 15). 

S. 259 — 268: Thimoteus fraugt sant Patüum, wie man gesehen möhti 

flaisch und blut in dem sacrament des brottes . . . und merk ez wol der mensch, 
der da mensch worden ist in dem ewigen wort . . . Entspricht Jundt, Histoire 
du pantheisme p. 246 — 251, 13 (Schcen fragen). Die Anordnung der einzelnen 
Abschnitte dieses Stückes ist in unserer Hs. zum Teil anders. Auch der 
Scblu ls des Stückes mufs ursprünglich in der Hs. gestanden haben, denn es 
heilst S. 168: daz hy brist, daz such am ersten bind diszes buchly. — S. 269 
und 270 leer. 

S. 271— 372: Von sant Jheronimus tode (rot). Ich darf hier wohl auf 
Scherrer a.a.O. S. 361 verweisen. — S. 373— 376 leer. 

S. 377 — 393: Von dem dultigen Jop (rot). Diz ist von dem dultigen Jop. 
min hertz hat mich nie gestraffet in allen mitten lebtagen . . . und er der gött- 
lichen süssikait in sinem liden enpfmdet, so vil daz in lidens gelust und sich 
in liden ob allen dingen fröwet, und daz daz och in uns voübraht werd, daz 
verlieh mir und üch der ratter und der sun und der hailig gaist. amen, 

S. 393—407: Die ander bredig von dem Jcüng Job. nun wil ich furbaz 
sagen, wie ez dem dultigen Job ergieng und wil furbaz drü stuk von im 
sagen . . . mer daz sich der mensch gedulteklichen und gelassenklichen geben 
sol in allez liden, als lang als ez got von dem menschen haben wil, dar um 
daz zu ainem zaichen so benempt och die geschrift nit, wie lang der kimg Job 
in liden was. — S. 408 leer. 

S. 409 — 434; Fortsetzung S. 472—481 : Daz buch des lebens (rot). Daz 
buch wirt genempt daz buch des lebens, wan sin materie und offenthalt oder 
der aller edlest gegenwurf und ustwürkung, form und end ist der herr, der 
da ist ain brun des lebens — Auf S. 434, deren letztes Drittel unbeschrieben 
ist, steht der Verweisungsvennerk : Die nachgende materie dieses buchlins such 
nach anderhalbem sextern by dem zaichen £. Der Schreiber kam demnach 
mit dem ihm zu Gebote stehenden Raum nicht aus. Den Rest des Stückes 
trug er nach in der zweiten, frei gebliebenen Hälfte der übernächsten Lnge. 
Schlufs: . . . und frolich mügest ingan in die hailigen stat Jherusalem, die 
hymelichsche , da er geben wirt daz rieh gottes des vatters in dem hailigen 
gaist, der mit dem selben vatter und dem hailigen gaist lebt und gloriert got 
durch alle untodemliche weit zu weit amen. 

S. 435—442 : Den brieff sant Mardocheus, ain fürste der Juden, AUexandro 
Magno ze erkennen den waren got als die Juden. Do Aüexander, Philippi 
sun von Macedonea, heile im undertenig gemachet düe künkrich . . . so nimpt 
er daz zu im und behalt daz wol und leget daz beste under dem türsten schätze, 
also tut got oh der sele. amen. 



i ' ' . I . Original ftom 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 21 — 

S. 443— 445: Nota super itto verbo: deus homo factus est, nota bene 
minimum opus, quid deus homo fecit in humanitate sua. äüy die werk, die 
got ie gewurkt uf ertrich von der stund, als er mensch ward, die warent als 
gar edel an in selb . . . ez ist aber ains menschen schätz unsaglih grösser won 
des andren, da von ist oh ain hailig unzaüich höher won der ander. 

8. 446 — 448: Merk wol bruder Berchtolts ler (rot). In der zit, do bräder 
Berchtolt schwöster Ällinen in den stam tett, do gab er ir x stükly ze be- 
halten . . . so hand ir den winkoff getrunken, daz ich in mag widerbringen 
und mit üch besitzen daz ewig leben, amen. 

S. 449— 452: Von anbetten (rot). Daz erst gebott, daz der mensch nit 
sol han noh anbetten denn ainen got . . . daz er dir geb volkomen fröd in der 
ewigen säikait, daz haut er selb gdert, ubi dicit: petite, ut gaudium vestrum 
perfectum sit. 

S. 452 — 453: Warumb got ist mensch worden: von drierlay such wegen 
(rot). Primo, daz er uns versünty mit sinem vatter . . . nu ist die gerechtikait 
in got als sin erbarmhertzkait. 

S. 454— 471: Merk, lieber mensch, sechs tugent, die got von dir vordrct. 
die erst ist, daz du solt ere erbietten sinem hailigen froniicham . . . wie got 
ie den sinen gestund, de vi virtute quaere ante, ubi incipiunt virtutes. ibi 
merk lieber mensch. Das Stück ist nicht vollständig. 

Zu S. 472—481 vgl. oben S. 409-434 unserer Hs. 

S. 481: Von zerganglicher liebi (rot). Ir sond wissen, daz nach der 
hailigen ler verdirbet kuschaid in woüust, demut in richtum, miltekait in vil 
geschefd, warhaid in vil reden, die hailig minn in dirr vinster weit — Bittend 
got vor mich (rot). 

S. 482— 483: Diz sind die zwelff gebott, die Jhesus Christus enphieng 
von sinem ewigen vatter, als er die menschait an sich nemen solte. Min kind, 
ich wil, daz du uz gangest von gotlicher wirdikait . . . daz dir diner minne und 
dines lidens von kaim menschen niemer voldanket werde. 

S. 483—484: Von der kraft des wihwassers (rot). Wer daz wihwasscr 
in der er unsers herren matter nymt und sich da mit besprenget . . . der wirt 
gesterkt wider bös vigent, si sient sichtig als ungesichtig. Aqua benedieta deleat 
omnia nostra delicta (rot). — Bittend got vor mich, myn aller liebsten kinder (rot). 

K Papierhandschrift Nr. 269 in kl. 8 ° der Stadtbibliothek 
zu Kolmar iE.; 1 ) alter Holzdeckel mit rotem Lederbezug. Sie 
enthält 145 Blätter und ist von einer Hand des 15. Jahrhunderts 
geschrieben. Auf dem unteren Rande von Bl. la steht in alter 
roter Schrift, die teilweise stark abgerieben ist, die Notiz: Diz 

büchlin ist frawen 2 ) swester Gisel zu Unterlinden?) Zwischen 

Bl. 133 und 134 fehlt ein Blatt. Die Sprache der Hs. ist ale- 
mannisch - elsässisch. 



*) Vgl. Denifle, ZfdA. 21, 142. 

2 ) Raum in der Hs. für ca. sechs Buchstaben. 

3 ) Preger, Geschichte der deutschen Mystik 3, 130 Anm. 1 hat hier nicht 
richtig gelesen. 



I . Original from 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 22 — 

Für die Identität von Hs. 269 mit der bei Pfeiffer, Myst. 
2, X verzeichneten Kolmarer Hs. aus dem 15. Jahrhundert spricht 
folgendes: Der erste Spruch Meister Eckharts 11,597,1—29 ist 
uns nach Pfeiffers eigenhändiger Abschrift von Bl. 79 f. der a. a. 0. 
2, X genannten Kolmarer Hs. in cod. 15381 der Wiener Hof- 
bibliothek, Bl. 149a— b erhalten. Hs. 269 bietet nun gleichfalls 
Bl. 79 f. den ersten Spruch Eckharts, und zwar in einer Fassung, 
die Wort für Wort, auch die Überschrift ist dieselbe, mit der 
Abschrift Pfeiffers übereinstimmt, nur am Schlufs ist dem Texte 
von Hs. 269 ein kurzes Stück angehängt, das bei Pfeiffer fehlt 
(s. unten S. 23). Es dürfte sich mithin um ein und dieselbe Hs. 
handeln, wenn es auch immerhin auffallend bleibt, dafs dann 
Pfeiffer den mehr als ein Drittel der Hs. füllenden Traktat 
„Schwester Katrei" (hier allerdings ohne Überschrift) über- 
sehen hat. 

Bl. la — b: Inspice et fac secundum exemplar, Exodi xxv. also redet 
der ewige got zu sinem diener Moyses und sprach also: sihe es an und tu 
nach dem bädener. wer nu mit dem seligen Moyses ansehende ist den bildener 
aller volkomenheit in dem Maren spiegel des lebens Jhesu Christi u. 8. w. Vor- 
rede zu dem folgenden in drei Abschnitte zerfallenden geistlichen Traktat 
(Bl. lb— 34b): 

1. Bl. lb — 15 a: Diz ist von der armüt Cristi (rot). Daz erste was 
wor armüt, in die sich daz ewige wort, durch daz geschaffen was alle richeit, 
blöslich setzet in dem ersten nu . . . 

2- Bl. 15 a— 23 a: Diz ist von der demütekeit Jhesu Christi (rot). Daz 
ander, dar uf daz leben des süssen Jhesu stund, daz was verworffen demüt . . . 

3. Bl. 23 a —34b: Diz ist von dem liden Jhesu Christi (rot). Daz dirte, 
dar uf daz leben des lieben Jhesu Christi stünt, daz was bitter liden . . . und 
swere des lidens, daz in anvaüende was, gelitten von natürlicher kraft. — Sus 
nim ein ende von dem bilde und leben Jhesu Christi, daz er so minrichlich 
dem irrenden menschen hat vorgetragen, daz er den selben weg durch in ingange 
und ewiclich in ime Mibe, daz uns daz allen widervar, daz verlihe mir und 
üch der vatter und der sun und der heilige geist amen. Vgl. Bartsch, Die 
altdeutschen Handschriften der Universitätsbibliothek in Heidelberg S. 20. Der 
dort in Hs. Nr. 45, Bl. 97a — 127b aufgeführte Traktat scheint sich mit dem 
unsrigen zu berühren. Dasselbe gilt von der St. Galler Hs. 999 (Scherrers 
Verzeichnis S. 379). 

Bl. 34 b — 36 b: Alle menschen süllent wissen, daz die bewerten lerer 
sagent . . . daz günne uns allen die almehtige, ewige, heiige drivaltikeit amen. 
Abgedruckt bei Jundt, Les amis de Dieu au quatorziöme stecle (Paris 1879), 
p. 405 — 407. a ) 



*) Das Stück steht auch in dem Berliner Ms. germ. quart. 165 B1.23a. 



I Original from 



UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 23 — 

Bl. 37a — 46a: Der junger (rot): ich beger an dine minne ingotte, daz 
du mir ettewaz clorlicher sagest von den seien, die do verfaren sint von disem 
eilende . . . wenne nu der mensch sieh alsus gerihtet het, so sol er sich des 
todes wenig vürbaz nie erschrecken, sus hest du wol gemercket, wie sich der 
mensche vor sime tode sol rihten. 

Bl. 46 a— 47 b: lieber herre Jhesu, ich bekenne zwei in mir: dienature, 
die du mir geben hest, und die Sünde, die ich geton habe . . . leg dinen dot 
und din liden und din erbermde zwischent mine sele und din gerihte, wenne du 
lebst und richsest, herre got, über alle weit der weite, amen. — Bl. 48a— b leer. 

Bl. 49 a— 67 b: Diz lasse ich allez gewerden, ich wil wider keren zu 
miner materie, da ich anevieng. ir wissent wol, daz ich vor geseit hob, daz 
alle heiigen und alle gute menschen mit got vereinet sint mit mittel . . . diz 
sint zwei ungeliche ende, die niemer me züsamen enmögent, wenne ieglichez 
von dem andern alsus flühet. — Bittent und begerent vür den, den(l) diz gediht 
und geschriben het, daz got sich über in erbarme, daz sin arm beginne und 
sin eilende mittel und unser aller volbraht werde in ein selig ende, des helf uns 
allen Jhesus Christus, der lebenge gottessun. amen. 

Bl. 67 b — 68 a: Man fraget, wenne dotsünden voUebraht werdent in dem 
willen, so einem menschen invellet ein gedang . . . so ist ez ddtliche schtdde. 

Bl. 68 a — b: Hest du gelüste zu bevindende, waz der kus si, so habe 
fliz zu drin dingen . . . rihte niemanne und lo dich alle menschen rihten. 

Bl. 68b: Die gröste liebe, die dir got in disem libe iemer me erzeigen 
mag, die lit an zwein dingen . . . daz ist, ob du einer ieglicher tugent gewaltig 
bist, so du ir bedarft 

Bl. 69a — 79a: Diz ist von siben beclxelin geseit, die do fliessent von 
der gotheit (rot). Ez fliessent siben becJielin von der gotheit. der erste ist 
cristaUin . . . und ist an ir erfüllet allez, daz do geschriben ist in dem lebenden 
buche, daz wir alle ko (79 s,)ment zu der wurtschaft, des helffe uns gottes 
magencraft amen. Ein entsprechendes Stück wird erwähnt bei Jostes, Meister 
Eckhart und seine Jünger S. 154, Nr. XVII. 1 ) Vgl. Pfeiffer II, 367, 38 ff. 

Bl. 79a— 80b: Diz ist meister Eckehart, dem got nie nüt verbarg (rot). 
Diz sprichet meister Eckehart . . . sü ist selig von dem sin. Abgedruckt bei 
Pfeiffer II, 597, 1—29. Der Spruch 3 ) steht ferner in den beiden Drucken der 
Taulerschen Predigten vom Jahre 1521 und 1543, Bl. 168 vb— 169ra sowie 
Bl. 27rb — 27va, und zwar bildet er dort einen Bestandteil der Predigt „In 
principio erat verbum"; vgl. Pfeiffer II, Predigt 17 und Wackernagel, Alt- 
deutsche Predigten S. 272 ff, wo der Spruch an der Stelle 77,20 bezw. 273,23 
fehlt. In unserer Hs. schliefst sich unmittelbar an den Spruch noch ein kleiner 
Abschnitt an, der bei Jundt, Histoire du pantheisme p. 255, 5ss. seine Ent- 
sprechung findet. Er beginnt: Die meister sprecltent: wer den geist der 
worJieü welle verston . . . und schliefst: und daz bekennet er in ime selber 
allez, daz sine sele begert. dirre mensche sol sich selber lossen an allen dem, 
do er sich inne vin(S0h)det. daz wir gotte alsus begeren, des muz uns der 
heiige geist gewern. amen. Vgl. auch ZfdPh. 14, 71. 



') Das Stück steht auch in dem Berliner Ms. gern, quart. 182 Bl. 243 a. 
2 ) Er ist auch in Cgm. 4880 Bl. 272 a überliefert. 



i ' , , I . Original from 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 24 — 

Bl. 80 b— 83b: Der von Winphen leret einen geistliehen boum ympfen 
(rot). Wilt du wissen on aUen zwifel, waz rehte erzügunge si des innern 
menschen . . . und ie me versmohet dtteZj daz liplich gemach geheissen mag. — 
Bl. 84a— 86b leer. 

BL 87 a — 142 b steht unser Traktat, ohne Überschrift. 
BL 143 a— 145 b leer. 

c) Die Handschriften der Unterklasse 3. 

St Pergamenthandschrift Brev, 88 in kl. 4° der Königl. 
Landesbibliothek zu Stuttgart; ') alter Holzdeckel mit rotbraunem 
Leder bezogen,- Schliefse abgerissen. Sie stammt aus dem 14. Jahr- 
hundert und umfafst 168 Blätter nach moderner Zählung. Am 
Anfang fehlen mehrere Blätter, ferner zwischen BL 13 und 14 
drei, zwischen BL 138 und 139 zwei Blätter und endlich zwischen 
BL 163 und 164 ein Blatt. In der Hs. lassen sich fünf Hände 
unterscheiden. Die erste beschrieb Bl. 1, die zweite reicht von 
Bl. 2a— 85b, die dritte von BL 85b— 86b, die vierte von BL86b 
bis 140b und die fünfte von BL 141a— 167b. Aufschluß über 
die Herkunft der Hs. gibt die von einer Hand des 18. oder 
19. Jahrhunderts herrührende Notiz auf BL la: Ex bibliotheca 
Chomberg codex sub finem seculi XIV. Unter Chomberg ist wohl 
nichts anderes als Komburg im jetzigen württemb. Oberamt Hall 
zu verstehen. 2 ) Die Sprache der Hs. ist alemannisch -elsässisch. 

Bl. la — b: Daz dirte, daz er mit minnen . . . unde ein werden aller 
creaturen. Abgedruckt bei Pfeiffer 11,626,31—627,28. 

Bl. 2a— 7b: Hie lis unde schouwe, wie ein wip besser ist wen ein 
juncrrowe (rot). Intracit Jhesus in quoddam castellum etc. ... als ich ge- 
sprochen habe, des helfe uns got. amen. Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 8), 
42-47. 

Bl. 7 b — 13 b: Wie men one warumbe gotte dienen sol (rot). Wirlesent 
in deme heiligen ewangelio . . . in himelriche, des helfe uns got ewecliche. amen. 
Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 6), 33-38. 8 ) 

Bl. 13 b — 17 a: Diz ist meister Eckehart, dem got nie nüt rerbarg (rot). 
Wir begont hie in der zit . . . götlich, des helfe er uns eivccliche. amen. Ab- 
gedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 1), 3—10 ■■ Druck der Taulerschen Predigten 
vom Jahre 1498, Bl. 3vb-8ra. 



') Vgl. Pfeiffer, ZfdA. 9, 1. 8 und Myst. 2, VIII. 

*) Vgl. Das Königreich Württemberg, herausg. vom Königl. statistischen 
Landesamt, Bd. III (Stuttgart 1886), S. 529 f. 

s ) Pfeiffer gibt Myst. 2, Vm fälschlich Nr. 7 an. Nr. 6 steht auch in dem 
Stuttgarter cod. HB. I Ascet. 203, 4°, Bl. 41a (vgl. oben S. 11 Aum. 2). 



■ I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 25 — 

Bl. 17a— 24a: Diz ist ein ander predie (rot). Wo ist, der nü geborn 
ist t der Juden künig . . . daz wir werdent gottes kint amen. Abgedruckt bei 
Pfeiffer II (Predigt 2), 10—16 = Tauler, a.a.O. Bl. 14ra— 16vb. 

Bl. 24 a — 33 b: Diz ist oueh vieister Eckehart, der lerte du warheit alle 
rart (rot). Ez ist not, daz ich si ... unde daz selbe wort unde ir beider 
geist amen. Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 3), 16— 24 = Tauler, a.a.O. 
Bl. 22ra— 27va. 

Bl. 34 a— 41a: Diz ist gantze worheit unde veste, ez danket noch daz 
beste (rot). Cum (actus esset Jhesus . . . gefriet werdent, des helfe uns der, 
der selber du minne ist.*) Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 4")» 24—30 = 
Tauler, a.a.O. Bl. 18vb— 22ra. 

Bl. 41a — 42b: Diz lis unde verstant ez vil ebene: ez ist unser vrowen 
predie (rot). Disü wort prediete unser rrowe . . . du gotheit, des helfe uns 
du drivaltikeit. Abgedruckt in der Germania 3, 242 f.; vgl. noch Germania 
37, 198 ff. 

Bl. 42b — 46 a: Du guten teere, du in totsunden geton sint, wie sü werdent 
wider gottes kint (rot). Ich han gesprochen in einer predien . . . unde lebet 
in der nuwen gnoden. . Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 15), 71—74. 

Bl. 46a — b: Diz ist von unser vrowen, daz sage ich dir: einz und 
zwienzig stücke hette sü an ir (rot). Mich ist dicke gefroget, waz unser vrowe 
tele . . . sü begnägete an der gotlichen voüekomenheit. Entspricht ZfdA. 8, 257 f. 
Vgl. Borchling, Mittelniederd. Handschriften, in den Nachrichten der kgl. Ges. 
d. Wiss. zu Göttiugen, Geschäftliche Mittheilungen aus dem Jahre 1898 
(Göttingen 1899), S. 268 f. und ZfdPh. 36, 69. 

Bl. 47 a— 49 b: Dise bredie brediete meister Eckehart (rot). Deus Caritas 
est ... do ich von gesprochen habe, daz helfe uns unser lieber herre J/iesus 
Christus, amen. Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 5), 30—33. 

Bl. 50 a— 53 b: In Christo Jhesu. dise nütze lere, die sol man ansehen 
mit eime indewendigen, gesammetent, ernesthaften gemfite ... ie neher und ie 
lebelicher sü gölte sint und ie nützer dem menschen. 

Bl. 53b — 55a: Unser herre sprach (rot): in miner kraft stereke ich sü, 
in minre wisheit erlühte ich sü . . . aber der priester mag ez tun, wenne er 
wil, von sines ambahtes wegen. 

Bl. 55 a— 57 a: Diz sint der vieister vrogen und entwürte (rot). Oute 
herre, wenne stet men in bescheydenheite alles gutes . . . wen ich weiz, daz er 
ez mir zu g&ie tete. 

Bl. 57 a - 58a: Eine vroge (rot). Ez ist ein vroge in der schrift, waz du 
sele haben sol . . . noch din die weit ouch nüt beger. Vgl. Pfeiffer II, 631, 29 ff. 

Bl. 58 a— 59 a: Sanctus Thomas, der brediger, unde bischof Albreht, du 
worent bi einander . . . so wil ich dich röten mit deme blute, do min herze 
inne swebet. Entspricht ZfdA. 8, 218 f. 

Bl. 59a— 60a: Von unsers herren blute (rot). Wellent ir wüssen, wie 
vil der trophen des wassers teere . . . min leben über min wessen, min swigen 
über min reden. 

*) Dieser Predigt sowie einigen der folgenden Stücke sind mystische 
Verse angefügt, die ich hier unberücksichtigt lasse. 

*) Nr. 4 handschriftlich auch Stuttgarter cod. HB. I Ascet. 203 Bl. 132 a. 



I Original fVorn 

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BL 60a— 61b : Ein spruch von sancto Augustino (rot). Sanctus Augustinus 
sprichet: den wissagen gezimet wol, daz sü des begerent . . . unde ist einporte 
der hellen unde ist ein sloz des himelriches. 

BL 61b — 62b: Diz ist Dyonmus (rot). Sanctus Dyonisius sprichet: 
herre, züch mich in die wüste ... 6 were mir Über, daz ich niemer dar kerne. 

Bl. 62b— 63 a: Diz sint xij rete (rot). Christus, gottes sun, het den 
zehen gebotten vereinet xij rete . . . der xij rot ist beswerde von minnen alles 
des gebresten mins ebenmenschen. 

Bl. 63 a — 64 a : Der one fliz der fugende lebet unde . . . alse vil sol er 
sin ewec(Qidi) liehe in hitnelriche von gotte geniessen. 

BL 64a— b: Johannes Crisostomus sprichet: tugent ist von gotte ge- 
denken u. s. w. Es folgen Sentenzen von Kirchenvätern etc. 

Bl. 64b— 67a: .Diz ist meister Eckehart (rot). Qot het du armen 
gemäht . . . so kumet men, dar men sol Abgedruckt bei Pfeiffer II (Predigt 55), 
176-179. 

Bl. 67a — b: Drü ding, mit den men behalten wärt (rot). Der appet 
Anthonius lerte drü ding, mit den inen 1 ) behalten würt . . . müst vor gotte 
ston, des ew (67 b) würt nieman erlon. 

Bl. 67b— 71a: Ez sprichet sante Jacob: des rehten menschen flizsig 
gebet ist vil nütze . . . von der fröden, du sä sehent an irme schepher. 

Bl. 71a: Diz sint syben nütze, du der mensche enphohet von gotte (rot). 
Der erste ist, daz im unser herre git ein dumehtiges leben . . . in dem richtüme 
der tilgende. 

Bl. 71a— b: Ez sint fünf ding, du fürderent dich baz . . . also scheme- 
lichen halten alse vor aller der weite. 

Bl. 71b: Ez frogete ein hoher meister ein einvaltige vrouive, waz got 
were . . . unde ist ein fröde in dem himelriche. 

Bl. 71b — 75 b: Unser herre sprichet durcli den wissagen: owe, lieber 
mensche, sich an mine not . . . also süzsecliche, daz sü niemer me von ime 
gewencke. 

Bl. 75b —76a: Diz sint zwo und zwenzig frogen unde enttoürte dar uf 
(rot). Herre, wo sol ich dich suchen . . . daz det stetikeit. 

Bl. 76 a — 78 a: Von den fünf lesemeistern (rot). Fünf lesemeister sossent 
bi einander . . . alse ein ougenblig gegen der ewikeite. Entspricht Wackernagel, 
Altdeutsche Predigten S. 598 f. Vgl. Anzeiger f. deutsches Altertum 9,132; 
Germania 32,337; Bartsch, Die altdeutschen Handschriften der Universitäts- 
bibliothek in Heidelberg S.26 (Hs.62, B1.93c), S.135 (Hs.232, Bl.llb), S.202 
(Hs. 408, Bl. 199 a) sowie Jostes, Meister Eckhart und seine Jünger Nr. 50, 
S. 52, 18—53, 5. 2 ) Unsere Hs. fügt dem Stück noch einen kurzen Abschnitt 
hinzu, der beginnt: Dise fünf spräche horte ein ander lesemeister . . ., und 
schliefst: versencket werden in daz mer der bitterkeite. 

Bl. 78 a — 79 a: Der an unsers herren martel gedenket, deme würt du 
weit unmere . . . dar umbe daz er got gesehe in sinre göüichen herschaft 

Bl. 79 a — 85 b: Diz sint die hohen minner, got helfe uns allen zu in 
der (rot). Du hohen minner gottes, du Jhesum Christum suchent hie in 



J ) Hs. mit men den men. 

*) Vgl. auch Hs. II G 1, Bl. 110 b, der Stuttgarter Kapitelsbibliothek. 



, | Original rrom 

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armüte u. s. w. Es folgen zahlreiche Sprüche von Kirchenvätern etc. — Bl. 83 a 
steht der bei Pfeiffer II, 598, 2—4 abgedruckte 2. Spruch Meister Eckharts. 

Bl. 85 b — 86 b: Dise wort sind genomen uzer sante Augustinus buch 
dem sibenden von der drivcdtikeit (rot). Man sprichet von der bekentnisse des 
vqtyrs, daz si der sun . . . daz die minne des vatter unde des sunes si der 
heilige geist 

BL 86 b— 140 b: Diz ist von des menschen edelkeite (rot). Herre got, 
himmelischer vatter . . . da hilf uns schiere hin, lieber herre Jhesu Christe. 
amen. Abgedruckt in der ZfdA. 9,8—55- Der Schlufs des Traktates war 
von Pfeiffer schon Myst. I, 343 — 348 mitgeteilt worden. Vgl. Lerapp, Real- 
encyklopädie f. protesfc. Theologie u. Kirche 8 IV, 503 f. 

BL 141a— 167 b steht unser Traktat, ohne Überschrift. 

BL 168 leer. 

P Ms. all. 222 in 4° der Bibliotheque nationale zu Paris; 1 ) 
alter Holzdeckel mit braunem Lederbezug. Es ist eine von einer 
Hand des 15. Jahrhunderts geschriebene Papierhandschrift mit 
313 Blättern nach moderner Zählung. Dabei ist die Hinter- 
kustode (Pergament) mit eingerechnet, während die beiden Vor- 
satzblätter unberücksichtigt geblieben sind. Das zweite von 
ihnen (Papier) ist verstümmelt. Auf der Rückseite des ersten 
(Pergament) stehen von alter Hand folgende Einträge : A. C. Hj., 
darunter von gleicher Hand: gescriben anno 152(1). Hierauf 
nach kleinem Zwischenraum von derselben Hand : Diz buch gehört 
in daz dosier zu sancte Matheus, des heiligen apostelen und 
ewangelisten, den man spricJiet zu sancte Nicolaus in Undis zu 
Stroszburg brediger ordens anno Clxviij. Die Jahreszahl ist 
vielleicht von anderer Hand geschrieben oder von derselben 



*) Vgl. die ungenügende Beschreibung der Hs. bei G. Huet, Catalogue 
des manuscrits allemands de la Bibliotheque nationale (Paris 1895), p. 121. — 
Bei dieser Gelegenheit möchte ich darauf hinweisen, dafs die Bibliotheque 
nationale, soweit man aus der Beschreibung der Mss. in dem genannten 
Kataloge Schlüsse ziehen darf, abgesehen von der oben bezeichneten Hs. für 
die ältere deutsche Mystik nicht gerade viel wertvolles Material liefert. In 
Betracht kommen noch die Mss. 118, 125, 130 und 303; vgl. Huet a. a. 0. p. 57. 
59. 61. 138. Von diesen vier Mss. kenne ich nur Nr. 125 aus eigener An- 
schauung. Ms. 125 (früher in Oberlins Besitz) bietet Bl. 155 b — 159 b die bei 
Pfeiffer unter Nr. 15 abgedruckte Predigt Meister Eckharts mit der roten 
tberschrift: Diz ist ein schöne sermon von den wwcken, die do gescliehent 
in dotsünden, schribt der grosse doctor und meister Eckart, der do ist gewesen 
in brediger orden ein grosz liht der heügen cristenheit. — Ms. 303 scheint 
Bl. 271a— 285b die Quelle zu dem Traktat von den drei Durchbrüchen zu 
enthalten; vgl. Denifle, Taulers Bekehrung S. 137 ff. 



I . Original from 



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— 28 — 

Hand später hinzugesetzt worden. Vgl. Bl. 312 b unserer Hs., 
wo von gleichzeitiger Hand steht: Diz buch ist der swestern zu 
sant Nicolaus ze Strasburg anno Clxvij (aus ursprünglichem 
anno Ixvij korrigiert). Auf der Rückseite des ersten Vorblatips 
steht ferner, wohl von der Hand des Schreibers der Hs., leider 
undeutlich vermerkt: s. Margred Zörntj(?) hör ich von weg 
$. Maria hellin (?). Zum Schlufs noch die Notizen: Daz buch 
gehört jetzt an Stefan Augustin in Sennheim 1733 sowie Ce livre 
appartient ä la famille Augustin ä Cernay 1817. — Die Sprache 
der Hs. ist alemannisch -elsässisch. 

Bl. la — 100 b: Diz ist des Susen leben (rot). Ez was ein breiiger in 
tütschem lande . . . sin götlichez antlüt werden niessende, amen. Entspricht 
Denifle, Die deutschen Schriften des seligen Heinrich Seuse 1, 13—301. 

Bl. 100b — 118a: Segnum mundt et ovinem(l) ornamentum seculi con- 
tempsi propter (rot). Visen frölichen reien . . . ie adeUicher werden messen. 
Entspricht Denifle, a.a.O. 1,573 — 621 (Brief 1—10). 

Bl. 118b— 124b: Farbjge mystische Bilder mit erläuternden Reimereien. 
Sie stimmen im ganzen mit den bei Denifle a. a. 0. beschriebenen Bildern 
überein; vgl. die Anmerkungen auf S. 6. 7. 32. 75. 94. 190 — 192. 206. 207. 
217. 221. 222. 224. 301. 302. 391. Abgeschlossen wird diese Reihe von Illu- 
strationen durch ein Bild auf Bl. 124 b, das zu Seuses Schriften in keiner 
unmittelbaren Beziehung steht. Das Bild trägt die Überschrift: Diz ist der 
werlt minne, die nimmet mit jomer ein ende. Links sieht man einen Jüngling, 
der die Verführung darstellt, rechts eine Jungfrau vom Teufel bedrängt. 

Bl. 125a — 131b: Göttelicher fride und götteliche erbarmhertzikeit $y 
mit uns zu allen ziten. amen. Mine fründin, mine tube, min gemahel, min 
schöne, min swester, stant uf, yle und kumme . . . und mit minnenrichen fröiden 
einz wurt in got. daz uns diz wtderfare, daz helffe uns got der vatter, der 
sun und der heiige geist. amen. Die Predigt entspricht nicht der bekannten 
Taulerschen über den gleichen Text; vgl. den Druck der Taulerschen Predigten 
vom Jahre 1498, Bl. 215rb— 217ra. 

Bl. 131b — 134 b: Von dem heiigen erütze (rot). Man begot hüte den 
dag des würdigen, heiigen erützes . . . daz er alle ding noch ime zitge. amen. 
Entspricht Tauler, a.a.O. Bl. 243 rb— 246 ra. 

Bl. 134 b — 137 b: Ez ist hüte der dag der erhebunge des tcürdigen heiigen 
erützes . . . der an dem erütze für uns alle starp, des helffe uns got. amen. 
Entspricht Tauler, a.a.O. Bl. 240rb -243ra. 

Bl. 137 b — 144a: Dise bredige ist uf den v sunnendag noch der drü- 
valtikeit dag usser der epistilen (rot). Man liset hüte in der epistelm von dein 
sminentage, daz min herre sant Peter sprach . . . daz uns diz aUen geschehe, 
des helffe uns got. amen. Entspricht Tauler, a.a.O. Bl. 134va — 138vb. 

Bl. 144a— 146b: Diz ist ein bredige von der druvaltikeit (rot). Diz ist 
der minnenkliche dag, daz men begot . . . daz uns diz allen geschehe, des helffe 
uns got. amen. Entspricht Tauler, a.a.O. Bl. 90rb — 93ra. 

Bl. 146 b — 150 b: Diz ist die bredige von dem xx suntage (rot). Also 



i . I . Original from 

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- 29 — 

men gesteren hie seile daz, daz men liset . . . bringe in daz gewore ewige 
lieht, des helffe uns got. amen. Entspricht Tauler, a. a. 0. Bl. 193 va — 197 ra. 

Bl. 150 b — 154 a: Dise bredige ist uf sunnendag, so men alleluja leit 
(rot). Diz ewangelio hüte sprach: daz himelrich, daz ist glich . . . daz uns 
diz allen werde, des helffe uns got. amen. Entspricht Tauler, a. a. 0. Bl. 29 vb 
bis 34 va. 

Bl. 154 a— 156 b: Dise bredige ist uf den nehsten dag noch der xim 
megede dag (rot). Men begot hüte den dag der edelen juncfrouwen santen 
Cordelen . . . daz uns daz allen gescliehe, daz helffe uns der minnenkliche got 
durch sich selber, amen. Entspricht Tauler, a.a.O. Bl. 251 rb— 253 rb. 

Bl. 157 a — 164 b: Diz ist von dem würdigen sacramente (rot). Dise lere 
ist sagende und ouch uz zu sprechende : die grunddose minneriche wise, in der 
sich got erbätet in disem sacramente, und daz mügen wir mercken an sehs 
gebresten . . . und ein flissig zu>iemen het in allen tugenden. daz uns daz 
widervar, daz helfe uns daz haiigen (!) sacramente. amen. 

BL 164 b — 221b: Hie vohent an die x gebot, underscheit zwischent 
dot sünden und tegelichen Sünden (rot). Also sprictet der wise man Salomon: 
süben stunden in dem tage, so vellet der gerehte . . . und enpfohet die ewige 
geburt alle stunt nuwe. daz beschere ouch uns got der vatter und der sun 
und der heilige geisi. amen. 

Bl. 221 b— 227a: Zwei Predigten des Nikolaus von Strafsburg = Pfeiffer 
I, Nr. 1, 261-264 und Nr. 10, 289-294. ') 

Bl. 227 a — 233 a: Ez füget got, daz zwey menschen züsamen homent . . . 
so Jcumment wir aber zusamene. Entspricht Fr. Lauchert, Des Göttesfreuudes 
im Oberland [= Rulmann Merswins] Buch von den zwei Hannen (Bonn 1896), 
S. 60-68. Vgl. Strauch, Realencyklopädie f. protest. Theologie und Kirche 8 
XVÜ,208,38ff. 

Bl. 233a — 239b: Ez sprichet der herre Christus in dem ewangelio: wer 
nüt allez daz ver(gibet) 7 ) durch got, daz er besitzet, der mag nüt sin min 
junger, diz wort brediget ein andehtiger lerer, an des lere was ein richer 
koufmann . . . noch diser minsamer lere und rede verswant der herre, und 
wart diser guter bruder ein koufmann der edelen schetze der riehen gnoden 
gottes und ein richer mensch in tugenden. Traktat von Christus als Kaufmann 
mit sieben Laden. Entspricht Bachmann und Singer, Deutsche Volksbücher, 
Bibl. d. Litter. Vereins Bd. 185 (1889), S. 247 ff. ; vgl. noch a. a. 0. S. VII. XII f. 
XXXIX ff. 390 ff. Der Traktat kommt handschriftlich mehrfach vor, z. B. 
in Cgm. 411, Bl. 166 ff. und Cgm. 841, Bl. 18 ff. 199 ff., ferner in der St. Galler 
Hs. 585, S. 260 ff. Vgl. auch Jostes, Meister Eckhart und seine Jünger, S. 125,. 
XXXVII. 126, XLI1I und Priebsch, Deutsche Handschriften in England Bd. 2 
(Erlangen 1901), S. 227. 

Bl. 239 b: Diz sint meister Eckehardes bredigen (rot). 

Bl. 239 b — 243 a: Betrahten wir noch heiigen werken von unser s herren 



! ) Durch einen unglücklichen Zufall sind meine Excerpte bezüglich der 
Bll. 221b— 227a abhanden gekommen, so dafs ich auf die Mitteilung der 
Eingangs- und Schlufsworte beider Predigten verzichten mufs. 

9 ) Rasur, Raum in der Hs. etwa für fünf Buchstaben. 



( . I . Original from 

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— 30 - 

arm&t . . . und er in uns. des helffe uns got amen. Entspricht Zfdhist. Theo). 
36 (1866), 492—501. 

Bl. 243a — b: Unser herre sprach zu sinen jungern: ich habe üch nüt 
geheissen knehte, sunder fründe . . . mit minnen, so gon ich in got Entspricht 
Pfeiffer II (Predigt 65), 205, 34—206, 10. 

Bl. 243 b: Meister Eckehart (rot). Göttelich wesen ist min wesen, und 
min wesen ist götlich wesen. daz künden die Studenten nüt verston . . . do ist 
got istiger allen creaturen, denne die creature ir selber ist 

Bl. 244a: Got ist üt, und got ist nüt t und got ist weder üt noch nüt . . . 
der mensch bekennet got, der do bekennet, daz er unbekant ist *) 

Bl. 244 a: Die armen des geistes, die gont ir selbes usz unde gottes . . . 
so were got sin eigen mit allem dem, daz er geleisten mag. Anfangs mit 
Pfeiffer II (Traktat 10), 493, 21 ff. übereinstimmend, später jedoch völlig ab- 
weichend. Vgl. oben S. 11 Anm. 2. 

Bl. 244 b— 245 b: Unser herre warf uz dem tempel die do kouften und 
verkouften (rot). Wiltu koufmanschatz zu mole lidig sin . . . denne ist der 
usser mensch gehorsam dem inren bitz an sinen dot Entspricht Pfeiffer II 
(Predigt 6), 35,3—38,4; jedoch fehlt 36,5—14; 36,24-29; 36,35—37,27. 
S. oben S. 24 Anm. 3. 

Bl. 246 a — b: Also gewerlich der vaiter in siner einvaltiger nature gebirt 
sinen swn natürlich . . . die wile der wille stot unberüret von edlen creaturen, 
so ist der wiüe fry. Entspricht Pfeiffer II (Predigt 13), 65,39— 67,5. Pfeiffer 
64, 14 — 65, 15 und 66, 26 — 67, 5 = Wackernagel, Altdeutsche Predigten Nr. 65, 
S. 172,1 — 173,35 und S. 173,36— 51. Vgl. ZfdPh. 36,79f. 

Bl. 247 a — 249 a: Ich habe ouch me gesprochen, daz kein kraft in der 
seien ist, die berüret nüt zit noch fleische . . . (Bl. 247 b und 248 b leer) . . . daz 
machet er ime lihte und süsse zu tragende, daz wir alsus unser liden uf got 
legen und wir sin lidig standent, daz helfuns got amen. Entspricht Pfeiffer II 
(Predigt 8), 44,23—45,36. 

BL 249 a — b: Min sele ist erfüllet der heimliche unsers herren . . . und 
meinet daz anders nüt wan unser ungeübeten sinne. Ausführlicher bei Jostes, 
Meister Eckhart und seine Jünger Nr. 54, S. 56, 1—57,3. Vgl. Pfeiffer II 
(Traktat 3), 413, 16—414, 2. 

Bl. 249 b— 251b: Men liset in dem ewangelio, daz ein frouwe kam . . . die 
sü besessen hant, des helffe uns got amen. Entspricht Pfeiffer II (Predigt 37), 
126 — 129; jedoch fehlt 126,18—127,15 = Greith, Die deutsche Mystik im 
Predigerorden S. 119—120. 

Bl. 251b — 252 b: Von eime Jcinde (rot). Ez gingent zwene brüder, die 
woltent in ein dorff gon, do fundent sü ein kint for einre türen sitzen . . . do 
was ez also heiiges lebens, daz sü alle von ime gebessert wurdent amen. 

Bl. 252 b: Unser herre Jhesus Christus klaget sich von sinen sunderlich 
fründen sehs stücke . . . so hant sü also vil zu schaffene, daz ich schiere von 
in scheiden müz. 



') Eine erweiterte Fassung des Stückes, jedoch ohne Angabe des Autors 
steht, wie mir Herr Adolf Spamer in Giefsen freundlichst mitteilt, in der 
Basler Hs. B. XL 10 Bl. 316b— 319b. 



( . I . Original from 

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— 31 — 

Bl. 253 a— 286 b : Sü rihtent daz crüiee uf mit unserm Herren mit grossem 
gerüffe und geschreige und mit grosser fröiden und mit grosser ungestämekeit und 
bewarten, daz daz crütze nüt viele . . . wenne sü (Maria) den aller Strengesten, 
bittersten dot leit by dem heiigen crütze, den kein mensch noch kein martder 
in dirre zit ie geleit uzgenomen ir kint, unser herre Jhesus Christus alleine. 

Bl. 286 b— 307 b steht unser Traktat mit der roten Über- 
schrift: Meister Eckehardes bihtedohter. 

Bl. 307 b — 312 a: Dise bredige ist uf den andern sunnendag in der 
vasten (rot). Christus ging uz und gierig in die ende der lande Tiri et 
Sydonts . . . also versencken müssen, daz wir in ime funden werden, amen. 
Entspricht Tauler, a.a.O. Bl. 38ra— 43ra. 

Bl. 312 a— b: Wer do wil mercken in der worheit, ob er ein worer 
nochvolger sy unsers herren Jhesu Christi . . . und daz er stände luter in der 
aller ersten Unschulden. 

3. Die Handschriften der Hauptklasse HL 

E Papierhandschrift Nr. 752 in 4° der Stiftsbibliothek zu 
Einsiedeln; 1 ) alter Holzdeckel mit hellem Leder überzogen, von 
den zwei Schli eisen eine noch erhalten, auf dem Kücken die 
moderne Aufschrift: Das Buch der götlichen liebe. Ms. Saec. XV. 
Die mit einer geschmackvollen Miniatur und mit kunstvollen 
Initialen ausgestattete Hs. ist von einer weiblichen Hand im 
Jahre 1483 geschrieben worden. Es heilst Bl. 357 a: Do man 
mit von der gehurt unsers heren Jhesu Christi tussent fierhundert 
und im drü und achtzigosten jar, an sant Silvestern tag han ich 
Dorathe von Hof*) diz buch uz geschriben, und bin da vor ee 
herpst an sant Frennen tag im ztcay und achtzigosten jar alt 
gesin fier und zwaintzig jar, und ist gesin nun jar an sant 
Paullus bekert im drü und achtzigosten jar, daz Jerg und ich 
elieh zesament Jcament. — Liebe überwint alle, alle ding. Deo 
graeias (rot). — It(em) und do ich alt bin gesin nüntzehen jar, 
uf sant Vrenna tag, do gieng ich uf des haiigen crütz tag, nächst 
dar nach gen den Ainsidlen uf ain engelwiche und satzt do den 
sturtz uf und let etliche weltliche claiden und clainet hin, daz 
ich yr nit me trüg. 

Die Hs. enthält im ganzen 384 Blätter. Dem Vorsatzblatt 
(Pergament) folgen zunächst 10 arabisch bezifferte B1L dann das 



*) Denifle hat bereits im Jahre 1886 Herrn Professor Strauch auf die 
Hs. aufmerksam gemacht. 

f ) Es ist zweifellos dieselbe Dorathe von Hof, die im Jahre 1483 die 
St. Galler Hs. 479 (Scherrers Verzeichnis S. 154) schrieb. 



( . I . Original from 

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— 32 - 

Pergamentblatt mit der Miniatur; sodann 342 römisch numerierte 
B1L, richtiger 352, da die B1L 83—92 doppelt gezählt sind; hierauf 
die B1L 342 (BL 342 mithin gleichfalls doppelt gezählt) bis 360, 
wiederum arabisch beziffert, und am Schlufs noch ein un- 
numeriertes Blatt 

Die Miniatur zeigt vorn in der Mitte eine schreibende 
Nonne (die Schreiberin unserer Hs.), hinter ihr eine anmutige 
Landschaft und auf Goldgrund über dem Ganzen Christus. Zu 
beiden Seiten je zwei Heilige; links unten der heilige Georg, 
ihm gegenüber eine weibliche Gestalt. Das Bild zeigt unten die 
Aufschrift: Anno salutis 1483 Hensli me fecit; hierauf: Beati 
mundo corde, quoniam ipsi deum videbunt. 

Die Hs. ging später in den Besitz von Margreth Ehingerin 
über; vgl. den Eintrag auf BL 357 a: Die buch ist nun Margreth 
Ehingerin am mergstat(i). BL 357 b heilst es dann weiter: Item 
ich schwöster Anna Otilga Echingerin bin in daz dosier Jcomen 
am nächsten tag nach sant Johannes baptisten tag, ward dar 
nach im advent IXjar alt u. s. w. Auf ein ßezept folgt BL 358 a 
noch die Notiz (von kritzlicher Hand): Dono datum P. Gregor io 
Moos anno 1796 . . . ad nostram augiam Bheni 1 ) deferente 
9. Nov. — Die Sprache der Hs. ist alemannisch -schwäbisch. 

BL la— 7a: Die vorred dis büches und von der haiigen geschrift, wie 
gut sy dem menschen ist (rot). Also sanctus Pa(u)llu3 spricht: allez, daz 
ir tünd mit wortten und mit wercken, daz sond ir tun in dem namen Jhesu 
Christi und sond im da von grösclichen dancken . . . (BL 1 b) ... so sond sy 
och wissen, daz diz buch haisset daz buch der gütlichen liebe und ain sumne(!) 
der tugent ... (BL 2 a) ... so bit ich alle die, die diz buch lesend oder vor in 
hörent lessen, daz sy mir min lutri gutte maynung nit in bössez weUent keren, 
won ich disse nachgdnden lere uz vil bücher han zusamen gelessen und uz 
gezougen und zesament gesetzt nach dem besten, so ich kund tugent und 
untugen wider ain andren und sust vil ander leren und underwissung, in waz 
träbsai der mensch sy, daz er doch etwaz trostes dar in vinde . . . (BL 7 a) 
. . . aber sicher mensch, alle die wil daz du daz wort nympst, als ez hilt, 
und nit nympst daz, daz dar in verborgen ist in dem wort, so tödet dich der 
buchstab, als sant Paullus sprichet, aber der gaist gottes machet lebent 

Aus alledem geht hervor, dals wir es hier mit einer Original- 
handschrift zu tun haben: Dorathe von Höf, die Schreiberin der 



') Das ehemalige Benediktinerkloster Rheinau im Kanton Zürich, Bez. 
Andelfingen. Vgl. Österley, Hist.-geogr. Wörterbuch des deutschen Mittelalters 
(Gotha 1883), S. 563; Wegweiser durch die Literatur der Urkundensammlungen 
Bd. 1 (Berlin 1885), S. 450. 



Original from 



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— 33 — 

Hs., ist zugleich auch die Verfasserin der darin enthaltenen 
Kompilation. Freilich darf unsere Hs. nicht wegen ihres inneren 
Gehaltes, sondern nur ihrer Komposition nach Anspruch auf 
originalen Wert erheben. Wie aus der interessanten Vorrede 
erhellt, will die Verfasserin nicht ein Erzeugnis eigener Geistes- 
arbeit, sondern nur auf Grund mannigfacher, bereits vorhandener 
Erbauungsliteratur gewissermafsen eine geistliche Blumenlese 
bieten, die dem religiösen Bedürfnis des Lesers in umfassender 
Weise Rechnung tragen soll. Das „Buch der göttlichen Liebe 
und eine Summe der Tugend" betitelte Werk besteht aus 53 im 
allgemeinen nur lose aneinander gereihten Kapiteln oder Ab- 
schnitten mit meist roten Überschriften. Es kann unmöglich meine 
Aufgabe sein, hier auf die einzelnen Kapitel näher einzugehen 
und die Quellen, woraus die Verfasserin geschöpft, namhaft zu 
machen. Das ist eine Arbeit für sich, die übrigens nicht einmal 
besonders lohnend sein würde. In diesem Zusammenhang möchte 
ich nur darauf hinweisen, dafs die Verfasserin für die erste Hälfte 
ihres Werkes neben zahlreichen Sprüchen von Kirchenschrift- 
stellern besonders Seuses Büchlein von der ewigen Weisheit stark 
benutzt hat. Unser Traktat bildet den letzten Abschnitt der Hs. 
Er steht Bl. 342a — 356b und trägt die rote Überschrift: Hie 
nach volget ain underwisung von ainr, die da nach fraugt dem 
aller nächsten weg. Der Traktat ist, was der ganzen Anlage 
der Hs. durchaus entspricht, nur auszugsweise wiedergegeben. 
Auffallen muls übrigens die Tatsache, dafs er unter allen Ab- 
schnitten der Hs. der einzige ist, der in dem Inhaltsverzeichnis 
auf Bl. 8 a— 10 a nicht mit aufgeführt steht. Sollte etwa dadurch 
unsere mit ketzerischen Ideen sich berührende Schrift einem 
prüfenden Blicke entzogen werden? 

F Papierhandschrift Nr. 490 der Grofsherzogl. Universitäts- 
bibliothek zu Freiburg i. Br.; alter Holzdeckel mit rotem Leder 
überzogen, Schliefse abgerissen. 1 ) Es ist ein Sammelband in 
4° von 239 Blättern nach moderner Zählung, zwischen den 



*) Vgl. Wackernagel, Geschichte der deutschen Litteratur* Bd. 1, S. 427 
Anm. 27. — Wie aus cod. 15383 der Wiener Hofbibliothek, Bl. 171a— 172 b 
hervorgeht (s. oben S. 9 ff.), war schon Pfeiffer die Hs. bekannt. Er hat sie 
am 7. Nov. 1851 eingesehen und sich dabei den Anfang unseres Traktates 
abgeschrieben. Er fügt seiner Abschrift die Bemerkung hinzu: 'Das Übrige 
sehr abweichend von dem Original, wie nicht anders zu erwarten*. 

3 



■ | Original from 

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— 34 — 

Jahren 1463 und 1492 geschrieben (s. unten S. 35. 38). Der Hs. 
fehlen mehrere Blätter: zwischen Bl. 101 und 102 drei sowie 
zwischen Bl. 102 und 103 zwei Blätter, ferner zwischen Bl. 148 
und 149 ein Blatt und am Schlufs zwei wahrscheinlich un- 
beschriebene Blätter. Nicht weniger als elf Hände sind in 
folgender Weise an der Hs. beteiligt: 

die erste reicht von Bl. lb— 100a (Bl. la— 103b = Lage 1—9); 
„ zweite „ „ „ 104b— 115b (Bl. 104a— 115b = Lage 10); 
„ dritte „ „ „ 116a— 121a (= BL 1—6 von Lage 11); 
„ vierte „ „ „ 121 a— 127 a (Bl. 121 a— 127 b = Bl. 6—12 

von Lage 11); 
„ fünfte „ „ „128 a— 148 a (Bl. 128 a— 150 b = 

Lage 12 + 13); 
„ sechste „ n „ 153 a— 166 a (Bl. 151 a— 166 b = Lage 14); 
„ siebente „ „ „ 167a— 170b (Bl. 167a— 172b = Lage 15); 
„ achte „ „ „ 173a— 197b (= Lage 16 + 17); 
„ neunte „ „ „ 198 a— 226 a (== Lage 18 + 19 + Bl. 1—3 

von Lage 20); 
„ zehnte „ „ „ 226 a— 226 b (= BL 3 von Lage 20); 
„ elfte „ „ „ 227 a— 239 a (BL 227 a— 239 b = BL 4—10 

von Lage 20 + Lage 21). 

Die Hs. zeigt auf dem Kücken, auf weifsem Zettel, von einer 
Hand des 18. Jahrhunderts die Aufschrift: Pardeiß der seel durch 
Maister Albrecht Der Vorderdeckel trägt die alte Aufschrift aus 
dem 15. Jahrhundert: Daz ist daz tugentbüch und s. Julianus und 
Basillisa und ander gut ler und maister Eckers dochter. Auf 
seiner Innenseite schrieb eine andere Hand als die genannte des 
15. Jahrhunderts: Disz buoch gehört in die gemain teutsch liberey 
in daz gotshausz Vnczlcoffen. *) Hierauf nach kleinem Zwischen- 

J ) Es ist das ehemalige Augustiner-Nonnenkloster Inzigkofen bei Sig- 
maringen. Vgl. Mittheilungen d. Vereins f. Geschichte u. Alterthnmsknnde in 
Hohenzollern Jahrg. I (Sigmaringen 1867/68), S. 3 ff.; VI (1872/73), S. 23 ff.; 
VII (1873/74), S. 43. Im Ffirstl. Hohenzoll. Museum zu Sigmaringen befindet 
sich die im 16. Jahrh. angelegte und bis ins 19. Jahrh. fortgeführte Chronik 
des Frauenklosters Inzigkofen (Hs. 68, Papier, 4 Bde. in 4°); s. F. A. Lehner, 
Fiirstl. Hohenzoll. Museum zu Sigmaringen (Verzeichnis der Handschriften, 
Sigmaringen 1872), S. 42 f. Zu Beginn von Bd. 2 der Chronik heifst es: Alles 
zu grösserer Ehr Gottes. Cronilch des Gottshauss Yntzkouen von A. 1683. 
Weillen einige Zeit Vnderlassen worden, etwass aufzuschreiben, alss hat die 
iezt Begierende hochw. Und geliebte fraw Muetter Pröbstin frau Maria 
Dorothea Karrerin verlangt und befohlen u. s. w.; s. Lehner a.a.O. S. 43. 



I . Original from 



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- 35 — 

räum von der gleichen Hand des 18; Jahrhunderts, die den Zettel 
auf dem Rücken beschrieb: Welches Anno 1726 von daßiger Frl. 
Pröbstin des löbl. Gottshauß Intzkoffen nammens M: Dorothea 
Karrerin allhero verehret worden. Gehördt in die Btbliothec des 
underen Gottshauß Biederen. 1 ) Darunter: Fr. Car. Grieshaber, 
M. D. Bad. a Cons. Eccles. Lyc. Bastad. Professor 1848. 

Die Sprache ist bei der Mehrzahl der in der Hs. vereinigten 
Stücke teils alemannisch-elsässisch, teils alemannisch -schwäbisch; 
nur drei Denkmäler, darunter auch unser Traktat, zeigen bairischen 
Dialekt. 

Bl. lb-lOOa: Der Traktat „Das Paradies der Seele" oder „Über die 
XLII Tugenden" des Albertus Magnus; handschriftlich sehr häufig sowohl in 
lateinischer als auch in deutscher Sprache. 

Bl. 1b: Das sind dy capttel yn daz nachgescriben buch (rot); BL 2a 
bis 3b: Daz ist ain vorred yn dissz nachgescriben bUchli, genempt vom paradisz 
der sei (rot); Bl. 3b: Bittet got für den schriber anno domini 1492\ Bl. 4a 
bis 5a: Eyn löbliche vorred des grossen maister Albrechts yn den tractat von 
dem paradisz der sei (rot) . . .; Bl. 100 a: Hye hat ayn end der tractat, genempt 
daz paradis der seien, des grossen maister Albrechts prediger Ordens 1492. — 
Bl. 100b— 104a leer. 

Bl. 104 b: Der engelschlich junckfröltch lerer und doctor sanctus Thomas 
de Aquin sprichet: nullum opus perfectum . . . daz er unsri Mainz werde uff 
nem %md sy im gefellig mach. amen. Gleichsam der Prolog zu der folgenden 
Predigt über Thomas von Aquino. 

Bl. 104 b — 109 a: Von unsrem wirdigen vatter, dem engelschlichen, junck- 
frölichen lerer und doctor sant Thoma von Aquin, dem edlen graffen ist äisi 
brege (rot). Signum magnum apparuit, also schribt sant Johannes . . . und 
eren von ewen zu ewen, dar zu helf uns got. amen. Deo gracias, o Thoma 
mi dilectus, in quo anima mea bene conplacui(!) t non dereliquid(l) me in 
necessitatibus meis, adiu(v)a me. 

Bl. 109 a— 114b: Von unser wirdigen husherinen, der edlen küngin 
sant Katherina und haiigen martrerinen ist disi predi (rot). Astitit regina a 
dextris Ulis, die aller haiigest und hochwirdigest junckfro saneta Kattharina 
siat der künginen und gebererinen gottes Maria aller nächst . . . daz wir von 
im niemer geschaidind, des helf uns got der vatter und der sun und der hailig 
gaist durch ir gebet und verdienen, amen. 

l ) Darunter ist das im Amt Bonudorf (Baden) gelegene Riedern am 
Wald zu verstehen; vgl. Ritters Geogr.-Statist. Lexikon 8 Bd. 2 (Leipzig 1898), 
S. 603. Das ehemalige Klosterarchiv von Riedern befindet sich gegenwärtig im 
Füratl. Fürstenb. Archiv zu Donaueschingen; 8. Österley, Wegweiser durch d. 
Lit. d. Urkundensamml. 1, 451. Wie mir Herr Archivrat Dr. Tumbült in Donau- 
eschingen freundlichst mitteilt, treten in den Klosterakten von Riedern a. W. 
Beziehungen zwischen Inzigkofen und Riedern — das Frauenkloster am letzt- 
genannten Orte war ebenso wie Inzigkofen mit Augustinerinnen besetzt — 
mehrfach hervor. 

3* 



( ' ^ . I . Original from 

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— 36 — 

BL 114b — 115b: Diz sind die dri fragen von sant Katherinen (rot). 
Diz sint die drig fragen, mit denen die lieb und hochwirdig kwngUich junckfro 
sancta Katherin die fünftzig tnaister überwand . . . und also überwand sy die 
fünftzig wisen maisler. Deo gracias. 

Bl. 116 a — 123 a: Daz ist ein schöne offenwarung unser lieben frawen 
von dem gepet, daz man heysset die dreissig tausente. daz ist die vorred (rot). 
Ez waren gut leut, die heten grosze sorg und warn yn hertzen layd t umb daz 
sy also wenig ere erputen unsrerm hern . . . daz ist von der ordenimg des 
himelische(!) hoffs. 

Bl. 123 b— 127 a: Daz ist von einem unschuldigen kindlein, Symon 
genant, einer schustrin sun, die(!) die poszen Juden gestoln haben in der 
marterwochen und daz gemartert an dem antlaztag und karfeitag getött, als 
her nach stet czu Tryent. daz ist geschehen anno domini M°CCCC und im 
Ixx jar und grosse czeichen (rot). Da sie daz unschulidig kint heten getött, 
dar nach verhcnkt got . . . pit got für uns, du heilligz kint pitten alle got 
und daz lieb kindlein für dissz zwu schriber disser geschrift. Vgl. Panzer, 
Annalen der älteren deutschen Li tteratur Bd. 1, S. 24 Nr. 28; siehe ferner 
Barack, Die Handschriften der Fürstl.-Fürstenb. Hofbibliothek zu Donau- 
eschingen (Tübingen 1865), S. 211; Borchling, Mittelniederd. Handschriften, in 
den Nachrichten der Kgl. Ges. d. Wiss. zu Göttingen, phil.-hist. Kl. 1900 
Beiheft S. 192 f.; Pauls Grundriß der gern. Philologie 8 Bd. 2, S. 393. — 
BL127b leer. 

Bl. 128a— 148a: Sammlung kleiner geistlicher Traktate. 

Bl. 128 a — 130 b: Wen wir wellend ansechen und bekennen unser sünd 
und schuld, die wir gen got uns ferschuldt habend . . . so der mensch got bit 
umm sich selb, daz er sich selb im geb. 

Bl. 130 b — 133 a: Ez sint dru ding, die got fast wolgef eilig sind . . . die 
hand dar inn gesechen sich selb und alli ding und wissend wol, daz sy ain 
guti gewissni hand. 

Bl. 133 a — 135 b: Ez sind vier stuck, war die an im het, daz sint wort- 
zaichen ainer guten gewissni . . . denn kumpt die gnad gotes volkumilich in in. 

Bl. 136 a — 139 a: Ez sind dru ding in dem menschen, daz erst daz 
fünckli der sei . . . so sündet man nit, wenn man also die irikait hinweg tut, 
und also sol man ez ferston. 

Bl. 139 b —142 b: Ez spricht ain lerer, daz schiffli der haiigen christen- 
hait mag nit iren . . . der ist sicher, daz er überfart an daz gestad ewiger 
fröd und sdlikait dar zu helf ims gott. amen. 

■ Bl. 142 b — 144b: Der mensch, der daz göüich wort fruchtbarlich wü 
hören, der sol an im han dru stück . . . so macht du denn fruchtbarlieh hören 
daz götlich wort. 

Bl. 144b — 146 a: Ez sind eüichi frumi kind, die hand rechti liebt zä 
got . . . sölichi ding sol ain bichtvater ainem söllichen menschen für bringen 
zu ainem gegenwurf mit aller gutikait 

Bl. 146 a— 148a: By den siben stucken, da mit tmser her spist VM 
menschen mit v broten und ij fischen, sind uns bezaichnet inj stuck . . . daz 
der mensch frid hab mit im selb, mit got und frid mit dem nächsten. 

Bl. 148a: Alls der lip lept von der seil, also lept die sei von der liebt 
gocz . . . daz drit den volkumenen. — Bl. 148 b — 152 b leer. 



( . I . Original from 

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— 37 — 

Bl. 153a — 166a: Sant Anshelm spricht von dem mausz des gaisüichen 
cr&tz (rot). Ewiger vatter, wenn nach gebott dines suns, der da spricht: ir 
sölt volkomen sin, als üwer vatter volkomen ist . . . ach, daz wir die tieffy, 
praite, höchy und lange des kr&tz tragent und dar an vöOiarrent zu dinem 
lob und glory Jhesu Christi, der du mit dem vatter und haiigen gaist lepst 
und herschest got durch all zit in ewigkait. amen. Orate pro me miseüe cum 
salutacione Marie (amen — Marie rot). — Bl. 166 b leer. 

Bl. 167 a— 170 b: Omnes unanimes in oratione estote, prima Petrus 
tertio. min aller liepsten, ir söllent alle sin eynmütig oder einhellig in dem 
gebette . . . und mit inen besiezen nach diszem leben daz ewige leben, daz 
verlihe üch und ouch mir got der vatter, der sone und der heilig geist amen. 
Scriptum in sexta pasce anno incarnationis Ixxiij. — Bl. 171a— 172 b leer. 

Bl. 173 a — 197 a : Von dem hochgelobten, usserwelten, sunderlichen, grossen 
himelfürsten sant Julianus, dem grossen marterer und siner gemahelen Bassüca(!) 
und aller siner heiigen geselschafft (rot). Der grosse marterer sanetus Julianus 
was von gar edelem geschlecht geboren . . . daz wir kumen in die ewige fröide, 
do su sint, daz verlihe uns got der vater und got der (197 a) sun und got der 
heiige geyst. amen. Das Stück ist von einer Nonne geschrieben, denn es heilst 
am Schlafs: Diz arme swesterlin begert umbe gottes willen, daz ir got für ez 
bitten und vergüt nemen dis geschrifft. — Die gleiche Legende findet sich in 
der unten S. 38ff. beschriebenen Nürnberger Hs. 2261, Bl. 33 a— 61a. 

Bl. 197 a — b: Ez ivas ein küng in Spanger lant, der was gar mechtig . . . 
ez were müglich, daz genez ab disem . . . Hier bricht der Text mitten auf 
der Seite ab. Es ist der Anfang der Legende von der Königin Anastasia, die 
ebenfalls in der erwähnten Nürnberger Hs., Bl. 212a — 217a, und zwar dort 
vollständig überliefert ist. In unserer Hs. ist nach der Niederschrift des Stückes 
der untere Teil von Bl. 197 a mit einem farbigen Bilde überklebt worden, von 
dem bei seiner später erfolgten Ablösung noch einige Reste haften geblieben 
sind. Infolgedessen ist der Text nicht überall lesbar. 

Auf das Bruchstück der genannten Legende folgt unmittelbar von der 
(9.) Hand, welche Bl. 198a— 226a beschrieb (s. oben S. 34 und unten S.40), 
der Vermerk: Geschryben in elsasz in dem Conuet der \ swester prediget Ordens 
genant zu schönen | steinpach Anno dni MCCCClxv | von Swester Dorothee 
leynacherin 1 ) von tofjdsheym 7 ) custri \ dy versehyd Anno dni Ixay sabbö post 
Mariae coneeptionem.*) Demnach ist der Bl. 173 a — 197 b (= Lage 16 + 17) 
umfassende und auf die achte Hand zurückgehende Teil der Hs. im Jahre 1465 
von Dorothee Leynacherin zu Schönensteinbach geschrieben worden. 



x ) Sie ist zweifellos identisch mit Dorothea Lumacherin von Winsheim, 
die, wie aus Seraphin Dietlers Chronik des Klosters Schönensteinbach (hrsg. 
von Joh. v. Schlumberger, Gebweiler 1897), S. 332 f. hervorgeht, im Jahre 1420 
mit 14 anderen Schwestern — darunter die bekannte Gertrud Gewichtmacherin, 
nachmal s Priorin des Katharinenkloaters zu Nürnberg, s. Jostes, Meister Eckhart 
und seine Jünger S. XIX f. — in das Kloster Schönensteinbach eintrat. Weitere 
Angaben über sie fehlen a. a. 0. 

*) Windsheim in Mittelfranken; vgl. Bavaria IQb (München 1865), 
S. 1298 ff. und Österley, Wegweiser durch d. Lit. d. Urkundensamml. 1, 555. 

8 ) Man kann schwanken, ob alle fünf Zeilen von ein und derselben 



( . I . Original from 

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— 38 — 

BL 198 a — 239 a steht unser Traktat, von drei Händen ge- 
schrieben: die erste (9.) Hand reicht von BL 198 a— 226 a (s. unten 
S. 40), die zweite (10.) von BL 226a— 226b und die dritte (11.) 
von BL 227 a— 239 a. Am Schlufs des Traktates gab vielleicht 
die erste (9.) Hand die für die Beurteilung unseres Traktates 
wichtige Notiz: Anno domini MCCCClxiij von eitn parvusen prüder, 
genant Ulrich Talucr, dem got genad, der starb gar schir nach 
disem schreyben imm herbst, der daz letzer teyl der klein geschryfft 
ausz latetn in deutsch hat gemacht Darnach hat Ulrich Talfer 
im Jahre 1463 den letzten, von BL227a — 239 a reichenden Teil 
unseres Traktates aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt, 
d. h. er hat eine bereits begonnene Arbeit zu Ende geführt. Bei 
dieser Gelegenheit sah er den bereits übersetzten Teil nochmals 
durch, das beweisen die z. T. von seiner Hand herrührenden 
Korrekturen und Zusätze zu dem Passus von BL 198 a— 226 a. 

N Papierhandschrift Nr. 2261 in 4° des Germanischen 
Nationalmuseums zu Nürnberg; 1 ) alter Holzdeckel mit dunkel- 
rotem Lederbezug, von den beiden Schliefsen eine noch erhalten. 
Sie ist von Anna Ebin oder Eybinn, Vorsteherin des ehemaligen 
Nonnenklosters Maria Schiedung zu Pillenreuth *) bei Nürnberg, 



(9.) Hand geschrieben sind. Mit Sicherheit gilt dies nur von den ersten drei 
Zeilen. Aber auch Zeile 4 und 5, vielleicht erst später hinzugesetzt oder mit 
anderer Tinte geschrieben, werden von derselben Hand herrühren. 

') Vgl. die Beschreibung der Hs. im Hist.-diplomat. Magazin für das 
Vaterland et«. Bd. I, 3. Stück (Nürnberg 1780), S. 295 ff. sowie im Anzeiger f. 
Kunde der deutschen Vorzeit 1853, Sp. 125 ff. und 1854, Sp. 4 f. 

*) Vgl. Andreas Würfel, Geschichte des ehemaligen Nonnenklosters zu 
Pillenreuth etc. (Altdorf 1764), S. 66. Dort heifst es: Anna Ebin, erwählt 
a. 1461. soü von Bayreuth gewesen seyn. Ein altes Gerichtsbuch, welches zu 
ihren Zeiten angefangen wurde, heisset sie Anna Eybinn. Sie war in dem 
Schreiben wohl erfahren. Allerswegen, hat sie sich vom Amte gefordert a. 1476, 
und ist a. 1485 gestorben. Cgm. 4300 (vom Jahre 1673), S. 442—470 Closters 
Pildenreutt Stüfftung vnd Vrsprung neben Ordenlicher Yerzeichnusz desselben 
Pröbstinen vnd Erzefüung Jährlicher Geschichten enthaltend, berichtet 8. 454 f. 
nur in gröfserer Ausführlichkeit im wesentlichen dasselbe über Anna Ebin. 
In den Urkunden von Pillenreuth (jetzt im Egl. Ereisarchiv zu Nürnberg 
befindlich, s. üsterley, Wegweiser durch d. Lit. d. Urkundensamml. 1,424) 
erscheint sie in dem Zeitraum von 1461 bis 1469 viermal, jedoch stets nur als 
Pröpstin Anna ohne Zunamen. Ich verdanke diesen Hinweis Herrn Kreis- 
archivar Dr. Schrötter in Nürnberg. — Vgl. noch Jahresbericht d. hist. Vereins 
im Rezat-Kreis (Nürnberg 1834), S. 31 und Bavaria mb, S. 1289 f. . 



, | Original rrom 

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— 39 — 

in den Jahren 1465—1482 geschrieben worden. Die Sprache 
der Hs. ist bairisch. 

Wenn im Anzeiger 1853, Sp. 125 die Entstehung unserer 
Hs. in die Jahre 1471 — 1482 verlegt wird, so ist dabei über- 
sehen worden, dafs es in dem Leben der heiligen Lidia, 1 ) zu 
Ende des 24. Kapitels BL 160 b (vgL Magazin S.298) heilst: Also 
ich schreyberin disz püchleins, genant Anna E(bin), praeposita 
in Wildenreuth zu den zelten anno domini MCCCClxv (1465) setz 
herzu u. s. w. Die gleiche Jahreszahl findet sich auch BL 205 a, 
wo die Legende mit den Worten schliefst: Hye get ausz daz 
leben eyner heyligen junkfren Lydia oder Lydewich, geborn von 
Schydam des pystums Traject, in Holland gestorben, in dem lateyn 
zu deutsch gemacht anno domini M°CCCC°lvij, an dem heyligen 
carfreytag geendet, aber disz ward ausz geschryben anno domini 
M^CCCC^lxv an sanct Dyonisii abent vor vesper von eyner swester 
sanct Augustinus ordens, unser Üben frawen Schydung gotshausz 
Eysteter pystums mit dem namen Anna, zu den zeyten dynerin. 

Was ferner die im Anzeiger 1853, Sp. 126 als gedruckt 
aufgeführte Legende von dem Leben des heiligen Wendel, 2 ) eine 
frühere, zur Zeit der Abfassung des Aufsatzes für den Anzeiger 
jedoch fehlende Beilage zu unserer Hs., anlangt, so ist, wie ein 
BL 3 aufgeklebter Zettel besagt, bereits im Januar 1854 ein 
Bruchstück davon — vielleicht sogar demselben Exemplar zu- 
gehörig, das der Hs. ehedem einverleibt war — wieder auf- 
gefunden und unserer Hs. beigelegt worden. Der Anfang des 
Fragmentes (ein Doppelblatt im Format der Hs. mit 25 Zeilen 
auf jeder Seite) lautet: . . . iunckher, ist nit das vnser wendet 
mit dem vich . . ., Schlufs: . . . die er gar an vil menschen erzeigt 
vnd in genad tut, also ward der . . . 



! ) Eine weitere Hs. der Legende (Papier, 15. Jh., in gr. 4°) erwähnt 
Trübners Verzeichnis einer wertvollen Sammlung von Pergament- und Papierhss. 
aus dem 12. — 15. Jh. etc. (Trübners Handschriften- und Bücherauction zu 
Strassburg i.E. am 23. Oktober 1886), S. 25 Nr. 95. Vgl. ferner Die Hand- 
schriften der Grossh. Bad. Hof- und Landesbibliothek in Karlsruhe, Beilage II 
(Th. Längin, Deutsche Handschriften, Karlsruhe 1894, S. 92 Nr. 92) und Bei- 
lage III (E. Ettlinger, Die ursprüngliche Herkunft der Handschriften etc., 
Heidelberg 1901, S. 11 Nr. 87); Priebsch, Deutsche Handschriften in England 
Bd. 1, S. 162. Siehe auch noch Wetzer und Weites Kirchenlexikon 8 VII, 
Sp. 1974 ff. und Ällgem. Zeitung 1902, Beilage Nr. 78 S. 35 ff. 

9 ) Vgl. Wetzer und Weites Kirchenlexikon 3 XII, Sp. 1321 ff. 



( . I . Original from 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 40 — 

Bl. 69 a— 116 b steht unser Traktat, der dem Leser in dem 
der Hs. beigegebenen Inhaltsverzeichnis Bl. 8 a mit den Worten 
empfohlen wird: Item von eynem bescheyden peychtiger und von 
eym vernüftigcn peychtkind frag und antwurt. daz hat wol xxij 
unterscheyd oder capitel. ez würd zu lang, solt man daz hye 
allez b(en)ennen, waz ides capitel in ym besleusset lisz newer 
dye rubrick und überschryfft, ez wirt dir'liben (vgl. Anzeiger 1853, 
Sp. 126 f.). Der Traktat ist im Jahre 1471 geschrieben. Es 
heilst am Schlufs Bl. 116b: Explicit anno domini WCCCCHxxj 
ipso die sancti Syxti, pape et martyris et sociorum eius felicissimi 
et agapiti (vgl. Anzeiger 1854, Sp. 5). 

Schließlich sei noch erwähnt, dafs zwischen den Legenden 
von der Königin Anastasia (Bl. 212a — 217a) und von dem heiligen 
Florianus (Bl. 222 a— 224 b) eine bisher unbeachtet gebliebene 
Geschichte der heiligen Hiltegunde (Bl. 217a — 219a) eingeschaltet 
ist, die folgendermafsen beginnt: Czu einen zeyten was ein purger 
in Meyssen, da dem sein hauszfrau gestarb, mit der er gar ein 
schöne tochter het . . ., und mit den Worten schliefst: . . . da erscheyn 
an ir weyplich gesiecht, also ward sye mit andacht und eren 
begraben in daz ertrych, der sei sich in dem ertrych der lebendigen 
ewiklich freuet mit den engein. 

Eine Vergleichung der beiden zuletzt genannten Hand- 
schriften hinsichtlich ihres Schriftcharakters führt zu dem ebenso 
überraschenden wie unumstöf suchen Ergebnis: Anna Ebin, die 
Schreiberin der Nürnberger Hs., war auch in der Freiburger Hs. 
tätig, und zwar stammen hier von ihrer Hand nicht nur die dem 
Bruchstück der Legende von der Königin Anastasia folgenden 
Notizen auf Bl. 197 b (s. oben S. 37), sondern vor allen Dingen 
geht auch der von Bl. 198 a— 226 a reichende Teil unseres 
Traktates auf sie zurück (s. oben S. 38). Die Schriftzüge der 
Hs. N und des soeben bezeichneten Teiles der Hs. F zeigen in 
der Tat eine so augenfällige, bis ins einzelnste gehende Überein- 
stimmung, dafs es keinem Zweifel unterliegen kann, dafs sie von 
ein und derselben Person herrühren. Zudem weisen die Hs. N 
und der Passus aus der Freiburger Hs. nicht nur den gleichen 
(bairischen) Dialekt auf, sondern sie decken sich auch völlig in 
Bezug auf die Orthographie. Wie im übrigen das Verhältnis der 
beiden Hss. unseres Traktates aufzufassen ist, wird im zweiten 
Kapitel darzulegen sein. 



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Zweites Kapitel. 

Das Handschriftenverhältnis des Traktates 
„Schwester Katrei". 



Wie schon im ersten Kapitel angedeutet worden ist, lassen 
sich in der handschriftlichen Überlieferung des Traktates 
„Schwester Katrei" drei Hauptklassen unterscheiden. Zur 
Klasse I gehören die Hss. A und Ä, zur Klasse II die Hss. 
Mä, Str, B und Me, ferner G und K sowie St und P, zur 
Klasse III endlich, die zwischen den beiden ersten eine Mittel- 
stellung einnimmt, die Hss. E sowie F und N. Zwei Kriterien 
sind es, welche die Einteilung in die drei genannten Klassen 
rechtfertigen: einmal die Komposition des Traktates, sodann die 
Lesarten. 

1. Das Verhältnis der Handschriftenklassen I und II 

zu einander. 

Der grundlegende Unterschied der Hauptklassen I und II 
in Bezug auf die Komposition des Traktates besteht darin, dafs 
sämtliche Hss. von II eine Eeihe von Einschaltungen im Text 
aufweisen, die dagegen in I durchweg fehlen. Dabei ist freilich 
zu beachten, dafs diese Einschaltungen ihrem Umfange nach in 
den einzelnen Hss. von II sehr verschieden sind. Ich führe hier 
nur die an, die in Pfeiffers Ausgabe gedruckt stehen; sie reichen 
jedoch vollkommen aus, um den Unterschied beider Klassen ins 
rechte Licht zu rücken. Die Abschnitte bei Pfeiffer S. 448, 26 
bis 451,38; 452,34 — 455,32; 458,36—460,34; 462,19—463,14; 
465,19—467,26 finden in den Hss. von I nirgends eine Ent- 
sprechung, sie sind allein der Klasse II eigentümlich. Wie am 
Schlufs dieses Kapitels dargelegt werden soll, haben wir in den 
genannten Abschnitten nur sekundäre Bestandteile unseres 



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— 42 — 

Traktates zu erblicken, die z. T. zwar mit ihm in einem ge- 
wissen inneren Zusammenhang stehen, ursprünglich aber mit 
ihm nichts zu tun gehabt haben dürften. Was also die Kom- 
position des Traktates angeht, so gebührt der Hauptklasse I die 
Priorität vor II. 

Aber nicht nur der. Komposition nach, sondern auch in 
zahlreichen Lesarten stehen sich I und II gegenüber. Verdient 
I hinsichtlich der Komposition den Vorzug vor II, so ist das 
Verhältnis beider Klassen gerade umgekehrt in Bezug auf die 
Lesarten. Wie die folgenden Beispiele zeigen sollen, gebührt 
der Klasse II in diesem Punkte durchweg die Priorität. 1 ) 

1. II, G 189: ain warhaftiger mund ist, daz der mensch nit enredet mit 
dem mund, won als er mainet mit dem hertzen und mit den werken. 
I, A 16, 18 ff.: einen warhaften munt han ist, daz der mensche red mit 
dem munde das och, das in dem hertzen si. 

5 2. II, G 196: daz si in selber mugint widerstaun und aller untugent. 

I, A 17, 30 f.: das si in selber mügent widersten allen gebrestlichen 
dingen. 

3. II, G 205: so sölt ich doh dem minner nah gaun. 
I, A 20, 28: so solt ich doch dem iemer nach gen. 

10 4. II, G 207: von aller der susskait, die mir von allen creaturen ie beschah. 
I, A 21, 33 f.: in aller der suossikeit, du mir von allen eren ie beschach. 



1. 2 fehlt StP 1 ain] enen B warhaftiger] warhaftigen MüB; 
worbaftig K ist, daz] daz ist daz MüB nit] anders niet JB enredet] 
enrede Mü; enspreke B 2 won als er] dan her Mit; dan als hijt B; denne 
also er K mainet] meinz Mü mit — und fehlt K und — werken fehlt 
MüB 5 und fehlt K; und] von P aller untugent] allen gebresthaften 
(gebreckelicken B) dingen MüB; allen Untugenden StP 10 von] in St 
aller] al B die — creaturen] die my van sueticheit (zweimal) B allen fehlt 
MüK beschah] geschah Mü; gheschieden B; beschohent St 11 du] die S 
von] in S beschach] geschach S 



*) Bei den folgenden Beispielen wurde für die Klasse II die Hs. G zu 
Grunde gelegt. Sie hat, wie am Schlufs dieses Kapitels gezeigt werden soll, 
die Grundlage für die kritische Ausgabe des Traktates zu bilden. Von den 
Hss. der Klasse II ist aufser Str noch Me im Apparat unberücksichtigt ge- 
blieben. Bietet doch Me von den beiden Hauptklassen gemeinsamen Ab- 
schnitten des Traktates, die bei der Gegenüberstellung der Lesarten allein in 
Betracht kommen können, nur ganz geringe Bruchstücke. — Von den Hss. 
der Klasse I ist der Einfachheit halber A (= Alemannia 3, 15 ff) bevorzugt 
worden. 



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— 43 



5« II, G 218: im belib und tu dinem got nit nnreht. 

J, Ä 24, 7: im belib an einer stat vnd nit dinem guot nnreht. 

6. H G 519: also wenn ich in mich sach. 
I, A 25, 17: also swenne ich mich sach. 

7. II, Mü 56 a: iclichez mensch urteilt sich selber: also als her da 5 

erschinet in sinem wesen, also sol her ewiclich bliben. 
I, A28,3f.: Ieglich mensch vrteilt sich selber als er eweclich sol 
beliben. 

8. II, G 223: aber die Int, die in götlicher wisahait staund, die be- 

libent unberobet. also wenn du sei scbaidet von dem libe, so belibet 10 
ei in dem wesen götlicher wesenlihait, also als yerre si got 
bekant und geminnet haut. 
I, A29, 8 f.: aber die lüt, die in götlicher wesenlicheit, als verr si Got 
bekant vnd gemint hat. 

9. II, G 224: also daz nüt me in got kam. 15 
I, A 29, 26: also das Got im nit name. 

10. II, G 227: ich niem wol als vil gemaches an mich. 
I, A 31, 23: ich nime mich wol an. 

11« II, G 228: daz wir allweg sond beliben in ainem guten bilde in der 

zite, als wir wellint staun in ewikait. 20 

I, A32, 12 ff.: das wir allezit beliben in dem bilde, das guot bild geb 
in diser zit vnd in ewikeit besten wellen. 

12. II, G 228: so wirt inen bewiset ain lieht in dem gaist, daz si .koment 
in ain beschöude der creaturen. 
I, A 32, 21 f: so wirt in bewiset ein lieht ime geist, das si koment in 25 
ein lieht vnd in ein beschöde der creature. 

1 fehlt MüB dinem— nnreht] nüt unrehte dime gotte K 2 nu 
fehlt S vnd— nnreht fehlt 8 3 also fehlt MüBKStP wenn] wanneer B 
5. 6 fehlt wegen Blattverlust G 5 iclichez] een yegelic B; iegelich KStP 
urteilt] fürteilet St selber] selben K\ selbe St also — da] also ez allez AT; 
als (also P) iegelich mensche do StP 6 erschinet] verschijnt JS; erschinet 
do K sinem] sinne K her] een yegelic B ewiclich feMt B 7. 8 sol 
beliben] beleiben schol S 9 aber] mer B wisshait] weslichait MüB; 
gnaden KStP 10 unberobet] (des B; also K) unberurt MüBKStP wenn] 
wanneer B schaidet] gescheidet P schaidet— libe] von dem libe scheidet 
K libe] licham B 11 in dem] denne St; deme P dem wesen fehlt B 
wesenlihait] wesentheit K also als verre] als verre als Mü\ alsoe verre 
als B; also verre also KStP 12 bekant— haut] erkennet und genützet het 
K\ erkante und minnete StP 14 hat] habent S 15 also fehlt MüBStP 
nüt me] nye B in got kam] kam in got KStP kam] enquam B 16 Got 
im] im got S 17 niem] vuel B wol fehlt B als] also MüBKP; alse St 
18 ich fehlt S 19. 20 fehlt MüB in der zite fehlt KStP 20 als] also 
KStP in ewikait] in der ewikeit StP 22 wellen] well S 23. 24 fehlt 
MüB 23 in dem] ime St 25 ime] in dem S 



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— 44 — 

13. II, G229: si sprach: daz ist waur, danken und wennen, da mit ist 
menig wis man betrogen. 
I, A 32, 39 f.: Si sprach: est ist war, mit geduncken vnd wenen wir 
wenig mensche betrogen. 

5 14. II, G 234: diz sind die Kit,, den got schnldig ist. wend ir die schuld 

wissen, daz ist er selber in dem snnderlichen gut, daz er allen 

sinen besten fründen behalten hant. 

I, A 35, 6 ff.: Wenik ist der, die schuld wissen, das er selb spricht, vnd 

snnderlichen in dem guot, das er allen sinen lieben fründen be- 

10 halten hat. 

15. II, G 237: ir wissen t wol, daz Maria Magdalena wnnder tett von 
minnen, die wil daz si Christum hatte in der zit. 
I, A 36, 9 ff.: Ir wissent wol das Maria wnnder tet von minnen, die si 
Kristum het in der zit. 

15 16. II, G 237: die da gezogen werdent in ain wissen des obrosten gutes. 
I, A36, 14 f.: die gezogen werdent mit wissen des obersten guotes. 

17. II, G240: si bitten got, daz er inen erschin an allem sinen ussren 

wandel, daz si in mit ussren ougen gesehen mugint. 
I A 37, 31 f.: si bittent Got, das er in erschin nach allem sinem vssern 
20 wandel, das si mit vssern dingen ansehen mügen. 

18. II, G 243: Petrus hatt waur geseit, hetti er von im selber gesprochen. 
I, A 39, 9 f.: Petrus hatt von im Beiben wol gesprochen. 

19. II, G 244: si wenent ir natur biegen und brechent sy, daz ir leben 

wirt gekürtzret in der zit. 
25 I, A 39, 37 f.: si wenent ir nature beginnen vnd erbrechen, damit wirt 

ir leben gekürzert in der zit. 



1. 2 fehlt MüB 3. 4 fehlt 8 5—7 fehlt MüB wend— haut 
fehlt StP 6 sunderlichen] sundern K 7 sinen — haut] sinen aller 

liebsten bereit het K 8 — 10 Wenik — hat] und ir ist wenig, die deu 
gewissen habent, wan got selb spricht: ir werdent all menschen (166b) 
dnerichachtet duerich meinen willen S 11. 12 fehlt MüB 11 Magdalena 
fehlt K wunder] sich under St 12 die wil daz] also lange also K; alle 
die wile (wile fehlt St) StP 14 Kristum] zu Christ S 15 fehlt MüBStP 
16 wissen] wesen S 17. 18 fehlt MüB; fehlt wegen Blattverlust St 

17. 18 daz— wandel fehlt P allem — wandel] allen sinen ussern geschöppfeden 
K 18 mit ussren] mit iren ussern K mit — ougen] an sinen ussern 
beschöppfeden P gesehen] ansehen K 19 si — erschin fehlt S 21 
fehlt MüB Petrus] sante Peter StP geseit fehlt K geseit— gesprochen 
fehlt StP 22 selben wol] selber auch wol S 23. 24 fehlt MüB; fehlt 
wegen Blattverlust K 23 biegen] beigen St daz ir] daz in ir StP 25 
si] die S beginnen vnd fehlt S erbrechen] zeprechen S 25. 26 wirt — 
gekürzert] ir leben gechürczt wierdt S 26 in der zit fehlt S 



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— 45 — 

20. II, G 253: er was ir ain edel gelait in den vatter nnd was ir n&hstez 

mittel, die wil si in haben moht in der zit, als wol als den 
jungem, daz ir wol vernomen hand. 
I, A 43, 29 ff.: er was ir ein edel geleit in den vater, die wil si in 

haben moht in der zit, als wol als der i im gern, als ir vor wol 5 
vernomen hant. 

21. II, G 253: der mir geoffenbauret hett in behaltnnss raines lebens, daz 

ich den grossen got in siner person erkennen nnd minnen mag. 
I, A 43, 46 f.: der mir geoffenbaret het in bekantnüst, vnd minnen mag 

in der persone. 10 

22. II, G 255: dar inne werden wir bewiset zu unser ewigen s&lkait. diz 

sol uns billicher sin ain wissen denn ain gl oben, solt ich daz 
nit gl oben, der got, der älly ding vermag, daz er daz ver- 
möhty? si sprach: got waiss wol allez, daz man von dem globen 
sprechen mag. 15 

I, A 44, 29 ff.: Da werden wir gewisen vnser ewigen selikeit; solt ich 
das nit geloben, das Got, der allü dink vermak, och vermüge 
alles, das man von dem heiligen geloben reden mak. 



1 — 3 fehlt MüBSt 2 als wol] also wol K 2 f. als den jungern] 
alsus was er ouch den jungern P 2 den] die K 4 ein fehlt S 5 haben] 
gehaben S in — iungern] und ander junger S vor fehlt S 7. 8 fehlt 
MüBSt 7 mir geoffenbauret] mit geoffenbortheit K 8 den — in fehlt K 
siner] sine K erkennen] kennen K 9 geoffenbaret] geöffent S in] mit S 
vnd] nnd daz ich ich S 11—15 fehlt MüBSt 11 dar inne werden] in 
rehteme glouben (und P), in verstantnisse und (in P) minnen werdent KP 
unser — s&lkait] unsern ewigen selikeiten K diz] daz K 12 billicher] 
bi Hiebe K wissen — globen] wisen eins gloubens K daz] des K\ dis P 
13 der got — vermag] daz alle ding vermag K 13 f. vermöhty] ouch ver- 
mag P 15 sprechen] gesprochen P 16 wir] mir S 18 dem] den S 
reden] gereden S. 



2. Die Handschriftenklasse L 

Die der Klasse I zugehörigen Hss. A und S bekunden schon 
dadurch eine enge Verwandtschaft, dafs ihre Überschriften (vgl. 
Alemannia 3, 15 und oben S. 7) beinah wörtlich übereinstimmen, 
eine Tatsache, die deshalb besondere Beachtung verdient, weil 
sie in der gesamten handschriftlichen Überlieferung des Traktates 
einzig dasteht. Wie aus dem ersten Kapitel leicht zu ersehen ist, 
tragen die übrigen Fassungen entweder nur stark voneinander 
abweichende oder überhaupt gar keine Überschriften. Vor allen 
Dingen aber decken sich A und S völlig in ihrer Komposition. 
Auch im Text zeigen beide weitgehende Übereinstimmungen, in- 



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— 46 — 

sofern sie sehr häufig die gleiche, oft auch eine fasche Lesart 
gemeinsam haben (vgl. die Beispiele 1 — 22). Trotzdem kann S 
nicht aus A geflossen sein. Das beweist eine Anzahl von Stellen, 
in denen A und S sich gegenüberstehen, z. B.: 

23. A 20, 3 ff.: du mäht wol wissen, dz ich ein creature bin, die wil dir 

du creature geben vnd nemen mak, so wissest, das du der warheit 
nie enleptost. 
S 147 a: daz magstu wol wissen, daz ich einer creatur pin, und du 
nicht volchomen pist die weil dir dy creatur geben und genemen 
mag, so hastu der warhait nie enpfunden. 

24. A 27 ,14 f.: als vil die guoten lttt uf gend, als vil gent die nider die 

in gebresten sint. 
S 156 a: als vil die auf gent, die in genad sind, als vil sinchent die 
andern, die in gepresten sind. 

25. A 32,1 ff.: Ir sont wissen, das K. us dem vater nie kom einen ogen- 

blick, vnd as vnd trank als ein ander mensche, vnd worht allü 
werk, die ein ander mensche würken solt an gebresten. 
S 162a: ir schult wissen, daz Cristus auz dem vater nie cham einen 
augenplich und az und dranch und macht all sein werich als ein 
ander mensch an gepresten. 

26. A 35, 6 ff.: Wenik ist der, die schuld wissen, das er selb spricht, vnd 

sunderlichen in dem guot, das er allen sinen lieben f runden 
behalten hat. 
S 166 a: und ir ist wenig, die deu gewissen habent, wan got selb 
spricht: ir werdent all menschen (166 b) duerichachtet duerich 
meinen willen. Vgl. Beispiel 14 (S. 44). 

27. A 39, 23 ff.: Hie sont ir brnofen, das Petrus Kristum nie bekand, wan 

Kristus was iegnot in dem vater vol, des gebrast Petro. 
S 172 b: da pei schult ir pruefen, daz Petrus Cristum nie bechandt, 
wann Cristus (173 a) alczeit in dem vater was, daz becbant 
Petrus nicht. 

28. A 43, 39 ff. : Sehent, darvmbe erbarment mich die lüt, die da sprechent, 

si sehent Got mit vssern ögen, vnd sprechent: Got habe munt, 
nese, ögen, oren, vnd hend vnd fuos! Ir sont wissen; het ich 
einen Got, den man mit usern ogen sehen moht, vnd mit vsserm 
sinnen begriffen, vnd mit vsserm munde mit im reden, vnd also 
geschaffen wer, das er hend vnd fuos haben moht: ich Sprech 
durh sinen willen niemer an einiges Aue Maria. 
S 179 a: secht, dar umb erparmt mier die leut, die da sprechent, si 
sehen got mit auzzern äugen, und sprechent, got hab leibpleich 
glider. war got mit in deu zeit begreiffen mag, ich sprach umb 
in nicht ein Ave Maria. 

Diese Abweichungen beider Fassungen voneinander finden 
am einfachsten ihre Erklärung darin, dafs man entweder für A 



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— 47 — 

und S unmittelbar eine gleiche Vorlage x annimmt oder richtiger 
S zunächst auf eine uns nicht mehr erhaltene handschriftliche 
Fassung a zurückgehen läfst, die dann mit A auf die gemeinsame 
Vorlage x weist. Für die Annahme eines Zwischengliedes a 
spricht zweifellos der grofse zeitliche Abstand der jungen, aus 
dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts stammenden Hs. S von 
der jedenfalls noch in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zu 
setzenden Vorlage x. 

- 
3. Die Handschriftenklasse IL 

Wie bereits im ersten Kapitel bemerkt worden ist, zerfallen 
die in der Hauptgruppe II vereinigten Handschriften unseres 
Traktates in drei Unterklassen, und zwar umfafst die Unter- 
klasse 1 die vier Hss. Mü, Str, B und Me\ die Unterklasse 2 die 
beiden Hss. G und K und die Unterklasse 3 die Hss. St und P. 

a) Die Unterklasse 1. 

"Was die Hss. der Unterklasse 1 im Gegensatz zu den übrigen 
Fassungen der Klasse II kennzeichnet, ist in erster Linie der 
Ausfall der beiden Abschnitte A 24, 3—16 und A 31, 36—44, 32 
(vgl. Pfeiffer 474, 30). Aufserdem ist der Passus Pfeiffer 465, 19 
bis 467, 26 den Hss. der Unterklasse 1 allein eigentümlich. 

Was zunächst die uns nicht mehr erhaltene Hs. Str anlangt, 
so bietet cod. 15383 der Wiener Hofbibliothek (s. oben S. 9 ff.) 
insofern einen Ersatz dafür, als er uns durch die Mitteilung der 
Eingangs- und Schlufsworte der einzelnen Abschnitte des Traktates 
einen klaren Überblick über die ganze Anlage von Str ermöglicht. 
Auf den ersten Blick erkennt man, dafs Str und B fast die gleiche 
Komposition aufweisen. 

Beide Hss. enthalten folgende Stücke: 1 ) Pfeiffer 448, 26 bis 
451,38; 451,39—452,33 (= A 15 — 16,34); 452,34—455,32; 
455, 33—40 (= A 16, 35—17, 5); 455, 40—458, 35 (= A 17, 6 
bis 20, 11); 458, 36—460, 34; 460, 35—462, 18 (= A 20, 12 bis 
21, 39); 462, 19 — 463, 14; 126, 4—129, 7 (= Predigt 37). 



*) Vgl. Langenberg, Quellen und Forschungen zur Geschichte der deutschen 
Mystik S. 189. Seine Angaben betreffs der Komposition des Traktates in B 
sind sehr lückenhaft; auch sind bei den von ihm ausgehobenen Textätellen 
zahlreiche Flüchtigkeiten mit untergelaufen. 



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— 48 — 

Darauf folgen zwei bisher unbekannte Predigten: 

1. B 146b— 147b (Str 117b— 119a): Een*) heilich lavet 
onse vrouwe ende sprict: dat ic Maria niet gelaven enmach, dat 
is oer dat hoechste lof dat suldy alsoe verstaen: si is boven 
allen lof . . . dat mach ic hexten tnijn kinder, der ic gebrucken sal 
in ewicheit, dat sijn nutte kinder. dat wy ons alsoe berichten, 
dat wi comen in ons ierste onschulde, dat wi werden getagen uit 
ons sehen ende uiter al geschapen dingen, des he(l)p ons got*) 

2. B 147b— 148a (Str 119a— 119b): Onse here sprach tot 
sijnen jongeren vijf worde. dat ierste was: huedet u voer den 
luden, ghi hebt mit mijnen hemelschen vader goet doen . . . dat 
wi in onsen heer moeten bliven ende kennen sijn leven ende sijn 
spracke ende om volgen opt alre hoechste ende wi mit allen, die 
na Christo gcbeelt sijn, ende wi moegen sprechen: here, du wetes 
wael, dat ic dy mynne, des he(l)pe ons got. 

Darauf: Pfeiffer 463, 15—465, 18 (= A 21, 40—24, 3), B 
fehlt Pfeiffer 464,4—15 (= A 22,31—42); 465,19—467,26, B 
fehlt Pfeiffer 466,30—37. 

Darauf: B 150a — 151a (Str? — 125a): Die mensche versteet 
die hemelsche (150b) spracke, die onse here mit sijnre moeder 
sprach hi sprach mit oer ynnentlicke, vriendelike worde . . . die 
waerheit heft drie doechden. die ierste doecht is, dat si sich niet 
helen enderf . . . daer om sal al onse mynne geschicket sijn in 
der op (151 &)getagenheit des geestes. gelaeft ende geert si die 
naem ons heren Jhesu Christi om al dat goet, dat hi selver is, 
ende sunderlinge, dat hi ons beholden heft een reyn leven, willige 
armoede des geestes in sijnen naem, dat hi gemynt heft boven al 
doechden.*) Entspricht Jundt, Histoire du panth&sme p. 279 s. 
(Nr. 18). 



*) Ich citiere hier wie im folgenden nach £, da sich cod. 15383 auf 
die kurze Wiedergabe der Eingangs - oder Schlufsworte der betreffenden Stücke 
beschränkt. 

a ) Die erste Predigt steht auch in Hs. 810 b der Strafsburger Stadt- 
bibliothek, Bl. 77b— 79a. Es ist eine Papierhandschrift in 4° aus dem 18. Jahr- 
hundert, Vgl. ZfdA. 40, 220 ff. Sie enthält Bl. 63a— 94b Oberlins Abschrift 
einer Reihe Eckhartischer Predigten aus der alten Hs. A. 100 (Bl. 209—232) 
der Johanniterbibliothek. Die Einsicht in Hs. 810 b verdanke ich der Freund- 
lichkeit des Herrn Dr. Pahncke, der sich ein näheres Eingehen auf die Hs. 
vorbehalten hat. 

») Das Stück auch in Hs. 810b, Bl. 79b— 80a. 



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— 49 — 

Darauf: Pfeiffer 76,24—78,3 (= Predigt 17). 
Darauf: Bischof Albrecht = ZfdA. 8, 215 f. 

Darauf: Str 128 a— 130a (fehlt in B): Gelobet si der name 
unsers herren Jhesu Christi, daz er ist unser anevang ane ane- 
vang etc. Leider bietet cod. 15 383 nicht mehr von diesem Ab- 
schnitt Trotzdem glaube ich seine Identität feststellen zu können. 
In der bereits genannten Hs. 810 b steht nämlich Bl. 84 a — 85 b 
eine Predigt, deren Eingang sich mit dem Anfang des Abschnittes 
aus Str aufs engste berührt. Sie beginnt: Gelobet si der name 
unsers herren Jhesu Christi, daz er ist unser anevanc ane anevanc, 
unser ende ane ende unde unser ewige seh'keit Die nun folgende 
Predigt (hie inne sunt ir verstan den geist der ewigen warhait, 
der da fluzet von dem vatere unn von deme sune in des lutern 
menschen sele . . . unn sunderlich von den luten, die geislich heizent 
unn des niht ensint. gelobet unn geret si got etc.) entspricht 
Jundt, Histoire du panth6isme p. 254,17—255, 19 (Nr. 6 1 )). 

Darauf: Pfeiffer 467, 27—474, 30 (= A 24, 17—31, 36); 
474, 30—475, 32 (= A 44, 32—45, 30). 2) 

Wie schon oben S. 12 erwähnt, waren Str dann noch zwei 
weitere Abschnitte angefügt, die jedoch in B keine Entsprechung 
finden: einmal Pfeiffer 78,5—79,30 (= Predigt 18) und sodann 
ein bisher unbekanntes Stück, dessen Anfang und Schlufs bereits 
oben S. 12 mitgeteilt worden sind. 

Mit Ausnahme also der wenigen Stücke, um die Str reicher 
als B ist, stimmen beide Fassungen in ihrer Komposition überein. 
Demzufolge dürfte sich das Verhältnis der Hss. Str (14. Jh.) und 
B (15. Jh.) zu einander dahin gestalten, dafs B zunächst auf 



>) Vgl. Pabncke a. a. 0. S. 2. 

2 ) Obwohl sich in cod. 15383 bezüglich der Stelle Pfeiffer 474,30 keine 
Notiz findet, so kann doch darüber kein Zweifel sein, dafs auch in Str der 
grofse Abschnitt A 31,36—44, 32 ausgefallen ist. Angenommen der Abschnitt 
hätte in Str gestanden, bo müfsten laut der Kotizen des cod. 15383 die 
Bll. 130a — 137b der Hs., im ganzen also 8 Bll., den in A von S.24, 17—45, 30 
reichenden, fast 23 Seiten umfassenden Teil unseres Traktates aufgenommen 
haben. Dies ist aber unmöglich, denn die Bll. 103a — 113b der Hs. z.B., 
zusammen also 11 Bll., haben nur das bei Pfeiffer von S. 451, 39— 462, 18 
reichende Stück enthalten. — Ferner hätte der Abschnitt A 31,36—44,32 
in Str gestanden, so würde Pfeiffer bei seiner Ausgabe des Traktates zweifellos 
Str vor der Hs. Mü, die an der Stelle Pfeiffer 474, 30 die grofse Lücke auf- 
weist, den Vorzug gegeben haben. 

4 



■ I Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 50 — 

einer Vorlage e fufst, die ihrerseits mit Str in einer Fassang 6 
ihre gemeinsame Quelle hat. 

Wie verhält sich nun ferner Mü (ebenfalls aus dem 14. Jh.) 
zu den beiden Hss. Str und B? Was die Komposition von Mü 
betrifft, so braucht nur auf Pfeiffer Myst. 2, 448 ff. verwiesen zu 
werden, der, wie in der Einleitung (s, oben S. 1) schon bemerkt, 
Mü hinsichtlich der Komposition des Traktates seiner Ausgabe 
zu Grunde gelegt hat. Mü, Str und B stimmen insofern in ihrer 
Komposition überein, als die Abschnitte von Mü ausnahmslos in 
Str und B sich wiederfinden, nur sind letztere um einige Stücke 
reicher als Mü. Besonders verdient noch einmal hervorgehoben 
zu werden, dafs auch Mü der Umfangreiche Abschnitt A 31,36 
bis 44, 32 fehlt, unzweifelhaft eiü Zeichen engster Verwandtschaft 
zwischen Mü und den beiden anderen Hss. Nun aber gehören 
die Stücke, um die Str und B die Hs. Mü übertreffen, mit zu den 
Partien unseres Traktates, die, wiö am Schlufs dieses Kapitels dar- 
gelegt werden soll, ursprünglich unabhängig von ihm, erst späterhin 
mit ihm verbunden worden sind. Im Vergleich zu Str und B weist 
also Mü eine weit geringere Anzahl solcher Einschaltungen auf, 
eine Tatsache, die dafür spricht, dafs Mü den Fassungen Str 
und B vorausliegt. Da diese ferner jedes Hinweises auf die 
unmittelbare Abhängigkeit ihrer gemeinsamen Quelle ö von der 
Fassung Mü entbehren — Str ist uns nicht mehr erhalten, und B 
liegt zeitlich zu weit ab — , so läfst sich das Verhältnis zwischen 
Mü und den Hss. Str und B nur so auffassen, dafs Mü und 6 
auf ein und dieselbe Vorlage y zurückgehen. 1 ) Wenn das richtig 
ist, so müssen die beiden aus y geflossenen Rezensionen Mü und 
ö ursprünglich der Komposition nach in der Hauptsache überein- 
gestimmt haben. Daraus folgt dann weiter, dafs erst d, während 
es die Vorlage / herübernahm, den Traktat um die weiteren 
Einschaltungen, wie sie in Str und B vorliegen, bereichert hat. 
So weisen denn Mü, Str und B im letzten Grade auf die gleiche 
Vorlage y zurück. 

Endlich gehört noch die Hs. Me in die Unterklasse 1. Sie 
ist, was wohl zu beachten ist, nur eine späte, stark kürzende 

*) Nach den obigen Ausführungen mufs bereite in y an der Stelle Pfeiffer 
474,30 der grofse Abschnitt A 31,36—44,32 ausgefallen sein. Die dadurch 
mitten im Satze hervorgerufene Lücke wird schwerlich auf einer beabsichtigten 
Auslassung des genannten Abschnittes beruhen. Sie läfst sich am einfachsten, 
durch Blattverlust der für y anzusetzenden Vorlage ß erklären. 



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^ 51 - 

Überarbeitung unseres Traktates. Folgende Abschnitte aus ihm 
haben in Me Berücksichtigung gefunden: Pfeiffer 448, 28 — 449, 14 
449,22—33; 450,2—4; 450,12—451,13; 452,17—33 (=.416 
16—34); 452, 34—39; 453, 8—32; 453, 33—34; 454, 5—20 
454, 34—40; 455, 3—6; 455, 16—20; 455, 23—26; 458, 36 bis 
459,23; 459,24-33; 459,34-40; 460,6—10; 460,15—16 
460, 19—32; 461, 17—23 (= A 20, 34—41); 462, 3—8 (= A 21 
22—28); 462,19—21; 462,30-37; 465,28—29; 465,35; 467 
6-9; 467,13—15; 469,8—10 (=^1 25,37— 26,1); 467,31—468,15 
(= A 24, 21—25, 4); 468, 26 - 31 (= A 25, 16—22); 469, 35 bis 
470, 2 (= A 26, 30 — 27, 1); 470, 5—14 (= A 27, 3—13); 474, 
32—36 (= A 44,34—38). 

Diese Übersicht beweist, dals Me innerhalb der Haupt- 
gruppe II der Unterklasse 1 unterzuordnen ist. Denn Me enthält 
Stücke aus dem Passus Pfeiffer 465,19 — 467,26, der sonst nur 
noch den Hss. Mü, Str und B eigentümlich ist. Das andere 
Hauptmerkmal, wodurch die Zugehörigkeit von Me zur Unter- 
klasse 1 sicher zu bestimmen wäre, die Lücke im Text bei 
Pfeiffer 474,30, kommt in diesem Falle nicht in Betracht, weil 
in Me der Passus fehlt, der jener Lücke unmittelbar vorausgeht 
bezw. folgt. 

Bei der Überarbeitung hat die ursprüngliche Textgestalt 
des Traktates z. T. sehr erhebliche Veränderungen erfahren, so 
dafs es unmöglich ist, auf Grund der Lesarten entscheiden zu 
wollen, welcher von den Hss. der Unterklasse 1 Me etwa am 
nächsten gestanden haben mag. Man hat sich vielmehr mit der 
Annahme zu begnügen, dafs Me auf eine Vorlage zurückgeht, die 
entweder mit Mü oder Str oder auch e, der Vorlage von B — 
B selbst dürfte kaum heranzuziehen sein — sich aufs engste 
berührt haben mufs. Die Art und Weise der Überarbeitung des 
Traktates in Me mögen folgende Beispiele erläutern: 1 ) 



Mü: 
BL24a: Gelobt und 
geeret si der nam unsere 
herren Jhesu Christi, daz 
her uns daz bilde der 
warhait hat vor getragen, 
daz her selber ist, dar 



B: 
Bll35a: Gelavet ende 
geert si die naem ons 
h eren Jhesu Christi, dat 
hi ons dat beeide der 
waerheit voer gedragen 
hef t, dat hi selver is, daer 



Me: 
Bl. 103 va: Man list im 
ewangeli Johannis VI , 
daz der herr Jhesus 
Christus mit f ümf praten 
und mit tzwain vischen 
fümf tausent man hat 



*) Ich gebe aufser Mü noch den Text von B } weil weder Str noch s 
uns erhalten sind. 

4* 






Original from 
UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



Mü: 
an uns nieman geirren 
mach, man liset in dem 
heiligen ewangelio, daz 
unser herre spiste mit 
5 fünf broten und mit 
zwein gebratnen viachen 
vil volkes. daz erste brot 
sollen wir also verstau, 
daz wir pruven sollen, 

10 waz wir ewiclich in got 
sein gewesen, und waz 
wir nu in got sin. daz 
ander brot ist, daz wir 
priiven sollen unser leben 

15 in der zit, wie wir alle 
unser zit han vertan. 
her zu bedürfen wir helfe, 
daz ist ein erber bihter. 
den bihter sullen wir 

20 pruven her an: hat her 
an im, daz zu der war- 
hait gehöret, so mögen 
wir im der warhait ge- 
triwen. daz sollen wir 

25 pruven an drein stoken. 
daz erste ist, daz her si 
ein gut pfaffe, daz ander, 
daz her si bewert an eim 
volkomen lebenne , und 

30 daz her habe den gewalt, 
den ein gut bihter zu 
rehte haben sol. den solt 
du suchen, an welcher 
stat du in (24 b) vindest. 

35 daz lit wol, waz arbait 
du da von lidest. zu dem 
salt du gan und salt vur 
in vallen mit aim rehten 
ernst, als Maria Magdalena 

40 vil vur di vuze unsers 
herren Jhesu Christi, und 
solt in getreulich bitten, 
daz her dich hure durch 
got. Vgl Pfeiffer 448, 26 
bis 449, 8. 



— 52 - 

B: 

ons ny emant bedriegen 
enmach* men leset in den 
heiligen ewangelio, dat 
onse herre spisede mit 
vijf broede ende mit 
twe visschen veel Indes, 
dat ierste broet sollen 
wi alsoe verstaen, dat 
wi bekennen sullen, wat 
wi ewelic in gade sijn 
gewest, ende wat wi nu 
in gade sijn. dat ander 
broet, dat wi proeven 
sullen onse leven in der 
tijt, woe wi al onsen tijt 
hebben versumet. hier toe 
behoeven wi hulpe, dat 
is enen sekeren biechter, 
enen gueden biechter sul- 
len wi proeven hier an: 
hevet hi in om die dingen, 
die totter waerheit ge- 
hören, soe moegen wi om 
der waerheit getrouwen. 
ende dat sullen wi proe- 
ven in drien stucken, dat 
ierste, dat hi si een guet 
priester, dat ander, dat 
hi 8j r an enen gueden, vol- 
comeneu leven, dat derde, 
dat hi heb die gewalt, die 
een guet biechter hebben 
sal. den saltu suecken, an 
welcker stat du en vindest. 
dat leget di wael, wat 
arbeit du daer om lides. 
tot den saltu gaen ende 
salte voer om vallen mit 
enen rechten ernste, als 
Maria Magdalena viel 1 ) 
voer den voeten ons heren 
Jhesu Christi, ende salte 
om trouwelicken bidden, 
dat hi die hoer doer got. 



Me: 

gespeist, pey dem ersten 
prat sullen wir versten, 
daz wir in got ewich- 
leichen gwesen sein, und 
wie wir nu in got sein, 
pey dem andern prat 
sullen wir merkchen dy 
tzeit unsers lebens, wie 
wir daz vertzert haben, 
dar zu pedarff man hilff 
eins notzen peichtiger, 
der an im hab, daz zu 
der warhait gehör, und 
daz sol man an drein 
dingen mercken : daz 
erst, daz er sey ein 
goeter phaff, daz ander, 
daz er an (103 vb) eim 
volchomen leben pew&rt 
sey, daz dritt, daz er 
den gwalt hab, der eim 
gueten peichtvater zu 
gehört, und ein solher 
ist wol ze soeben und 
sich vor im ze diemueti- 
gen, als Maria Magda- 
lena vor den fiiezen 
Jhesu tet. 



l ) viel zweimal. 






Original front 
UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 53 - 



Mü: 
Bl27b: wissist, der 
mensch, der ietz ein sun- 
der ist, der mach vor 
naht werden ein guter 
mensch, her um so sullen 
wir der sunden vergessen 
und alle di gebresten 
unsere ebencristen und 
sullen unser gebresten an 
sehen und sullen alle 
wege des vergessen, des 
got vergessen hat, daz 
ist: aller der gebreste, 
des man gantzen rewen 
hat gehabt, des hat got 
vergessen, des sullen wir 
nimmer gedenken. Vgl. 
Pfeiffer 451,7-13. 

Bl 29 a: halt einen 
warhaftigen munt, einen 
reinen lichnaraen und 
eine minnende sele. disen 
wech und disen rat, den 
saltu verstan: ein war- 
haftigen munt, daz ist, j 
daz der mensch nicht 
enrede mit dem munde, 
dan (29b) her meinz mit 
dem herzen, alsus soltu, 
tohter, reden, daz war- 
haftich ist. got ist di 
warhait, daz saltu reden 
allez von got. als du 
nimme betten mäht und ; 
nah got nimme mäht ge- 
denken, so soltu reden 
von gote. alsus saltu alle 
dine wile nemen von gote. 
Vgl Pfeiffer 452, 17—24. 

Bl 42a: si sprach: 
'het ich allez, daz (42 b) 
got ie geschuf, und liez 
daz allez durch got, ich 
hete nicht gelazen, wan 



B: 
Bl 136 a: die mensche, 
die nu een sunder is, 
die (mach) noch wael 
een goet mensche werden, 
hier om sullen wi die 
sunden vergeten ende al 
dat gebreck ons even- 
kerstens ende sullen onse 
gebreck an sien ende 
sullen alle wege des 
vergeten, dat got ver- 
geten heft, want al 
des gebrecks, des raen 
gansen rouwe heft ge- 
hat, des heft got ver- 
geten, des ensolden wi 
nummer gedencken. 



Bl 136 b: heb enen 
waerachtich mont, enen 
reynen licham ende een 
mynnende ziele, desen 
wech ende desen raet sal- 
tu verstaen: enen waer- 
achtigen raont, dat is, dat 
die mensche anders niet 
enspreke mitten monde, 
dan als hijt meynt mitten ! 
herten. got is die waer- 
heit, ende die saltu 
spreken. ende als du niet 
meer beden enmoeges van 
gade ende niet meer 
dencken van gade, soe 
saltu sprecken van gade. 
aldus saltu al dijnen wil 
nemen van gade. 



Bl. 143 a: si sprack: 
'hedde ic alle dat guet, 
dat got ye gescoep, ic 
liet et hier, want et 
enwas mijn niet, et 



Me: 
Bl 104 rb: pedenkch, 
der mensch, der yetzund 
ein sünter ist, der mag 
über nacht ein freunt 
gots wem. dar umb snl- 5 
len wir unsere nächsten 
prechen vergessen, des 
sunt got vergessen hat 
in der warn reu, wer 
dy gehabt hat. und an 10 
dem leit nicht dy gr&sst 
s&lichait, wann dy ding, 
dy ich gesagt han, dy 
müessen von nat ge- 
schehen, s und er man 15 
(104 va) sol auch halten 
einen warhaften mund, 
einen rainen leichnam 
und ein liebhabunde sei. 
pey dem warhaften mund 20 
sol man versten, daz man 
mit dem mund nicht ainz 
red und ein anderz im 
hertzen hab. got ist die 
warheit. dar umb sol 25 
man ain tzeit von im 
reden, dy ander gedenk- 
chen, dy dritt petten, 
also daz man all tzeit 
in got arn. 30 



35 



iz was min nicht, iz was | was gads. hier af weet 



40 

Bl 106 r a : wann so 
ein mensch alz daz lut, 
daz er durch seinen 
willen peschaffen hat, 
dannoch hat er nichts 45 
lazzen, waun ez ist nicht 






Original frorn 
UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 54 — 



Mü: 

gotes. waz gut heizen 
mach, daz ist gotes, her 
um weiz ich wol, daz ich 
noch zu lazen han, daz 
5 ich lazen 8ol.' er sprach: 
'waz solt du lazen?' si 
sprach: 'daz sol ich mich 
selber, wen ich mich ge- 
laz an allen den stnken, 
10 da ich mich vinde, so 
mach ich sprechen, daz 
ich gelazen habe.' Vgl. 
Pfeiffer 461,17—23. 

EL 48 b : her um sullen 
15 wir sterben in dem geist, 
daz unser geist vergeistet 
werde in dem geist der 
warhait. Vgl. Pfeiffer 
465, 28—29. 
20 

El. 48 b: dakummen 9 ) 
wir in dem sun zu dem 
vater. Vgl. Pfeiffer 465,35. 

25 Bl. 50 b: da wirt di 
sele vereinet in der blozen 
gothait, daz si nimmer 
rae muge funden werden 
als vil als ein trophe 

30 wines mitten in dem 
mere. als vil got vallen 
mach, als vil mach der 
mensch gevallen in keinen 
gebresten. Vgl Pfeiffer 

35 467, 6—9. 



BL 50 b: di meister 
sprechent: wer ein sele 
40 wolde messen, der sol si nah 
got messen, wan der grünt 
gotes 8 ) und der grünt 
der seien sint ain wesen. 
Vgl. Pfeiffer 467, 13—15. 



B: 
ic wael, dat ic noch te 
laten hab, dat ic laten 
salz hisprack: 'watsal- 
tu laten?' si sprack: 
'dat ic my laten wil an 
al den stucken, daer ic 
my vinde mysdadich, soe 
mach ic spreken: 1 ) ic 
late, dat ic heb.' 



Me: 

sein, sunder gote. aber 
wann sich der mensch 
selber 14t, so mag er 
sprechen, daz er ettwas 
lassen hab. 



l ) Hs. spreke. 



Bl. 149 a: hier om sul- 
len wi sterven in den 
geest, dat onse geest ver- 
enicht werden in der 
steder waerheit. 



Bl.l49a: dan komen 
wy (140 b) totten vader 
ende totten soen. 

Bl. 150 a : daer wort 
die ziele verenicht in 
der bloeter gotheit. dat 
sprecken die meysteren,- 
dat si daer sterft in der 
bloeter gotheit, dat ei 
nummer enmoege vonden 
werden alsoe veel als een 
draep wijns mydden in 
den meere. alsoe veel als 
got vallen mach, alsoe 
veel mach die mensche 
vallen in geen gebrecken. 

Bl.loOa: die meysteren 
sprecken: wie een ziele 
meten wil, die sal si na 
gade meten, want die 
gront gads ende die gront 
der zielen sijn een wesen. 



*) Hs. kumnen. 



Bl 106 ra: dar umb 
sa(106rb)\len. wir im 
geist sterben, auff daz 
unser geist werd ver- 
geist im geist der war- 
heit. so chomen wir im 
sun zum vater, da dy 
sei veraint wirt mit 
der plassen gothait und 
stiribt also dar inn, daz 
sy als wenig mag funden 
wem als ein tropphen 
wein mitten im mer. 
und als wenig got ge- 
vallen mag, als wenig 
mag ein solher mensch in 
chain prechen vallen. 
dar umb sprechen dy 
lerer: wer ein sei mezzen 
well, der sol sy nach got 
messen, wann der grünt 
gots und der sei grünt 
sind ain wesen. 



3 ) Hs. gote. 






Original front 
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 55 — 

b) Die Unterklasse 2. 

Von den Fassungen der Hauptgruppe II enthalten allein 
die beiden dem 15. Jahrhundert angehörenden Hss. der Unter- 
klasse 2, G und K, von einer Ausnahme in K abgesehen, voll- 
zählig die Abschnitte, aus denen sich unser Traktat in den Hss. 
der Hauptklasse I zusammensetzt. 

G und K umfassen folgende Stücke: Pfeiffer 448, 26 bis 
451,38; 451,39—452,33 {= A 15—16,34); 452,34—455,32; 
455,33—455,40 (= A 16,35—17,5); 455,40—458,35 (= A 

17, 6—20, 11); 458, 36—460, 84; 460, 35—462, 18 (= A 20, 12 
bis 21, 39); 462, 19—463, 14; 126, 4—129, 7 (= Predigt 37); 
463, 15—465, 18 (= A 21, 40—24, 3); A 24, 3-24, 16; 467, 27 
bis 474, 30 (= A 24, 17—31, 36); A 31, 36—44, 32 (K fehlt 
A 42, 4-30); 474, 30—475, 32 (= A 44, 32 - 45, 30); 663, 30 
bis 664, 23. 

G und K decken sich also nahezu in ihrer Komposition. 
K fehlt im Vergleich zu G blofs der Abschnitt A 42,4—30, 
eine Tatsache, die vollkommen ausreicht, um zu zeigen, dafs K 
der Hs. G nicht zur Vorlage gedient haben kann. Ebensowenig 
kann aber auch K aus G geflossen sein. Denn so sehr G und K 
auch in den Lesarten miteinander übereinstimmen, so weichen sie 
doch an einzelnen Stellen mannigfach voneinander ab. Danach 
bleibt nur die Möglichkeit, dafs G und K auf eine gemeinsame 
Vorlage £ zurückgehen. 

c) Die Unterklasse 3. 

Die beiden hierher gehörigen Hss. St (14. Jh.) und P (15. Jh.) 
unterscheiden sich von den übrigen Fassungen der Hauptklasse II 
in doppelter Hinsicht: einmal lassen sie, erst an der Stelle Pfeiffer 
455, 40 (= A 17, 6) einsetzend, den Anfang des Traktates fort, 
und sodann bieten sie den Traktat, indem sie sehr häufig ganze 
Sätze aus ihm unterdrücken, in gekürzter Textgestalt. So fehlen 
St und P z. B. folgende Stellen: Pfeiffer 456, 13—14 (= A 17, 
20—21); 456, 34—36 (= A 18, 4—7); 456, 37- 38 (= A 18, 
9-10); 456, 39—457, 2 (= A 18, 10—13); 457, 22—24 (== A 

18, 35 — 37); 457, 35—37 (= A 19, 10-12); 457, 40—458, 5 
(= A 19, 15—20); 458, 33 — 34 (= A 20, 8-10); 460, 37 (= A 
20, 14); 461, 16—20 (= A 20, 33 — 38); 461, 30—33 (= A 21, 
5-11); 461, 35—36 (= A 21, 13—14); 461, 37—39 (= A 21, 



( " . I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 56 — 

16—18); 462, 3—9 (= A 21, 22—28); 463, 16—23 (= A 22, 
1—8); 463, 24—34 (= A 22, 9-19); 464, 2—8 (= A 22, 
29—34) u. s.w. 

St und P setzen sich aus folgenden Stücken zusammen: 
Pfeiffer 625, 4-29 (= Spruch 69), fehlt in St; 455, 40-458, 35 
(= A 17, 6—20, 11); 458, 36—459, 12; 460, 35-462, 18 (= A 
20,12—21,39); 463,5—463,12; 126,4—127,15 (= Predigt 37); 
463, 15 -465, 18 (= A 21, 40—24, 3); A 24, 3-16; ZfdA. 8, 215 f. 
(= Bischof Älbrecht); 467,27—474,30 (=^4 24,17 — 31,36); 
A 31, 36—36, 22; A 37,4—42,3 (St bricht auf Bl. 167 b an der 
Stelle A 41, 25 mitten im Satze ab»); A 42,30—44,32; 474, 30 
bis 475, 32 (= A 44, 32—45, 30); 663, 30—664, 23. 

St und P zeigen somit fast die gleiche Komposition. St 
fehlen P gegenüber nur die Abschnitte A 41,25—45,30 und 
Pfeiffer 663,30—664,23 sowie das Stück Pfeiffer 625,4 — 29, 
das P dem Traktat vorausschickt. Da nun aber weder St als 
die ältere von beiden Hss. aus P abgeleitet noch auch P aus St 
hervorgegangen sein kann, weil P von dem Traktat bedeutend 
mehr enthält als St, so müssen beide auf ein und dieselbe Vor- 
lage zurückgehen, und zwar wird man unter Berücksichtigung 
des zeitlichen Abstandes der beiden Hss. voneinander für P zu- 
nächst eine Vorlage rj anzusetzen haben, die dann ihrerseits mit 
St auf die gleiche Quelle # zurückweist. 

4. Die Handschriftenklasse III und ihr Verhältnis 
zu den Handschriftenklassen I und IL 

Wie bereits oben S. 41 bemerkt, gehören zur Handschriften- 
klasse III die Hss. E sowie F und N. Sie berühren sich be- 
züglich der Komposition des Traktates aufs engste mit Klasse I, 
so dafs man auf den ersten Blick geneigt sein möchte, sie einfach 
der Klasse I unterzuordnen. Dieser Auffassung widersprechen 
jedoch die Lesarten der genannten Hss., die zwar manche Eigen- 
tümlichkeiten der Klasse I teilen, in zahlreichen Fällen aber mit 
den Lesarten von II in naher Verwandtschaft stehen. Nach 
alledem nehmen E, F und N eine zwischen den beiden ersten 



J ) Der Schloß des Traktates fehlt St nicht etwa wegen Blattverlust — 
folgt doch auf Bl. 167 noch ein leeres, bereits liniiertes Blatt — , sondern das 
Stück A 41, 25—45, 30 hat überhaupt niemals in der Hs. gestanden. 



I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 57 — 

Klassen vermittelnde Stellung ein, die dazu berechtigt, jene drei 
Hss., so sehr sie auch sonst voneinander abweichen, zu einer 
selbständigen Hauptgruppe (III) innerhalb der handschriftlichen 
Überlieferung des Traktates zusammenzufassen. 

Die Darlegung des Verhältnisses der Klasse III zu den 
beiden andern Klassen kann an Übersichtlichkeit nur gewinnen, 
wenn von den Hss. der Klasse III E von F und N getrennt 
behandelt wird. Denn F und N nehmen, wie wir sehen werden, 
innerhalb der Klasse III wie in der gesammten handschriftlichen 
Überlieferung des Traktates überhaupt eine Sonderstellung ein. 

a) Die Handschrift E und ihr Verhältnis zu den 
Handschriftenklassen I und II. 

Die Hs. E enthält den Traktat nicht vollständig, sondern 
nur grölsere Bruchstücke von ihm (s. oben S. 33), die folgenden 
Abschnitten entsprechen: Pfeiffer 451, 39—452, 33 (= A 15 bis 
16, 34); 456, 1-458, 35 (= A 17, 7—20, 11); 460, 35-462, 17 
(= A 20, 12—21, 38); 463, 15—465, 18 (= A 21, 40—24, 3); 
A 24, 3—16; 467, 27—470, 16 (= A 24, 17- 27, 15); 473, 29 bis 
474,30 (=A 30,35—31,36); A 31,36—32,26; A 33,46—34,5; 
A 45, 30 — 33. E weist demnach keine von den der Klasse II 
eigentümlichen Einschaltungen auf. E stellt sich also der Kom- 
position nach zur Klasse I, sich von I nur dadurch unterscheidend, 
dafs es blofs einzelne Teile des Traktates umfafst, während I 
den ganzen Traktat bietet. E ist somit ein Excerpt aus einer 
uns nicht mehr erhaltenen Redaktion i, die höchst wahrscheinlich 
in ihrer Komposition im wesentlichen mit den Fassungen der 
Klasse I übereinstimmte. Freilich ist bei dem fragmentarischen 
Charakter von E die Möglichkeit nicht ausgeschlossen, dafs E 
eine Hs. des Traktates zur Vorlage hatte, deren Zusammen- 
setzung der Klasse II entsprach. Träfe das letztere zu, so 
müfste man weiter schliefsen, dafs E dann unter Bevorzugung 
der oben aufgeführten Stücke alle die Abschnitte gerade über- 
gangen hätte, welche die Klasse II charakterisieren. Allein diese 
zuletzt aufgestellte Vermutung ist, wie jeder zugeben wird, höchst 
unwahrscheinlich. Viel einfacher und natürlicher erscheint da- 
gegen die zuerst ausgesprochene Annahme, wonach E auf eine 
Vorlage t zurückgeht, die hinsichtlich der Komposition mit Klasse I 
in inniger Verwandtschaft gestanden haben mufs. 



( . I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 58 — 

Weist E der Komposition nach mit ziemlicher Bestimmtheit 
auf Klasse I hin, so zeigen demgegenüber die Lesarten von E 
ein Schwanken zwischen I und IL In der Mehrzahl der Fälle 
stimmt E mit den Lesarten der Klasse II überein. 

1. Fälle, in denen E mit den Lesarten der Klasse I 
sich berührt. 

29. E342a: Hie soltu bruffen die ßiben gauben des haiigen gaistes, wie 
dick du wider die habest ton, und die sechs werck der barm- 
hertzikait hastu ungewürck gelaussen. 

I, A15: Hie bruofe die siben gäbe des heiligen geist, wie dick du 
5 den wider standen habest vnd du sehs werck der erbarmhertzkeit 

hast vngeworht gelassen. 

II, G 188: Nun solt du merken die siben gauben des haiigen gaistes, 

wie dik du dem widerstanden haust, wie du die siben werk der 
erbarmherzkait haust ungewürket gelaussen. 

10 80. E347a: ich waiz wol daz, daz Christus wol wüste, do er in dem 
tempel saz, daz sin mutier und Joseph in süchtent und daz sy 
betrüpt warent, und Maria zu im kam und sprach: kind min, 
wie hastu uns geton? wir haind dich gesucht, din vatter und 
ich, in grozer betruptnuse. do sprach Christus: waz ist, daz ir 

15 mich gesucht haind? wissent ir nit, daz ich muz sin in den 

denen (!), die mines vatters sind? (347b) alls ob er sprach: wer 
mit got ze tund het, der muz aHer creaturen vergessen. 

I, A 21, 3 ff.: ich weis wol, das Jesus wol weBt, do er in dem tempel 

sas, das in sin muoter vnd Joseph suochten vnd das si betruobt 
20 waren vnd do Maria zuo im kom, do sprach si: kint mins, wie 

hast du vns getan? Ich vnd din vater haben dich gesuocht in 
grosser betruobd? Do sprach er: was ist das, das ir mich gesuocht 
hant? Wissent ir nit, das ich muos sin in den dingen, du mins 
vaters siut? Als ob er spreche: wer mit Got ze tuond wil han, 
25 des muos aller dinge vergessen. 

II, G 206: ich waiss wol, daz Christus wol wista, do er in dem tempel 

sass, daz sin muter und Josep in sachten, daz si betrübt waurent. 

6 hast vngeworht] hastu ungewarlich S 7—9 fehlt StP 7 Nun 
solt du] du solt ouch K merken] pruven MüBK 8 dem] den Mü; si JB 
wie du] und MüBK 9 hauBt ungewürket] ongedaen heves B ungewürket] 
ungeubet MüK gelaussen fehlt Mü 20 waren] wurden S vnd fehlt S 
22 betruobd] betrüebnuos S das, das] daz 8 22 f. gesuocht hant] suecht S 
23. 24 du — sint] meins vaters S 24. 25 ze — des] hat ze tuen und wil 
haben, der S 26 daz — wista fehlt B wol fehlt Mü wol wista do er 
fehlt StP er] Christus B 27 suchten] sühten und StP in suchten bis 
waurent] betrübet waren, do si in suhten MüB 



i . I . Original from 

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— 59 — 

die maistcr sprauchcnt zu Christo: diu vatter und din müter 
suchent dih. Christus sprach : wer ist min vatter und min mfiter 
und min bruder und min schwöster? all die da tund den willen 
mines vatter. 

31. E 356 b: geloupt und geeret sy, der dich ie geschuf, daz du also gutten 5 
underschaid kaust geben ains ieglichen dings in gantzer warhait. 
nun sy got mit dir, und alle creaturen bittent vir dich. 

1, A 45, 30 ff.: Gelobt vnd geeret si der nam vnsers herren Jesu Kristi, 

das du so guoten vnderscheid kant geben aller ding in ganzer 
warheit. Nu si Got mit dir, vnd hab mich in dinem gebet. 10 

II, G 257: gelobt si got und geerot. 

2. Fälle, in denen E mit den Lesarten der Klasse II 
sich berührt. 

32* E342b: ainen warhaften mund ist, daz du nit sprechest mit dem mund, 
wan daz du maynest mit dem hertzen. Vgl. hierzu Beipiel 1 (S. 42). 

83« E 344 b: mir ist von hertzen laid, daz ich menschen raut ye so lang 

gevolget. 15 

II, G 197: mir ist von hertzen laid, daz ich menschen raut ie so lang 
gevolget han. 

I, A 18, 24 f.: mir ist leit, das ich mit üwerm rat ie so lange geuolget. 

34. E345b: er sprach: got was mit ir. sy sprach: ich waiz wol, daz got 

mit mir ist. er sprach: got was mit ir gegenwirttenclich. sy 20 
sprach: er ist mit mir gaistlich on underlauz. 

II, G 199: er sprach: got was mit ir. si sprach: ich waiss wol, daz 

got mit mir ist. er sprach: er was mit ir gegen würti kl ihen. 
si sprach: er ist mit mir gaistlichen. 
I, A 19, 32 ff.: Er sprach: Got was mit ir gegenwürtlichen. Si sprach: 25 
er ist mit mir geischlichen ane vnderlasse. 

1 — 4 die — vatter fehlt StP 1 die — sprauchent] die meyster sprack B 
din — muter] dijn moeder ende dijn vader B 2—4 wer — vatter] wer mir gut 
tut, der ist min vater und min muter und min s wester und min bruder Jfü; 
wie daer duet den wille mijns vaders, die is mijn moeder, mijn suster ende 
mijn broeder B 3 und min bruder — schwöster] und min swester und min 
bruder K 4 vatter] vatters, die sint ez K 8 Gelobt — herren] er sprach: 
gelobt und geerdt unsers herren nam S 9 guoten] guete S 11 fehlt KStP 
gelobt— geerot] globt und geert si der suze (suze fehlt B) nam (maen B) unsers 
herren Jhesu Christi (huyden ende ommer meer B) amen MüB 16 menschen] 
des menschen B raut] rotes P 17 gevolget han] gevolgde BKStP han 
fehlt Mü 18 mit üwerm rat] ews rates S ie fehlt S geuolget] gevoligt 
han S 22 er sprach] ich sprich Mü 23 mir] ir St er was] was Mü 
gegenwürtiklihen] gegenwurticlich Mü; gegangen vorderlic B 24 si] er Mü 
er ist] so ist er StP gaistlichen] geistlich sunder underlaz MüB\ geistlich St 
25 gegenwürtlichen] gegenwurthickleich S 26 geischlichen] geistleich S 



I . Original from 



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— 60 — 

85. E 348 a: von aller der süssikait, die mir von allen Creatoren ie beschach. 
Vgl hierzu Beispiel 4 (S. 42). 

36. E350a: nun belib und tftr(!) dinem got nit unrecht. Vgl hierzu 
Beispiel 5 (S. 43). 

5 37. E 351 b : daz achtent, daz mich nie genügt alles Hechtes, dar in ich ie 
gelaittet ward noch mich nie genügte aller der beschonwende, 
do ich got ye bescho wette, daz was mir allez nünt, biz daz ich 
gewert ward. 
II, G 182: daz achtond, daz mich nie benugta alles des liehtes, dar in 
10 ich gelaittet ward noh aller der beschönde, da ich got ie beschoute. 

daz was mir allez mit, (183) biz daz ich bewärtt ward. 

I, A 25, 1 f.: Das ahted, das mich nie begnuogt alles des liehtes, darinne 

ich gelütert wart. 

88. E351b: ich bekant underschaid aller creaturen und alles, daz got ie 
15 geschuf, des hat ich also wol underschaides, als ich han fünf 

vinger an (352 a) miner hande. 

II, G 219: ich bekant underschaid allen (!) creaturen und alles, daz got 

ie geschuff. des hatt ich allez wol underschaid, als ich han fünf 
finger an miner hande. 
20 I, A 25, 13 ff.: Ich bekand alle creature vnd alles das Got ie geschuof; 

des hat ich als wol vnderscheit, als miner fünf vinger an miner 
hant. 

39. E352b: ir sond wissen, daz bi got nit enist den got. ir sond och 
wissen, daz kain sei in got nit komen mag, sy werd e got, als 
25 sy got was, e sy geschaffen wurde. 

II, G219: ir sond wissen, (220) daz in got nüt ist denn got. ir sond 
oh wissen, daz enkain sele in got komen mag, si werde e got, 
als si got was, e si geschaffen wurde. 



9. 10 daz achtond — ward fehlt K 9 mich] mir MüStP benugta] 
engenoechden B 9 f. dar in ich] daer ic in B 10 gelaittet] gesetzt Mü 
ward] was JB noh — beschöude] noch mir benuget nüt aller der beschouwede K 
aller] mit aller MüBStP beschöude] beschouwinge BSt da — beschoute 
fMt Mü da] dat BKStP ie fehlt B 11 was fehlt B nüt] ein nüt StP 
biz daz] sid MüB bewärtt] verenicht B ; gewert St 12 begnuogt] genügt S 
13 gelütert] ye gelauttert S 17 ich] und MüKStP; ende ic B allen] aller 
MüBKStP 17.18 daz — geschuff] (des K) geschefdes (beschöpfedes StP) 
gotes MüKStP; geschapenen guets B 18 des] daz K allez] also MüBKStP 
wol fehlt MüB als] also KStP 18. 19 han — hande] vijf vinger an (in Mü) 
mijnre hant heb B 20 bekand] erchant S das] daz daz S ie fehlt S geschuof] 
beschuef S 26 ir— wissen] wisset Mü ir — daz fehlt B 26. 27 daz bis 
wissen fehlt KStP 26 in — got] in gade enis niet dan got B denn] dan Mü 
26. 27 ir — wissen] wissit MüB 27 enkain] kain MüBP-, dekein K\ die 
keine St komen mag] mag kumen StP mag] enmach B werde] enwerde 
BStP e] denne e St] e fehlt B 28 als] also als MüB) also KStP e] e 
daz K wurde] was MüB; wart StP 



i . I . Original from 

UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



— 61 — 

X -^ 25,37 ff.: Ir soiit wissen, das in Got kein sei komen mak, si werd 
§ Got als (26) si Got was, 6 das si geschaffen würt. 

40. E353b: daz flüsset alweg fttrbaz. also flüsset die seile fürbaz, als 

lange als daz got geordnet hat, daz sy müz geben dem lybe 
leben und wessen in der zit. 5 

II, G 221: daz flüsset allez ftirbaz und fürbaz, als lang und ez geordnet 
wirt, daz si müss geben dem lib leben in der zit. 

I, A 27,1 ff.: das flüsset alles fürbas vnd flüsset iemer für vnd für, also 

lange das es das tuoch gar über get. 

41. E354b: möcht ich allen gutten leitten fürbaz gehelfen, die nf dem 10 

weg (355 a) sind zu ir ewigen sällikait und doch noch nit bewärt 
sind, daz ich daz gerne tun weit, möcht ich allen menschen von 
iren gebresten helfen, daz tkt ich gern durch got. 

II, G227: müht ich allen menschen fürbaz gehelffen, die uf dem weg 

sind zu ir ewigen sälkeit und doh noh nit bewärt sind, daz ich 15 
daz gern tun wölty, und möhty ich allen menschen von irem 
gebresten helffen, daz täti ich gern durh got. 
I, A 31, 24 ff.: Ir sont wissen, moht ich allen guoten lüten fürbas ge- 
helfen, die nf dem wege Stent ze ir ewigen selikeit, vnd doch 
noch nit vnbewert sint, das ich das gern tet durh Got. 20 

42. E355b: daz wir alweg sond beliben in ainem gutten bilde in der zit, 

als wir wellent ston in der ewikait. Vgl. hierzu Beispiel 11 (S. 43). 

43. E 356a: so wirt innen be wisset ain Hecht in dem gaiste, dass(!) koment 

in ain beschouwende der creaturen. Vgl. hierzu Beispiel 12 (S. 43). 

2 6 Got] denne e guet S Got] guet S würt] wardt S 6 daz 
bis allez fürbaz] daz vihtet allez fürbaz. alsus vihtet di sele fürbaz Mü\ die 
sueket al vorwart, aldus duet die ziele B flüsset] flihtet P 6. 7 und 
fürbaz — si] und fluzet iemer für und für (und für fehlt StP) 1 als lange als 
daz (alsoe lange alst B; also lange also daz KStP) got geordent hat, daz du 
sele MüBKStP 7 lib] licham B leben] wesen MüBKStP 8 f. also 
lange] als lang uncz S 9 gar über] allez duerich (zweimal!) S 14 allen 
menschen] allen guten (guten fehlt K) luten MüKStP] alle die lüde B 
fürbaz gehelffen] helfen (gehelfen StP) fürbaz KStP gehelffen] helpen B 
15 zu -sälkeit fehlt B und— sind fehlt KStP doh] die Mü 15. 16 und 
bis wölty] ic dedet gerne, die noch niet enmerken, waer si in sijn B daz 
ich — wölty] daz wolt ich gern tun MüKStP 16 irem fehlt MüB 17 helffen] 
gehelfen KStP 19 ze fehlt S 20 nit vnbewert] nie pewärt S 



b) Die Handschriften F und N und ihr Verhältnis 
zu den Handschriftenklassen I und IL 

Die Hss. F und N nehmen vor den übrigen Hss. des Traktates 
insofern unsere Aufmerksamkeit besonders in Anspruch, als sie 
uns in die Geschichte der handschriftlichen Überlieferung des 



I . Original from 



UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



- 62 — 

Traktates einen interessanten Einblick gewähren. Der F und N 
gemeinsame Prolog möge den Ausgangspunkt unserer Untersuchung 
bilden. Er ist zwar durch Wackernagel 1 ) in der Hauptsache 
schon bekannt, verdient aber seiner Bedeutung wegen in diesem 
Zusammenhang vollständig wiedergegeben zu werden. F 198 a 
(N 69a) steht in roter Schrift: Prologus. Darauf folgt: 

Anno domini M°CCC°X pltiet an dem Heyn ein guter und namhaftiger 
doctor prediger ordens mit dem namen Eckardiis, der in den siben freyen 
künsten und in der heiligen götlichen kunst ein parysischer licencziat was 
und imm meisterstul gesetzt zu predigen, der hat ein p&chlein von der 
5 ungelerten leyen wegen in deutsch zusammen gesetzt , daz sagt von einem 
bescheyden peichter, daz er selber oder ein ander mag sein, und von einer 
bewerten tochter des selben peychtigers. und daz tut er in der weisz dyalogi, 
daz ist gesprochen von adya, quod est duo, von zweyen, et logos, quod est 
sermo, daz ist red, quasi sermo duorum, sam red zweyer, des fragenden und 

10 antwortenden, disz puch ich prüder Oswaldus, leyder ein sünder, im convent 
zu Brewtzenhausen 8 ) unwirdiger und krancker münch sant Benedicten ordens 
Augspurger bystums, wy wol ich sam ungelert pin, doch von getrauen des 
allmechtigen gots und der seligen junckfraun Marie hylf hab einvaltiküch in 
latein pracht. dar zu hat mich bewegt, daz dar inn etlich subtil sprach seyn 

15 gesetzt, dye nit zymen vor den einvaltigen leyen zu lesen, da von daz 
ewangelium sagt: ir sult dy margariten nit werffen für dy swein. zum ersten 
ruff ich an dy gnad des heyligen geystes mir zu helfen, und von den lesern 
pit ich nicht, (198b) denn newer daz sye mir und in von dem obersten herren 
um ein gntz end piten. Hat. fiat. amen. 

1 A in Anno rote Initiale FN Über pltiet: florebat von der 3. Hand 
Übergeschrieben (vgl. oben S. 38) F 3 licencziat] licencial N . 6 peichter] 
peychtiger N oder — sein] mag sein oder ein ander N 8 von zweyen] 
daz ist von zweien N 9 red nachgetragen F 10 disz] daz selb N 
18 nicht] nichts N und in nachgetragen F 19 amen fehlt N 



>) Literaturgeschichte Bd. 1\ S. 427 Anm. 27. 

') Oswaldus zu Brewtzenhausen ist zweifellos identisch mit dem Bene- 
diktiner Oswaldus in Brentz Ahusen, der im Jahre 1356 den Schwabenspiegel 
ins Lateinische tibertrug. Vgl. Catalogus codd. manusc. etc. Monac. t. IV, 1, 
p. 4. 62 und t. IV, 2, p. 38 (Clm. 8153. 8882. 11775); Schmeller, Münchner 
Gelehrte Anzeigen 1841, Nr. 130, Sp. 15; Steichele, Beiträge zur Geschichte 
des Bisthums Augsburg Bd. 1 (Augsburg 1850), S. 230; ßockinger, Berichte 
über die Untersuchung von Handschriften des sogen. Schwabenspiegels, in den 
"Wiener Sitzungsber., phil.-hist Kl. 73 (1873), 390 f. 107 (1884), 20. 42. 70. 81. 
118 (1889), 10. Abhandl. S. 29 f. 120 (1890), 7. Abhandl. S. 51 ff. Die Form 
Brewtzenhausen ist nur eine Entstellung aus Brentzahusen oder Brentz Ahusen, 
d. h. Ahusen an der Brentz, womit das heutige Anhausen im Brenztal gemeint 
ist. S. Österlev, Wegweiser durch d. Lit. d. Urkundensamml. 1, 100 und Das 



■ | Original ftom 

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«*- 63 — 

Dem Prolog zufolge hat Oswald von Brewtzenhausen eine 
aus Dialogen zwischen Beichtvater und Beichttochter bestehende 
deutsche Schrift Eckharts „in Latein gebracht", d. h. richtiger 
gesagt, er hat, wie wir sehen werden, einer deutschen Fassung 
des Traktates „Schwester Katrei" eine lateinische Bearbeitung 
zu teil werden lassen. Von Oswalds lateinischer Bearbeitung, 
deren Entstehung auf Grund von S. 62 f. Anm. 2 mit ziemlicher 
Wahrscheinlichkeit in die Mitte des 14. Jahrhunderts zu setzen 
ist, hat sich, soviel wir wissen, nichts erhalten. Sein Werk ist 
vielmehr nur in Gestalt zweier deutscher Rezensionen auf uns 
gekommen. Es sind dies die beiden Hss. F (aus dem Jahre 1463) 
und N (aus dem Jahre 1471). 

Im ersten Kapitel (s. oben S. 40) ist bereits gezeigt worden, 
dals N sowie der gröfste Teil von F auf ein und dieselbe 
Schreiberin zurückgehen. Da nun F ausdrücklich als Über- 
setzung aus dem Lateinischen ins Deutsche bezeichnet wird (s, 
oben S. 38) — eine durchaus glaubwürdige Angabe, die überdies 
noch darin eine Bestätigung findet, dafs in F sowohl zu Beginn 
einzelner Kapitel als auch mitten im Text mehrfach lateinische 
Sätze auftreten, die sich nur als Reste einer lateinischen Vorlage 
erklären lassen — , so hat Anna Ebin nicht nur den gröfsten 
Teil von F zu Papier gebracht, sondern sie hat zugleich auch 
den Hauptteil von Oswalds lateinischer Bearbeitung ins Deutsche 
übersetzt. Die Frage, ob ihr dabei Oswalds Werk im Original 
oder nur eine daraus abgeleitete lateinische Fassung vorgelegen 
hat, lälst sich mit absoluter Sicherheit gegenwärtig nicht ent- 
scheiden, da uns von Oswalds Bearbeitung nichts erhalten ist. 
Für die Annahme einer sekundären lateinischen Fassung spricht 
zweifellos der grofse, etwa ein Jahrhundert betragende zeitliche 



Königreich Württemberg Bd. 3, S. 539 f. Seiner lateinischen Bearbeitung des 
Schwabenspiegels hat Oswald eine Vorrede beigefügt, deren Schlafs sich mit 
dem Ende unseres Prologs merkwürdig berührt. Es heilst bei Schindler a. a. 0.: 
. . . Hunc (librum provineialis iudicii i. e. landrechtbueh) nobilis matrona 
Agnetis, comitissa de Wirtenberg natione et relicta illustrium comitum felicis 
memoriae Ulrici de Helfe nstain et Conradi de Slüssdberk, in theutunico 
conscriptum mihi fratri Oswaldo ultimo monachorum ordinis S. Benedict/ in 
Brentz Ahmen accomodaverat peccatori, quem ego imperitior universis ad 
discernendum iudicia nee non ad dandum consilia enucleando simpliciter et 
succinete transtxdi in latinum anno Domini MCCULVI (1356), nihil petens 
muneris a legentibus, nisi quatenus suis orationibus apud summum iudicem 
pro bono fine tnei et ipso mm obitus intercedant Amen. 



i . I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 64 — 

Abstand der jungen Hs. F von der jedenfalls bis in die Mitte 
des 14. Jahrhunderts zurückreichenden Bearbeitung Oswalds. 

Allein die Tatsache, dafs F durch Übersetzung aus dem 
Lateinischen entstanden ist, beweist noch keineswegs, dafs auch 
N, wiewohl ebenfalls Annas Hand entstammend, von ihr aus 
dem Lateinischen ins Deutsche übertragen worden ist. Vielmehr 
gerade weil auch die Niederschrift von N auf Anna Ebin zurück- 
geht, liegt die Annahme sehr nahe, die jüngere Hs. N sei nur 
durch Abschrift aus der älteren Hs. F hervorgegangen. Eine 
genaue Vergleichung beider Fassungen miteinander ergibt nun 
in der Tat weitgehende Übereinstimmungen zwischen F und N, 
nicht nur was ihre Anlage betrifft, sondern auch in Bezug auf 
die Lesarten. "Wie in F haben auch in N zahlreiche lateinische 
Sätze Aufnahme gefunden, ja N hat sogar bedeutend mehr 
lateinische Citate als F. Schon diese letzte Tatsache genügt, 
um zu zeigen, dafs N nicht aus F geflossen sein kann. Man 
mufs demnach auch für N eine lateinische Vorlage annehmen. 

Nach alledem erhalten wir als vorläufiges Ergebnis: Anna 
Ebin hat Oswalds lateinische Bearbeitung zweimal ins Deutsche 
übersetzt. Denn bevor wir das Verhältnis beider Übersetzungen 
zu Oswalds Bearbeitung näher zu bestimmen suchen, kommt es 
vor allen Dingen darauf an, die Art und Weise der uns nur in 
deutschem Gewände von F und N erhaltenen, ursprünglich aber 
lateinisch abgefafsten Bearbeitung unseres Traktates deutlich zu 
machen. 

Bei der Lösung dieser Aufgabe erhebt sich zunächst die 
wichtige Vorfrage: wie verhält sich Oswalds Arbeit zu seiner 
deutschen Vorlage? Geht die Bearbeitung des Traktates wirklich 
erst auf Oswald zurück, oder ist er nur der Übersetzer einer 
bereits bearbeiteten deutschen Vorlage, oder hat er etwa, was 
eine Verbindung beider Möglichkeiten bedeuten würde, bei der 
Übersetzung einer bereits bearbeiteten deutschen Vorlage einzelne 
Partien derselben blofs noch weiter ausgestaltet? Welche von 
den drei genannten Möglichkeiten den wahren Sachverhalt trifft, 
läfst sich mit Sicherheit nicht entscheiden, da uns weder Oswalds 
Werk noch seine deutsche Vorlage erhalten ist. Dazu kommt, 
dafs der einzige in dem Prolog von F und N uns gegebene 
Anhaltspunkt für die Beurteilung des Verhältnisses von Oswalds 
Arbeit zu der ihr zu Grunde liegenden deutschen Fassung sich 
als unzureichend erweist. Denn meines Erachtens geht aus dem 



■ | Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



- 65 - 

Prolog nur hervor, dafs Oswald eine deutsche Vorlage benutzt 
hat, über ihre Beschaffenheit jedoch erfahren wir nichts. Wenn 
ich mich nun für die Annahme entschieden habe, welche in 
Oswald den Urheber der Bearbeitung des Traktates sieht, so 
geschah es im Hinblick auf die sonstige uns zu Gebote stehende 
handschriftliche Überlieferung des Traktates, die jedes Hinweises 
auf eine Oswald bereits vorausgehende deutsche Bearbeitung des 
Traktates entbehrt. 

Angenommen also, die in Gestalt von F und N auf uns 
gekommene, ursprünglich lateinisch abgefafste Bearbeitung des 
Traktates (a) geht auf Oswald zurück, so kann darüber kein 
Zweifel sein, dafs ihr eine deutsche Fassung des Traktates (z) 
zur Vorlage gedient hat, die in ihrer Komposition den Hss. der 
Hauptklasse I im ganzen entsprochen haben mufs. Jedenfalls 
deutet keine Stelle in F und N irgendwie auf die Einschaltungen 
der Hauptklasse II hin. Im einzelnen jedoch zeigen F und N 
in der Komposition mehrfach Abweichungen gegenüber den Hss. 
von I. Auffallen mufs zunächst die F und N im Gegensatz zu 
allen anderen Hss. allein eigentümliche Einteilung des Traktates 
in 23 — durchweg mit roten Überschriften versehene — Kapitel. 1 ) 
Sodann fehlen F und N einerseits die Abschnitte A 41, 32 2 ) bis 
42, 38 und A 43, 33—44, 33, andererseits sind sie wiederum um 
ein Stück reicher als die Hss. der Klasse I. F und N schicken 
nämlich dem in I ziemlich unvermittelt einsetzenden Traktat 
eine Einleitung voraus, worin die Vorgeschichte der Beichttochter 
erzählt wird. Die wenig umfangreiche Einleitung, wiewohl auf 



l ) Der Traktat verteilt sich folgendermafsen auf die 23 Kapitel: A 15 
bis 16,34 = 1; 16,35-18,23 = 11; 18,23— 20, 11 = 111; 20, 12-21,39 = IV; 
21, 40-22, 18 = V; 22, 18—23, 11 = VI; 23, 12—24, 16 = VII; 24, 17 bis 
26, 5= VIII; 26,5-28,1 = IX; 28,1— 31,1 = X; 31, 1-32, 14 = XI; 32,14 
bis 33, 33 = XII; 33, 33—34, 33 = XUI; 34, 33—35, 21 = XIV; 35, 21 bis 
36, 19 = XV; 36,19— 37,14 = XVI; 37, 14-38, 36 = XVII; 38,36-45 
= XVin ; 38,46-41, 5 = XIX; 41,6— 43,3 = XX; 43,3-43,33 = XXI; 
44, 33—45, 5 = XXII; 45, 5-45, 33 = XXIII. 

Ä ) A 41,32 einen Einschnitt zu machen, mag auf den ersten Blick 
ungerechtfertigt erscheinen. Allein bei näherem Zusehen stellt sich heraus, 
dafs an jener Stelle mehrere Worte ausgefallen sind, wodurch der Text 
unverständlich geworden ist. Erst durch die Lesarten der Klasse II wird die 
Stelle verständlich. Es mufs statt A 41, 31 ff. heifsen: (G 248) hetty Christus 
icht besserz gehebt, daz inen nützer war gewesen zu der zit, er hett ez inen 
geben, wend ir wissen, waz der frid ist } den Christus mainte u. s. w. 

5 



( ' , , I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



- 66 - 

Grund von N im Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit 1853, 
Sp. 127 f. bereits gedruckt, sei auch an dieser Stelle noch einmal 
mitgeteilt. Es heilst F 198 b (N 69 b): 

Ein mensch, der sich von der weit zn got wil keren, wie er sich mit 
lauter peycht und etlichen tugenden sol schicken, daz 1. capitel (rot). Fuit 
igitur quedam invenis puella, nohilis et delicata. ez was ein junge tochter, 
edel und zart, dye Christo und der seligen junckfrau Marie unter werltlichen 
5 kleidern daz gelübde der keuschait het getan, wy doch daz sye keusch was 
am leyb, so tet sye doch vil sünd durch eytelkait der werlt, da sy sich mit 
bestrickt, als mit edeln kleydern und gezyrd des leybs. wolsingen, tanzen 
und dy eytlikait werltlicher freud lippt sy zu mal ser. und ir jugentschön 
des leybs, groszmechtikait der freund und reichtum des guts Überhub sy sich 

10 ser. ez geschach zuletzt, daz dise tochter eins mals kom zu der predig eins 
doctors, und ist geleuplich, daz der selb doctor meister Egkart sey gewesen, 
der von im selbs von demutikeit rett, sam ez ein ander sey gewesen, und 
hat gemacht disz püchleyn zu eyner 1er und umb exempels willen, wann als 
do spricht Aristotiles: wir seczen exempel, nit daz sie also eeind, sunder dasz 

15 man do bey lernen, in der selben predig dise tochter von einsprechen der 
götlichen gnad ir sünd grosz reu und leyd gewon. und nach der predig ging 
sye zu ym und begert mit im zu reden, da er ir daz erlaubt, sprach sye: 
( herr und wirdiger vater, ich hab got und der seligen junckfrau Marie daz 
ge(199a)lübäe der keuschait mit willigem herczen und mit eygem mund 

20 unterscheydlich getan und pin doch hochfertig, eytel und gar verlaszen und 
wolt gern mein sünd gentzlich peychten. so irren mich zwey dinck: daz erst 
ist, daz ich nit ausz ganczer innrikait meins herczen beklag mein sünd; daz 
ander ist, daz ich nit hab ein aufhörn und widerstant und starcken fürsatz.' 
der antwurtet er und sprach: 'tochter, sag, wiltu gentzlich, waz du in dir 

25 habst?' sye sprach: 'daz will ich gern tun und wolt auch dar um sterben.' er 
sprach: 'hör mein rat, hab in deinem gemüt drey dinck, dy bedenck fleisziklich 
drey tag: daz erst, wye oft du den siben gaben des heyligen geystes wyder- 
standen und nit gehorsam pist gewesen* u. s. w. Vgl. Alemannia 3,15. 

1 von — got] zu got von der werlt N 2 F in Fuit rote Initiale FN 
5 doch] wol N 5.6 keusch — leyb] am leyb keusch was N 12 — 15 und 
bis lernen nachträglich von der 3. Hand (vgl. oben S. 38) eingeschoben F; 
fehlt N 16. 17 nach — sye] si (si nachgetragen) ging nach der predig N 
17 sprach] da sprach N 20 unterscheydlich] unterscheidenlich N 22 beklag] 
klag N 24 sag, wiltu] wiltu, so sag N 

Die Bereicherung des Traktates um die Vorgeschichte der 
Beichttochter findet nach meinem Dafürhalten eine vollkommen 
ausreichende Erklärung in dem Streben Oswalds, seine Vorlage 
nach Möglichkeit abzurunden, eine Tendenz, die neben dem Streben 
nach Verdeutlichung eines in der Vorlage bereits zum Ausdruck 
gebrachten Gedankens auch sonst mehrfach in seinem Werke 



I Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



- 67 - 

hervortritt. Allerdings handelt es sich hierbei weniger um Ein- 
führung neuer, selbständiger Stücke als um weitere Ausgestaltung 
gröfserer oder kleinerer Abschnitte der Vorlage. Solche Er- 
weiterungen der Vorlage finden sich zu Beginn, vor allen Dingen 
aber im letzten Drittel des Traktates, das mit seinen langen 
theologischen Auseinandersetzungen dem Bearbeiter naturgemäfs 
mehr Spielraum liefs als die immerhin doch kurz gefafsten 
Gespräche der voraufgehenden Partien. Besonders die Abschnitte 
^115—16,34; 34,5—33; 37,7—14; 37,22—38,45; 40, 12 bis 
41,32; 42,38—43,33; 44,33—45,5 haben in F und N eine im 
Vergleich zur Vorlage ausführlichere Behandlung erfahren, was 
nicht ausschliefst, dafs auch in den übrigen Teilen von F und N 
einzelne Zusätze sich finden. In welcher Weise die Bearbeitung 
der Vorlage erfolgt ist, soll durch die folgenden Proben ver- 
anschaulicht werden. 

Statt A 15—16,34 bieten F (199 a) N (70 b): 

Er sprach: 'hör mein rat, hab in deinem gemüt drey dinck, dy bedenck 
fleisziklich drey tag: daz erst, wye oft da den siben gaben des heyligen 
geystes wyderstanden und nit gehorsam pist gewesen. 1 ) zum andern, wye 
oft du daz werck der parmherczikait mit deiner hab nit derfüllet hast, wann 
got will dye verworffen am jüngsten gericht schentlich straffen, so er wirt 5 
sprechen : get ir verfluchten in daz ewig feuer, mich hungert und ir gabt mir 
nit zu essen, und den gerechten wirt er dancksagen und sprechen: kumt ir 
gesegenten meins vaters und nemt daz reich, daz euch bereyt ist von angeng 
der werlt, mich hungert und ir habt mir zu essen geben, als vil im ewangelio 
stet, zum dritten gedenck, daz du tötlich pist und dem tod (199 b) nit ent- 10 
flihen macht, und weist nit, in welcher stund oder welchen tod du sterben 
pist, oder wo dein wonung wirt nach disem leben, und körn nach den dreyen 
tagen wyder zu mir.' sye tet, waz er sye gelert het. und nach dreyen tageu 
kom sye wyder mit groszer reu und prunnen der zeher, mit eim starcken 
fürsatz den stinden wyder zu steen. und all ir sünd von kinthait auf, als vil 15 
sye mocht, entplosset sye grüntlich dem peichtiger und pat demutiklich von 
im ablasz und ein heylsam ertzney. und da ir aplasz gesprochen ward, sprach 
der bescheyden peichtiger: 'o gute tochter, dir sey zu pesserung, daz du ein 
neues leben anvahest, und lege itzund hin den alten menschen mit sein 
wercken, als s. Paulus spricht, und lege an einen neuen menschen, der nach 20 
got geschaffen ist in gerechtikait, warhait und heylikait, daz got aller deiner 
sünd vergesz. und daz ist der erst weg zu got. der ander weg ist ein solcher, 
daz du dich in dem demutigest, daz du deinem peychtiger volkumenlich 



6—10 mich — stet] und daz überig im ewangelio N 11 welchen tod] 
tag N 12 pist] must N ' 19 sein] seinen N 22 ein solcher fehlt N 



') Vgl. S. 66, 25 ff. 

5* 



i ' , . I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 68 — 

gehorsam seist in allen zymlichen und erbergen dingen, dy dich zu dem ewigen 
heyl mugen fudern. der drit weg ist, daz du all dein unvolkumenhait ab- 
werffest und ein lebenden fleisz habst, disz drei ret, dy ich dir itzund hab 
geben, behaltest und auch zu deim peichtiger durch Unterweisung (200a) oft 
5 kumest' sye tet, als sye geheiszen ward, und peytet etlich zeyt. und dar 
nach kom sye wider zu irem peychtiger und sprach: 'o herre, ich pin bereyt 
untz zu meim tod euer geheysz zu erfüllen, auf daz ir mir weyset den weg 
und leben, in dem ich künlich getiirr sterben/ der peichtiger sprach: 'hastu 
all dein geprechen abgelegt?' ßy antwurtet: 'ja, herr, als vil ez müglich ist 

10 in diser zeyt und will ez tun bisz an meinen tot mit der hylf gots.' da sprach 
der peichtiger: 'so will ich dich nu weisen auf eiu neuen weg mit dreyen 
dingen, daz erst ist, daz du habst ein warhaftigen munt, daz dein zung nit 
red, denn da daz hertz mit hilt. wann got ist dye warhait, und der heilig 
geyst der zucht fleucht von unzimlichen gedaucken, und der munt, der lüg 

15 rett, töttet dy sei. daz ander ist, daz du habst einen reynen leychnam, daz 
Salomon spricht: in ein vermeiligte sei get nit dy weishait noch wonet in 
dem leichnam, der Untertan ist den Sünden, du solt auch gern reden von got, 
wenn du nit mer macht gepeten, soltu von got gedencken, und wenn du nit 
mer mocht gedencken, so soltu von got reden und also all dein kurtzweyl 

20 haben mit got. und solt also reyn sein und also mit gotsforcht durchgossen, 
daz nichts in (200b) dir gewonen müg, daz got miszvall. daz drit ist, du 
solt haben ein mynnende sei, daz ist, daz sye nichts lib, denn daz ir geleich 
ist, daz ist got allein, mit dem solt du dich also vereinen, daz du dich selber 
wunder, daz dein hertz nit zuprech von übriger lib.' dy tochter antwurtet: 

25 'dise dinck alle sein mir noch gar unkunt. hoffet ir icht, ob ich ymmer der 
zu kumen müge?' der peichtiger sprach: 'ja, tu newer, daz ich dir sag und 
leg ab allez, daz dir dy sei vervinstern und swerczen müg, daz dir müg 
leuhten daz licht der warheit. denn so kumt dein sei wol auf den weg irs 
Ursprungs, dannen sy kumen ist.' 

Statt A 34,5—33 bieten F (220b) -ZV (94b): 

30 Daz ewangelium spricht: wer da sündet in deu vater, daz ist wyder 

den gewalt gots, der sündet in den sun, daz ist in dy weyszhait gots, daz 
wirt im vergeben, wer aber sündet in den heyligen geyst, daz ist in dy 
gütikait und parmherczikait gots, daz wirt im nit vergeben weder hye noch 
in der künftigen werlt, nit daz sye nit vergeben müg werden, sunder daz ez 

1 dem] deim N 3 f. hab geben fehlt N 4. 5 zu — kumest] oft 
kumest zu dem peichtiger um Unterweisung N 6 wider felüt N irem 
peychtiger] ym N bereyt] bereytet N 15 rett] redet, der N 15 f. daz 
Salomon] wann Salomon N 18 got nachgetragen F] ym N 18. 19 und 
bis reden fehlt N 23 daz ist] da ist N daz du] daz N 26 daz ich] 
waz ich N 27 vervinstern — müg] müg vervinstern und verswertzfcn N 
28 so fehlt N 

30 in den aus wider korrigiert F 31 den gewalt am der gewalt 
korrigiert F der sündet] der da sündet N 31 f. daz wirt] dise pede 
werden N 



, | Original rrom 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 69 — 

selten vergeben wirt in diser werft, quo ad culpam vel dicitur irremissibile, 
quia nusquam legitur dimissum. als da man spricht, Melchisedech sey an 
vater, nit daz er nit ein vater hab, snnder daz man nit list von seim vater, 
also ist im hye auch, ez ist zu mercken, daz sehs sünd wyder den heyligen 
geyst sein, der da ist ein prnnn der Vergebung: dy erst verzweifelung, 5 
fürnemikait, fechten wider dy erkanten warhait, hasz prnderlicher Hb, Ver- 
härtung, nit reu haben am end. der dy sünd vergybt, daz ist der beylig 
geyst. in disem sein zwei: daz erst dy parmhertzikait. und ein ider, der 
verzweyfelt als Cayn, der sprach: meiner sünd ist mer, denn ich gnad müg 
verdinen, und Judas, der verreter Christi, der sich an ein stryck er (,£21 a) hing, 10 
dye sünden in gots parmherczikait. daz ander, daz den heyligen geyst an- 
tryfft, ist dy gerechtikait. und der da sündet ausz fürnemikait, daz ist, der 
sich tröstet der parmherczikait gotes, der sündet in dy gerechtikait gotes. 
wann gerecht ist, daz 6olch der zorn gots stercklicher peinig, als er tet dem 
prister Hely, der sein sün nit strafft um ir übel, da im daz Samuel offenwart, 15 
antwurt er: der herr ist gut, und waz gut ist in seinen äugen, daz tut er. 
item in dem, dem dy sünd sein zu vergeben, sullen zwufaltig geschicklikeit 
sein, dy erst ist: erkennen daz war. der sündet da wyder, der da vichtet 
wider dy erkanten warhait. daz sein dy, dy da reuet, daz sy recht oder wol 
haben getan als Julianus, der abtrünnig, den da reuet, daz er ein krysten 20 
und ein mtinch was worden, und dy erkanten warhait, daz ist cristenglaub, 
des er also verlaugent, streyt er. dy ander disposicio ist: lieb des guten, 
wyder dy sündet der neyd prüderlicber mynn. daz ist, nymant sol begeren 
daz verdinen eins heiligen im hymel, den einz selber nit verdint hat. wol 
mugen wir begern, daz sy für uns piten, und daz wir ein solchz verdinen, 25 
als sye verdint haben, und nit daz unser, daz ist sanct Peters und sanct Paulus 
verdinen. wann der verdinen sullen (221b) wir begeren, daz wir auch ir 
verdinen derfullen mit guten wercken ein solchz zu besitzen, daz tet nit 
Lucifer. der sprach ausz keym vorgenden verdinen: ich will auf steygen 
über dy hoch der wolcken, und ich setz mein stul über dy hoch der stern, 30 
daz ist, ich glorier über dy zwell'poten und engel. seht, wye er ander er 
begeret. aber sein zwey in dem, dem dy sünd sullen vergeben werden, daz 
erst ist smertz um dy sünd. wyder daz sündet dy Verhärtung, daz ist, der 
also verhertet ist, daz er nit will noch mag reu haben um dy sünd, als 
Gessmas, der Schacher, was. daz ander ist fürsatz fürpaz nymmer zu Sünden. 35 

1 vergeben wirt] geschieht N in diser werft fehlt N 2 nusquam 
aus numquam korrigiert F] numquam N 3 nit in nit daz nachgetragen F 
4 mercken] wissen N 4.5 sünd — sein) sünd sein wyder den heyligen 
geyst N 5 erst] erst ist N 6 fürnemikait] vermessenhait N 8 ider, der] 
ider JV 10 ein] einem N 12 fürnemiljjftt] vermessenhait N 14 solch] 
sogtanz JV 16 waz] daz N 17 dem dy aus der dy korrigiert F zwu- 
faltig aus zwyfaltig korrigiert F] zwu N geschicklikeit] schicklikeit N 
18 dy — ist] daz erst da ist N 21 ein münch] münch N daz — cristen- 
glaub am Bande nachgetragen F 23 mynn] lyb N 24 den aus der 
korrigiert F 25 sy] sie got N solchz] sogtanz N 26 und — unser am 
Rande nachgetragen F 28 solchz] sogtanz N 32 sullen vergeben] ver- 
geben sullen N 



i . I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 70 — 

wy der daz sundet, der am end nit reuet, daz ist, der fürsatz hat nit zu reuen 
oder dy aufgesetzten pusz nit zu derfüllen und sprechen: got vergybt mir 
an daz mein sünd. ich wil fürpaz nit reuen oder nymmer haben fürsatz zu 
reuen, also teten dye Juden, dy sprachen zu Pylato: seyn plut kum über 
5 uns und über unser kinder, wann kein übel pleybt ungepeinigt nach kein 
gut werck unbelont. item 1 ) von den, dy da sprechen, daz sy von got sein 
auszgangen und wyder sein keren zu dem selben anvang, merck ein exempel, 
wann wir all sein zum reych der himel gerüffet, aber Avenig auszerwelt. der 
künig von India, der da ist der reichest (222 a) aller künig, der hat ein 

10 grosze stat, ausz der fleuszet ein groszer pach. und in der stat sein hundert 
tausent schyff, und zu eym iden schyff ist newer ein schyffman gesetzt, der 
daz schyff regyret. also geusset got eim iglichen leyb ein verstentenliche sei 
ein, dy dem leyb leben gybt. itznnd schickt ein schyffman, daz dy schyff 
abfaren auf daz waszer, und sprycht: get! und welchez zu rechter zeyt 

15 wider knmt zu der stat, daz reych ich mit gaben und pürgen. nu ist sicher, 
daz ein ides schyff geschickter ist zu dem abfaren denn zu dem aufvaren. 
wann von eygener bewegung mag ez abvaren, aber mit nichte mag ez auf- 
varen denn newer von bewegen eins gewalts, daz ist von eim andern betwungen 
werden, und ob ez nit zu der stat kamt, dy schuld ist nit des künges, besunder 

20 des regirers der schyff. zu gleicher weisz sein wir von got zum ersten in 
dise werlt gesant und mugen mit nichte zu dem selben anvang wyder kumen 
newer mit bewegung eins gewalts, daz ist mit guten wercken und behaltung 
der gepot Jhesu Christi, dy tochter sprach: 'dise hab ich gern gehört und 
frumen wol zu einem guten fursatz. aber ich pit euch, bo keyn übel pleybt 

25 ungepeinigt, so wer vil pesser, um dy sünd hye gepeinigt werden denn in 
dem fegfeuer. war um setzt ir den leuten so kleine (222b) pusz?' der 
peichtiger sprach: 'daz tut man um drey sach: daz erst, daz sye nit ver- 
zweyfeln, daz ander, daz sy dy pusz nit unterwegen laszen, daz dritt, daz sy 
dy pusz scbyr leisten oder volpringen, e sye wyder in totsünd vallen.' sye 

30 sprach : ' ob ich an euer stat wer, ich wolt den leuten offenlich und hey ml ich 
dye warhait sagen.' er sprach: 'fürwar, daz tun wir auch, aber dy leut 
wollen ez nit versten, besunder sye hengen dem Übeln.' sye sprach: 'ob newer 
ein mensch wer, der ez verstund, den solt ir fürpaz bewegen mit 1er und 
ebenpyld.' der peichtiger sprach: 'got weisz wol, wo ich einen guten menschen 

35 west, der da stund auf dem weg seiner ewigen selickait, den selben wolt ich, 

5 ungepeinigt] ungerochen N 8 sein — gerüffet] zum reych der hymel 
sein gerüffet N 15 Über reych — gaben von der 3. Hand übergeschrieben 
dividem facio donis, am Rande von derselben Hand nachgetragen castris F 
18 Über newer von der 3. Hand übergeschrieben nisi F bewegen] bewegung N 
Über betwungen von der 3. Hand übergeschrieben trungen F 22 behaltung] 
mit behaltung JV 24 Über frumen von der 3. Hand übergeschrieben oder 
fügen F 32 besunder] sunder N Über newer von der 3. Hand über- 
geschrieben nun F 34 der peichtiger] er JV 



J ) Z. 6— 23 abgedruckt im Anzeiger f. Kunde der deutschen Vorzeit 
1854, Sp. 4 f.; Z. 8 fehlt a.a.O. 



■ | Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 71 — 

ob ich raöht, über zu eim punct des ewigen heyls bewegen denn tansent 
eünder von iren Sünden bekeren.' sy sprach: 'ir sprecht wol, quia melius 
foret, quod probabo: wann ez wer pesser, dasz will ich beweren.' 

Statt A 44,33—45,5 bieten F (237 a) N (114 a): 

'Etlich meyster sprechen, und ez ist ein gemayne red in dem volck, 
dasz tausent sei der gerechten menschen im hymel mugen haben ein gennng- 5 
sainme stat au ff eyner nodelnspiczen. wye mag daz geglaubt oder bewert 
werden?' die tochter: 'die meyster reden und sagen war, ist ez sach, dasz 
eyner recht verstet, wann die sei ist ein eynfaltige siechte creatur, untödtlicb, 
natürlich, ausz nicht geschaffen und hat keyn leypliche grösz oder auszmessung, 
(237 b) sunder ein krefftliche grösz, und ausz der selben krafft möchten hundert 10 
tausent sei machen die Zusammenfassung ir würckung au ff eyner kleynen 
nodelenspicz. und daz selb nympt man für ir siezen zu gleicher weysz, als 
unzelich vil stern mugen mit eynander und au ff eyn mol ir form und glencz 
in ein klein augenapffel gissen, von der krefftlichen grösz ist zu wyssen: wer 
ez, daz alle irdische mateii der perg und der stein, der weld, und plumen, 15 
der wasser und tale und aller ding, die dor innen seindt, von got, dem herreu. 
würden geformirt in eynen menschlichen leyp, und der selb leyp werd also 
langk, dasz er raoeht anruren den höchsten und den nydereten teyl desz 
firmaments, und dasz er möcht mit der preyt seyner hend und fusse raichen 
zum auffgang und nydergang der sunnen zu mitternacht und mitten tag, und 20 
wenn eyn eynige sei würd gegossen in den selben leyb, so möcht sye mit ir 
krefftlichen grösz den selben ganezen leib als wol lebendig machen und regiren 
als den leib eins kinds pey siben jaren, und daz on alle müe oder beswerung. 
item ir sult wissen, dasz welche vernünftige sei in got, den herren, kumpt, 
also do seindt alle die, die do seindt in dem stat der seligen im reich der 25 
hymel. die selb sei hat weder zeit noch stat noch allez, daz do zerget in 
der zeit oder mit worten mag auszgesprochen werden, ich will euch noch 
mer sagen: wer ez, dasz eyner ausz solt sprechen mit reden die stat der 
ewikeit, die alleyn die selig besiezen wyrt, so wer sie mer und grösser (238 a) 
begreiffung. denn do ist die preit desz firmaments, desz ertrichs und aller 30 
creaturen. iha halt kunlich sprich ich: wer ez, dasz der almechtig got als 
vil firmament und als vil preit der erden geschaffen, als vil tropffen im mere 



2. 3 quia — probabo fehlt N 3 wann — beweren von der 3. Hand 
nachträglich eingefügt 1? 

4 ez fehlt N 5 im] in dem N 7 die tochter] filia N die meyster 
Ins sagen] ez ist N sach fehlt N 8 eyner] man ez N 11 sei fehlt N 
12 ir] eyn N 13 glencz] glantz N 14 ein klein augenapffel] in einen 
kleynen augappfel N der] ir N krefftlichen] krefftiklichen N 15 plumen] 
der plumen N 16 dem herren fehlt N 17 geformirt] geformet N werd] 
wer N 18 und den] und N 21 selben leyb] selben grossen leyb JV 
23 oder] und JV 24 den herren fehlt N 25 also] als JV die, die do] 
dye da N 28 eyner] etwer JV reden] worten N 29 wyrt aus würt 
korrigiert F 31 creaturen] creatur N 32 geschaffen] beschaffen het JV 



, | Original rrom 

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— 72 — 

seindt und in allen wassern, so hüben eye doch kaum als hoch wider oder 
gegen der stat eyner sei, die do behalten wyrt als ein nodelspicz ytzunt gegen 
dem firmament und "gegen der preit desz ertrichs.' do die tochter von solcher 
materi redet, do ward sye geaterckt in got und redet also tieff sussiglich und 
5 frölich, dasz der peichtvater maynet, er wer in der schar der heyligen, und 
sprach: 'mein aller liebste tochter, verfolg, daz dir der herr hat geben zu 
reden. 1 do für saget im die tochter so süsse und heymliche dinck von der 
fiirsehung gotes, dasz alle sein eusserlich synn warden zu geslossen, und ward 
entzügt. und dor noch trug man in ausz der kirchen in sein cell, da lag er 
10 also syben stund halbentweg lebendig, und alle bruder erschraken. 

1 doch fehlt N wider oder fehlt N 2 wyrt aus würt korrigiert F 
3 solcher] sogtaner N 4 sussiglich] süszlich N 5 peichtvater] peychtiger N 
iu der schar für ursprüngliches in dem hauffen von der 3. Hand am Rande 
eingesetzt F 6 mein — tochter] karissima filia N 7 dir- tochter] sagt 
sye ym vor N 8 warden] wurden N 9 entzügt] enzuket N und fehlt N 
10 Von halbentweg die Silbe weg von der 3, Hand nachgetragen F 

Bisher ist gezeigt worden, dafs F und N im letzten Grade 
auf eine Fassung des Traktates (z) zurückgehen, die sich in 
ihrer Komposition mit Klasse I eng berührt haben mufs. Viel 
schwieriger ist es, F und N auf Grund ihrer Lesarten einer 
bestimmten Handschriftenklasse unterzuordnen. Denn abgesehen 
davon, dafs F und N umfangreiche der lateinischen Bearbeitung 
entstammende Abschnitte aufweisen, die in keiner der anderen 
Fassungen des Traktates eine Parallele finden, bieten auch die 
Partien, die F und N mit den übrigen Hss. gemein haben, für 
die Lösung der bezeichneten Aufgabe eine keineswegs in allen 
Teilen ausreichende Grundlage. Wir wissen, bis unser Traktat 
die in F und N auf uns gekommene Gestalt gewann, hat er erst 
verschiedene Stadien durchlaufen müssen. Dafs auf diesem Wege 
der Traktat auch in Bezug auf den sprachlichen Ausdruck im 
einzelnen vielfach durchgreifende Wandlungen erfahren hat, kann 
nicht Wunder nehmen. In der Tat sind infolge der Übertragung 
des Traktates ins Lateinische und seiner wiederum erfolgten 
Zurückübersetzung ins Deutsche dem Stil unseres Traktates 
mannigfach anhaftende Eigentümlichkeiten häufig in F und N 
stark verwischt oder nur unvollkommen wiedergegeben worden, 
so dafs an vielen Stellen von F und N der ursprüngliche Text 
des Traktates gewissermafsen nur noch hindurchschimmert. Unter 
diesen Umständen ist es im Einzelfalle vielfach unmöglich fest- 
zustellen, mit welcher Handschriftenklasse F und N sich in den 
Lesarten berühren. Trotzdem dürfte die Annahme zu Recht 



, I . Original frorn 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 73 — 

bestehen, dafs F und N in letzter Linie auf eine deutsche 
Eezension des Traktates (s) zurückweisen, die hinsichtlich ihrer 
Lesarten eine zwischen den Klassen I und II vermittelnde Stellung 
eingenommen hat (s. oben S. 56 f.). Wenn es in F und N 7 wie die 
folgenden Beispiele lehren, auch nicht an Berührungen mit den 
Lesarten der Klasse I fehlt, so zeigen beide doch in der Mehr- 
zahl der Fälle Verwandtschaft mit den Lesarten der Klasse IL 

1. Fälle, in denen F und N mit den Lesarten der 
Klasse I sich berühren. 

44. F206a (N79a): ich weisz wol, daz Christus wol west, da er in dem 

tempel sasz, daz in sein muter und Joseph suchten und betrübt 
waren um in. da antwurt er in zuletzt: wist ir nit, daz ich in 
den dingen musz sein, dye meines vaters sein, als ob er Sprech: 
wer mit got zu thun wil haben, der musz aller creatur vergessen. 5 
Vgl hierzu Beispiel 30 (S. 58 f.). 

45. F 219a (N93b): mit solchen worten betrigen sye dy einvaltigen und 

sprechen: wir achten nit, wer von unserm leben geergert wirk 
durch daz wollen sy nit bedencken ir verdamnusz nach kein 
gewiszen dar um haben, ach Lütt euch vor in mer denn vor 10 
allen vergiften tyren. wann sye würcken in geheym, wenn sy sich 
Schemen vor den leuten, dy sy mer fürchten denn got, süntliche 
und unmenschliche werck, wann sy haben sünd nit für sünd. 

I, A 33, 5 ff.: Mit solchen worten verirrent einualtige lüt vnd sprechent: 

wir ahten nit, wer sich an uns ergert, noch wellend damit nit 15 
zetuond han, wie es in in si; wissent, si sint schedlich lüt. Ir 
sont üch vor in huoten, si würcket all sttntlichü werck, als si vor 
den lüten mügent oder getürren, wan si haltent sünde nit für sünd. 

II, G229: wissent, ez sind recht kätzer und schaffent in der zit, waz 

(230) si wend, und sprechent: wir haud da mit nüt ze tund. 20 
wissent, daz si schädlich lüt sind, ir sond üch vast hüten vor 
inen, won si würkent ally süntlichy werk, als ver als si vor den 
lüten mugent, won si haltent sünd nit für sünd. 



7 solchen] sogtan N 8 von unserm leben korrigiert zu von unsern 
wegen N 11 würcken] tun N wenn] des N 14 solchen] sogetanen S 
verirrent] verirrent si S 15 ahten] achten sein S ergert, noch] chert 
und S damit nit] auch nicht da mit S 16 wissent] wicz 8 17 würcket] 
würchent S süntlichü] sunderleich S 18 haltent] habent S 19 — 23 fehlt 
MüB 19 wissent] daz wissent K ez] daz KStP recht] rehte bewerte StP 
und schaffent] bü tunt StP 20 sprechent] sprach K hand] enhant P 
21 wissent — sind fehlt KStP vast] sere KStP 21 f. hüten vor inen] vor 
in hüten KStP 22 won fehlt KStP als ver als] also verre also (alse St) 
KStP 23 mugent] getürrent KStP haltent] hant K\ enhant StP sünd 
nit] nüt sünde KStP 



i ' , . I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 74 — 

46. F 223 a (N97b): auch reden dy meister, daz etlich menschen seyn, dy 

got schuldig oder verpunden sein, als da sein all geystlich, dy 

sich behüten vor allen Sünden, als vil sye mugen, und besunder 

vor toteünden und dinen got ausz ganczem herczen untz in 

5 den tot. 

I, A 34,41 ff.: hier uf sprechent die meister, es ist einer hand lüt, die 

sint schuldig Got alles des, das si getuon mttgent. So ist einer 
hand lüt, den ist Got schuldig, das sint geischlich lüt, die hie 
ere hant, vnd sich doch huotent vor gebresten an allen dem, da 
10 si mugend, vnd dienent Got flissclich mit gantzem ernst bis uf 

iren tod. 

II, G 233: hier uff sprechent die maister: ez sind ainer hand lüte, die 

sind got schuldig allez, daz si getun mugent. so ist ainer hand 
lüte, den ist got schuldig, nun söllent wir die lüt berichten. 
15 die ersten, die da got (234) schuldig sind, daz sind gut gaistlih 

lüt, die hie ere hand und sih doh vor gebresten hütent an allem 
dem, da si mugent, und dienent got flissenklich untz an iren tod 
mit gantzem ernst, die sind, die got schuldig sind. 



2. Fälle, in denen F und N mit den Lesarten der 
Klasse II sich berühren. 

47. F 204a (N75a): da sprach er: da was got mit ir. sye sprach: ich 
20 weisz auch wol, daz got mit mir ist. ez was got mit ir leyplich 

und gegenwurtiklich. so ist er mit mir geystlicben an unterlasz. 
Vgl hierzu Beispiel 34 (S. 59). 

48. F 205 b (N78b): dennoch solt ich doch dem inynner nach gen. Vgl. 

hierzu Beispiel 3 (S. 42). 

25 40. F 206b (N79b): in aller der süszikait, dy mir von aller creatur ie 
geschach. Vgl hierzu Beispiel 4 (S. 42). 



1 seyn nachgetragen N 3 behüten] hüten N 6 hier uf] ez S 
einer hand] ainerlay S 7 schuldig Got] got schuldig S des] daz S 
7. 8 so — hand] so sind ander S 8 das sint] die ersten sind S lüt fehlt S 
9 hant] habent 8 da] daz S 10 bis] uncz S 12—18 fehlt MüB 
12 maister] besten meister StP 13 got] gottes K 14 die] alle (alle 
fehlt St) dise KSt berichten] verrihten KStP 15 da fehlt KStP gut 
fehlt K 16. 17 die — mugent] und hie ere und gut hant gelon und sich 
ouch hütent vor gebresten und allez daz tunt, daz sü vermügent StP 16 hand] 
hant und göt K 17 da] daz K untz] bitz KStP 18 mit — ernst 

fehlt 'StP gantzem ernst] rehter gehorsame K die] diz KP; daz St 
sind die] sint die, die K 

20 ir nachgetragen N 21 geystlichen] geystlich N 23 doch fehlt N 
mynner] libhaber N 



I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 75 — 

50. F 212 b (N 86b): und flenszet fiirpaz und fttrpaz. also flenszet dy sei 

fürpaz und fiirpaz, als lang ez geordent ist, daz sy dem leyb 
wesen musz geben in der zeit. Vgl hierzu Betspiel 40 (S. 61). 

51. F 215a (N 89a): aber dye leut, dy in gütlicher wesenlikait steen, dy 

bleyben unbetrübt. also wenn dy sei scheydet von dem leyb, so 5 
pleybt sye in dem wesen gütlicher wesenkait, als ferr sy got 
erkannt und gelybt hat. Vgl hierzu Beispiel 8 (S. 43). 

52. F215b (N89b): also daz nitt mer in got kom. Vgl Beispiel 9 (S.43). 

53. F 216 b (N90b): wisz, wer noch tet als s. Franciscus, er würd Franciscns. 

ich sprich mer: wenn wir dem leben entweichen, so entweichet 10 
uns dy gnad. 

II, G 225: wissent, der noch t&tty als sant Franziscus, der wurdy 
sant Franzischns. ich sprich me: won wir dem leben (226) 
entwichent, des entwichet uns du gnad. 

I, A 30, 28 ff.: weis Got, der noch tete als S. F., wir spünnen dester 15 
besser garn. Er sprach : frowe, ich sprich noch me, wan wir den 
leben entliben, des entlibt vns du gnade. 

54. F217a (N91b): und wiszt, möht ich allen menschen fürpazer gehelfen, 

dy auf dem weg sein ir ewigen selikait und doch noch nit bewert 
sein, daz ich daz gern tun wolt, und möht ich allen menschen 20 
von iren gepresten gehelfen, ich tet ez gern durch got. Vgl. 
hierzu Beispiel 41 (S. 61). 

55. F 218 a (N92b): daz ist mit eim guten ebenpild, daz wir unser m 

nehsten in der cristenhait hye in der zeyt sullen erbytten, als wir 
wollen sten vor got in der ewikait. Vgl hierzu Beispiel 11 (S. 43). 25 

58. F 218b (N93a): sy sprach: daz ist war. dunckens und wenens wirt 
manig mensch betrogen. Vgl. hierzu Beispiel 13 (S. 44). 

57. F 225 a (N99b): dy da gezogen werden zu dem inwendigen geyst zu 
wiszen daz liht des obersten gutes. Vgl hierzu Beispiel 16 (S. 44). 



1. 2 also — fiirpaz] als lang untz daz ez von natur aufhöret zu Hissen, 
also auch bleybet dy sei in dem selben stant N 2 geordent ist] got geordent 
hat N 3 wesen musz] musz leben N in der zeit fehlt N 6 wesenkait] 
wesen 1 ick ait N 9 wisz] wiszt N 12 wissent] ir sont wissen vürwar K\ 
weiz got wissent (wissent fehlt St) StP der] wie B als] alsus Mü\ also StP 
Franziscus] Franciscus tet MüStP der] hi J3; er K 13 sant Franzischns] 
als [also if ; ouch al6e (also P) StP] sant Franciscus MüBKStP 13. 14 won 
bis gnad] want wi verbleven sijn van leven, daer om verblijft ons die genade B 
14 entwichent] enpliben Mü\ an blibent K\ nüt enlebent StP des] do von StP 
entwichet] enplibet Mü\ blibet K\ engot StP du fehlt K 15 weis Got] 
waiss got war S der — tete] daz wier noch taten S 16 frowe fehlt S 
den] dem S 17 des] so S 21 von — gehelfen] gehelfen von iren geprechen N 



I . Original from 

UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 76 



58. F 227 b (N 102 b): doch sullen sie fürwar wyssen: wer ez, dasz sie in 

eyner solchen maynung teten alle gute werck, die alle freunt 

gota ye gethon haben von anbegynn der werlt pisz auff disen 

tag, so gibt in doch got, der herr, im bymel keynen ewigen Ion 

5 dar umb. 

II, G240: ir sond wissen: und wurktint si älly die werk, die all die 
fründ unsers heren ie gewurkten umb dis red, got gab in niemer 
ewigen Ion dar umb. 



10 



I, A 37, 40 f.: Ir sont wissen, das Got den selben niemer git ewigen 
Ion darvmbe. 



2 solchen] sogtan N 2 f. freunt gots] gotsfreunt N 3 gethon haben] 
geteten N 4 doch fehlt N der herr fehlt N 6-8 fehlt MüB; fehlt 
wegen Blattverlust St 6 und fehlt KP werk] minne werck KP 7 fründ 
bis heren] lüte KP umb dis red fehlt P got] got der K gab] engebe P 
8 ewigen fehlt P 9 niemer] nicht S 10 darvmbe fehlt S 



Nach den bisherigen Ausführungen (s. oben S. 64) steht es 
aufser Zweifel, dafs sowohl F als auch N durch Übersetzung aus 
dem Lateinischen entstanden sind. Die Frage ist nur, ob -ZV auch 
auf die lateinische Vorlage von F zurückweist, oder ob F und N 
zwei verschiedene, jedoch von ein und derselben Fassung, d. h. von 
Oswalds Bearbeitung (a), abgeleitete lateinische Rezensionen 6 
und c zu Grunde liegen. Zweifellos ist das letztere der Fall. 
Denn wenn auch zwischen F und N im ganzen nahe Verwand- 
schaft besteht, so gehen sie doch in einzelnen Partien der Ab- 
schnitte des Traktates, die in ^4 21,40— 24, 16; 24,17—28,1; 
30,2 — 7 ihre Entsprechung finden, sehr erheblich auseinander. 
Welcher Art diese Abweichungen sind, sollen die folgenden 
Beispiele zeigen. 



F: 

Bl.207a: Dar nach über 
lanck, da sye in ferren landen 
lange in dem elend inn l ) was 
gewesen, kom sye wyder zu 
5 irera peychtiger und sprach: 
'herr, h&ret mich durch got! T 
er sprach: 'libe tohter, von 



N: 

Bl.80a: Post aliquoa annos contigit. nach 
etlichen jaren geschach, daz der vorgenant 
peichtiger von geschieht kom an den Reyn, 
da sein tochter arm, elend und nnderkannt 
irs antlütz durch mangerley leyden wouet. 
und sie sah yn an der predig, und zuhant 
erkant sie yn an dem antlütz und an seiner 



*) inn nachgetragen. 






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UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



77 — 



F: 

wannen pistu?' sye sprach: 
'von ferren landen; bekennet 
ir mich nit?' er sprach: 'neyn 
ich ! ' als nngeleich was sye ir 
selber worden, sy sprach : 'daz 
ir mich nit bekennet, daz ist 
ein zeychen, daz ir euch selber 
auch nit bekennet.' er sprach : 
'daz ist war. wann bekennet 
ich mich selber, als ich solde, 
anf daz höhste, so bekant ich 
auch alle creatur. 1 sy sprach: 
'dise red lasz wir nu pleyben. 
ich pit euch durch got, daz ir 
mich hört. 1 er sprach: 'gern, 
itzund heb an!' 1 ) dy tochter 
tet ir peycht, also daz der 
herr in seinem hertzen er- 
freuet ward, er sprach: 'übe 
tochter, kum schir wyder.' sy 
sprach: 'daz tu ich gern, 
fuget ez got.' also ging er 
zu seinen prüdem und sprach: 
'ich hab heut einen menschen 
gebort, ich zweifei, ob ez ein 
mensch oder ein engel sey. 
(207b) ist daz, daz ez ein 
mensch ist, so wist,daz alle sein 
kraft wonet bey den engein zu 
himelreich. wann sein sei be- 
kennet und mynnet und hat an 
gevangen ein engelisch leben, 
wann sye prynnet über alle 
menschen, dy mir ie kunt 
wurden.' dy prüder sprachen 
alle: 'got sey gelobt, der mit 
seinen gnaden so grosze wunder 
an den menschen tut!' Vgl. 
Alemannia 21, 40 - 22, 18. 



Bl. 208 b: Er pat sye, daz 
sye im etwaz da von sagt, daz 
ir wydervaren sey. sye sprach: 



N: 
guten 1er. und da ez sich füget, ging sye 
zu ym und sprach: 'herr, höret mich durch 
got!' er sprach: 'von wonnen pist du?' si 
antwurtet ym : ' von ferren landen pin ich her 
kumen.' er sprach: 'von welhem land?' sye 5 
antwurtet: * bekennet ir mich nit?' er sprach: 
'got weisz, neyn!' sye sprach: 'daz ir mich 
nit bekennet, daz ist ein zeychen, daz ir eu 
selber auch nit bekennet.' er sprach: 'daz 
ist (80 b) war. wann bekennet ich mich 10 
selber, als ich solde, auf daz höchst, so der- 
kant ich auch alle creatur auf den höhsten 
8tant.' sye sprach: 'dise dinck lasz wir be- 
leyben, besunder höret mein peycht.' er 
sprach: 'gern, heb itzund an! 1 da peychtet 15 
sye, nach dem als ir stant was, als siisze, 
schöne wort nach so volkumener erleuhtung, 
daz sich sein sei von übriger freud frolocket. 
und da sich dy peycht endet, sprach er: 'o 
karissima filia, ich pit dich, daz du wyder zu 20 
mir kumest, wenn ez dir am fuglichsten sey.' 
sye antwurtet: 'ist daz ez got schikt, so ist ez 
mein gevallen, daz ez gesche.' dar nach, da 
er mit seinen prüdem in der collaczien sasz, 
sprach er zn yn: 'ich hab heut einen menschen 25 
peycht gehört, ich weisz nit, ab ez ein engel 
oder ein mensch sey. got, der weisz ez. ist, 
daz ez ein mensch ist, so wisset sicherlich, 
daz alle dy krefft seyner sei mit den engein 
wonen in dem hymel. wann sein sei ist 30 
transformiret in dy engelischen gesteltnüsz, 
wann sie prinnet über alle menschen, dy 
mir ie kunt wurden.' dy prüder antwurten: 
'deo gracias, laudetur deus, qui operatur etc. 
got sey gedanckt und hab er, der da wunder 35 
wtirckt in seynen heyligen.' 



Bl.82a: Er sprach: 'sag mir etwaz.' 40 
sy sprach: 'ez ist nichts so klein, daz ich 
euch da von müg gesagen.' er sprach: 'sag 



l ) itzund heb an am Bande nachgetragen. 






Original from 
UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 78 - 



F: 



'ich weisz so kleinez nit da von za 
sagen.' er sprach: 'nu tu ez durch got 
und sag mir etwaz von mynnen.' da 
rette sye mit im so wunderlich und so 
5 tyff sprüch von der plozen gothait und 
von götlicher bevindung und von der 
götlichen warhait und also tyfe, daz er 
sprach : 'daz ist allen (209a) menschen 
fremde, und wer ich nit ein als wol 

10 grosz gelerter pfaff, daz ich selber nit 
gelesen het von götlicher kunst, so wer 
ez mir auch fremde.' sye sprach: 'des 
gan ich euch übel, ich wolt, daz ir 
sein enpfunden hett mit götlicher 

15 enpfindung und sein innen werent 
worden mit leben.' er sprach: 'du solt 
daz wiszen, daz ich sein also enpfunden 
hab, daz ichz also vil weisz, daz ez 
also ist, als ich daz wol weisz, daz 

20 ich heut mesz gesprochen hab. doch 
hab ich sein leyder nit beseszen mit 
dem leben.' dy tochter sprach: 'pitet 
got für mich! ' und ging wyder in ir 
heimlich, da ward sye verzogen in got. 

25 dy weil beret aber nit lang, da sy 
nu aber zu dem peichtiger kom, sprach 
sye: 'herr, freuet euch mit mir, ich 
pin mit got ein worden von gnaden'. 1 ) 
er sprach: 'got sey gelobt! nu ge 

30 von allen leuten wyder in dein einung, 
da du pleybest ungehindert.' sye was 
gehorsam und ging in dy kyrchen 
in einen wynckel und kam als gar 
von ir selber, daz sye alles des ver- 

35 gasz, daz ie namen gewon, und ward 
also auf gezogen ausz ir selber und 
ausz allen geschaffen dingen, daz sye 
lag, als ob sye tot wer, daz man 
sye (209 b) ausz der kyrchen must 

40 tragen, und lag da pisz an den 
dritten tag. der peychtiger sprach: 
'ich mein nit, daz sye tot sey.' 
und wer der peychtiger nit gewesen, 
man het sy begraben, man versucht 

45 sye mit alle dem, daz man erdencken 



N: 



mir durch dye lieb Christi doch etliche 
wort.' und da er sie ser manet, da 
rett sie doch so wunderliche und so 
tyffe dinck von der plossen götlichen 
warhait, daz ez unverstendenlich was. 
und er sprach zu ir: 'weist du, daz 
dise wort allen menschen fremd sein, 
und het ich nit in götlicher geschryfft 
von solchen dingen gelesen, ez wer 
mir auch fremd.' sye sprach: 'des 
gan ich euch übel, wann ich wolt, 
daz ez euch durch ein übendez leben 
kunt wer.' er sprach: 'wisz, daz 
ez mir also warhaftiklich ausz der 
heyligen geschryfft kunt ist, als ich 
itzund mit dir red, aber doch leyder 
(82 b) hab ich des mit dem leben 
nit beseszen.' dye tochter bevalh sich 
in sein gepet und ging von ym in 
ir heymlickait. da ward sie aber 
verzucket in einm&tikait irs gemütes 
mit got sich zu einigen, aber dy 
weyl was nit langk. und dar nach 
ging sye an dye porten und vordert 
durch den portener stilsweygend iren 
peychtiger und sprach: 'freut euch 
mit mir, quia facta sum deus, ich pin 
mit got einz worden von genaden.' 
er sprach: 'got sey gesegent in seinen 
gaben etc. da von spricht David: 
ego (dixi). du estis et lilii excelsi 
omnes, ir seyt göter und alle kiiit des 
obersten, itzund volg meim rat und 
ge wider von allen menschen in dye 
einikait deines gemütes, ab du be- 
leibest got, der wirt dir wol tun.' sy 
tet, daz er sie hisz und erwelet ir ein 
heymliche stat in der kyrchen in einem 
winckel. da kom sie als gar von ir 
selber, daz sie alles des vergasz, daz 
ie namen gewan, und ward also auf 
gezogen ausz ir selber, also daz sie 
lag, als ab sie tot wer. und dy leut 
trugen sie ausz der kyrchen, und man 
versucht sie mit alle dem, daz man 



'■) Am Rande psalmus : ego dixi, dii estis et filii. 






Original frorn 
UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 79 — 



F: 



kund, ob dy sei noch bey dem 
leyb were. und des künde man 
mit bevinden. da von sprachen 
dy leutalle: 'sicher, sye ist tot!' 
denn der peychtiger nit. an dem 
dritten tag kom sye wyder zu 
ir selber und sprach: 'ach, ich 
armer mensch, pin ich aber 
hye?' der peichtiger sprach zu 
ir: 'lasz mich genissen götlicher 
treu, dy ich zu dir hab und 
offenwar mir, wes du enpfunden 
habst.' sye sprach: 'got weisz, 
daz ich nit enmag. wann daz 
ich enpfunden hab, daz mag ich 
nit zu worten pringen.' er sprach : 
'hastu aber nu, waz du wild?' 
sye sprach: 'ja, ich pin gewert 
in meiner ewigen selikait, ich. 
hab enpfangen in gnaden, daz 
Christus ist in natur. er hat 
mich seinen erbengenosz gemacht, 
daz ich ez nymmer mer ver- 
lisen mag.' er sprach: 'gelobt 
sey got in seinen gaben und 
in sein heiligen werken! 1 ) libe 
tochter, nu soltu dich genügen 
l&szen und bleib hy in disem 
land und tu deinem got an dir 
selber kein unrecht.' sy sprach: 
'ich wil (210a) pleyben mit dem 
üben 8 ) an einer stat, aber 8 ) 
ich wil dem pild unsers hern 
Jhesu Christi nach gen, dy weyl 
ich leb in der zeyt.' er sprach : 
'des hastu recht, wann er hat 
dich geleytet dye rechten weg.' 
sy sprach: 'daz ist war. ir sult 
wissen: und het uns der vater 
den sun nit gesant zu trost und 
hilf, 4 ) ich het um all sein heyligen 
nit ein Ave Maria gesprochen, des 



N: 



erdencken kund, ab dy sei noch bey dem 
leyb wer. und daz kund man nit bevinden, 
und schiren all einmutiklich, daz sie in got 
tot wer. dar zu kom auch der peychtiger 
und sprach: (83 a) 'gelaubet mir, sie ist 5 
noch nit tot.' kaum erwarb er fryst drey 
tag, anders het man sie begraben, am 
dritten tag kom sie wyder zu ir selber und 
schrey mit lauter stimm: 'ach, ich aller 
ermste, pin ich aber in disem tal der zeher? ' 10 
der peychtiger was auch da, der rett mit ir 
und sprach: 'aller libste tochter, beweisz 
mir treu durch dy lieb Jhesu Christi und 
offenwar mir dein gesicht, waz du enphunden 
oder gesehen hast. 1 sye sprach: 'got, der 15 
alle dinck weisz, der weisz, waz ich gesehen 
und enphunden hab, daz ich daz mit worten 
nit weisz ausz zu sprechen, wann ez ist 
unwortlich.' der peychtiger sprach: 'hastu 
aber nu allez, des du begerest in disem 20 
tötlichen leyb?' sye sprach: 'ja, herr, ich 
pin bestetiget zu wonen in der ewigen 
selickait. ich hab ein guten streyt ge- 
stryten, wann ich pin daz in genaden, daz 
Christus ist in natur, und hat mich gemacht 25 
seinen erbengenosz, daz ich nymergelaszen 
mag.' der peichtiger sprach: 'gelobt sey 
got in seinen gaben und in seinen heyligen 
wercken! ich pit dich, daz du beleibest 
in disem land an einer stat, und tu deinem 30 
got an dir selber kein unrecht.' sye sprach : 
'ich wil beleyben mit (83 b) dem leyb an 
eyner stat, aber ich wil dem pyld meins 
herren Jhesu Christi nach volgen, dy weyl 
ich leb in diser zeyt' er sprach: 'des hastu 35 
recht, wann er hat dich gefuret den nehsten 
(weg).' sy sprach: 'got weisz, daz ir war 
retht. ir sult wissen: und het uns der 
vater den sun nit gesant zu trost und 
hilf, ich het um all seyn heyligen nit 40 
ein Ave Maria gesprochen, des sey auch 
gelobt der nam unsers herren Jhesu 



') in seinen gaben und in sein heiligen werken am Bande nachgetragen. 

*) Über üben: leyb übergeschrieben. 

*) aber nachgetragen. 

*) zu trost und hilf am Rande nachgetragen. 






Original from 
UNIVERSITY 0F CALIFORNIA 



- 80 — 



F: 

sey auch gelobt und geeret der 
nam unsers hern Jhesu Christi, 
daz er sich 1 ) mir geoffenwart hat, 
daz ich iu '-) bekennen und mynnen 
5 mag, und daz er mein pilder ist ge- 
wesen zu meiner ewigen selikait.' 
Vgl. Alemannia 23, 12 - 24, 16. 

El. 215 b: nit daz sy daz 
besen des leybs da 3 ) mit in füren 

10 ausz der zeyt, so sy von hinnen 
varen. daz mag nit gesein. ez 
musz in in beleyben bisz an den 
jüngsten tag, da alle dinck zu 
nicht werden, da wirt der sei 

15 erst daz wesen des leybs (216 a) 
nach gemeiner red. ir wist wol, 
wen got begnaden wolt, dem 
tete er noch daz selb, daz er 
her nach tete. der peychtiger 

20 sprach: 'daz weisz ich wol.' 
Vgl. Alemannia 30,2—7. 



25 



30 



N: 
Christi in ewikait, um daz er sich mir 
geoffenwart hat, daz ich in bekennen 
und lieben mag, und daz er mein pylder 
ist gewesen zu meyner ewigen selickait.' 



El. 89 b: nit ist zu versteen, daz sie daz 
wesen des leybs mit yn füren ausz der zeyt, 
so sie sterben, ez musz in yn beleyben 
bisz an den jüngsten tag, da alle dink zu 
nichte werden durch dy prunst des feuers. 
da wirt der sei erst daz wesen des leybs. 
nit (90 a) fleisch, nit pein, nit gelyder oder(!) 
wirt mit leiplichen sinnen erscheynen, be- 
sunder mit siben gaben gütlich gezyret, daz 
ist mit echönhait, subtilickait, sterck, frey- 
hait, wollüstikait, unleydenlikait, untöt- 
lickait. der sei werden auch siben gab 
geben, daz ist weiszhait, lieb, eintrechtikait, 
gewalt, ersamckait, Sicherheit und ewige 
freud. des sol euch genügen nach gemeiner 
weisz zu reden, euch ist wol kunt, daz dy 
geachryfft sprycht, daz vil toter mit Christo 
erstunden und erschinnen vil leuten. von 
den leret wol Christus, daz vil leichnam 
geerwirdiget mit ym auf füren zu 1 ) wirdi- 
ckait seiner erwirdigmachung. et quibus 
graciam in hac parte facere voluit, illis 
fecit sicut sancto Johanni ewangeliste. der 
peychtiger sprach: 'daz weisz ich wol.' 



Die Beispiele zeigen deutlich, dals F und N nicht unmittelbar 
aus der gleichen Vorlage geflossen sein können. Erklären lassen 
sich die Abweichungen beider Fassungen voneinander nach meinem 
Dafürhalten nur durch die Annahme, dafs F und N auf zwei 
verschiedene lateinische Redaktionen b und c der Bearbeitung 
Oswalds (a) zurückgehen. Von diesen beiden Redaktionen hat 
zweifellos b der Bearbeitung Oswalds am nächsten gestanden. 



*) sich nachgetragen. 

a ) in übergeschrieben über ursprünglichem, später durchgestrichenem got. 

3 ) da nachgetragen. 

*) zu für durchgestrichenes um dy. 






Original from 
UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 81 — 

Denn F hält sich in den oben S. 76 bezeichneten Abschnitten 
wie auch sonst gelegentlich mehr an den Wortlaut des Traktates, 
während N 9 gleichsam die Bearbeitung Oswalds weiter durch- 
führend, die gleichen Abschnitte in freierer Ausgestaltung bietet. 

• 

Zwei Fragen sind am Schlufs dieses Kapitels noch zu 
beantworten: 1. Sind die der Handscfiriftenklasse II allein eigen- 
tümlichen Einschaltungen des Traktates im Vergleich zu dem 
zweifellos echten Kern der „Schwester Katrei", den Gesprächen 
des Beichtvaters mit seiner Beichttochter, wirklich, wie oben 
S. 41 f. behauptet worden ist, nur sekundäre Bestandteile unseres 
Traktates, d. h. sind sie wirklich ursprünglich selbständige Stücke, 
die erst späterhin mit ihm verbunden sind? und 2. Welche Hs. 
ist der kritischen Ausgabe des Traktates zu Grunde zu legen? 

Bei der Beantwortung der ersten Frage wird es sich vor 
allen Dingen um den Nachweis handeln, dafs die in unseren 
Traktat eingelegten Stücke auch unabhängig von ihm vorkommen. 
Zu den Einschaltungen des Traktates, deren Umfang in den 
einzelnen Hss. der Klasse II sehr verschieden ist, gehören alle die 
Abschnitte, welche in den Fassungen der Handschriftenklasse I, 
A und 5, keine Entsprechung finden (vgl. unten die Übersicht über 
die Komposition des Traktates). Es sind folgende Stücke: 

1. Pfeiffer 448,26— 451,38: MüStrBGK; 

2. „ 452,34—455,32: MüStrBQK\ 

3. „ 625,4 — 29: P; 

4. „ 458,36-460,34: MüStrBGKStP; 

5. „ 462,19—463,14: MüStrBGKStP; 

6. „ 126,4— 129, 7 = Predigt 37: StrBGKStP; 

7. Predigt: Een heilich lavet onse vrouwe etc.: StrB\ 

8. „ : Onse here sprach tot sijnen jongeren vijfworde etc.: 

StrB; 

9. Pfeiffer 465,19 — 467,26: MüStrB; 

10. Jundt, Histoire du panth&sme 279—280= Nr. 18: StrB; 

11. Pfeiffer 76,24— 78, 3 = Predigt 17: StrB; 

12. ZfdA. 8,215—216 == Bischof Albrecht: StrBStP; 

13. Jundt, Histoire du pantheisme 254, 17—255, 19 = Nr. 6: Str; 

14. Pfeiffer 663,30— 664,23: QKP; 

15. „ 78, 5-79, 30 = Predigt 18 : Str; 

16. Predigt: Jsayas sprichet ein wort etc.: Str. 

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UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



— 82 — 

Von den sechzehn Abschnitten sind zweifellos die neun Nrr.: 
3. 6. 7. 10—15 selbständige, von dem Traktat unabhängige 
Stücke. 1 ) Sie zeigen ferner weder mit den historischen Teilen 
unseres Traktates noch auch untereinander einen inneren Zu- 
sammenhang. Folglich können sie mit dem Traktat ursprünglich 
nichts zu tun gehabt haben, sondern erst im Laufe der Zeit ihm 
ein- und angefügt worden sein. Das gleiche wird auch von den 
Nrr. 8 und 16 gelten dürfen. Dehn wenn es bisher auch an 
einem Beleg für die Selbständigkeit des Stückes Nr. 8 fehlt, so 
findet sich doch in ihm ebensowenig wie in den oben genannten 
Abschnitten eine Beziehung auf den Traktat selbst. Und obwohl 
ferner die Identität von Nr. 16 (s. oben S. 49) gegenwärtig sich 
nicht feststellen läfst, so deutet doch schon die Stelle, die das 
Stück in unserem Traktat einnimmt — Nr. 16 bildet in Str den 
Schlufs des Traktates, ihm geht unmittelbar voraus der dem 
Traktat nachträglich angehängte Abschnitt Nr. 15 — , darauf hin, 
dafs es erst späterhin mit dem Traktat verbunden worden ist. 

Waren die elf bisher genannten Stücke mit dem Traktat 
nur lose verknüpft, so ist, wie Rieger 2 ) bereits hervorgehoben 
hat, zwischen den übrigen fünf Abschnitten (den Nrr, 1, 2, 4, 5. 9) 
und ihrer Umgebung ein gewisser innerer Zusammenhang nicht 
zu verkennen, wobei wiederum zu beachten ist, dafs die Nrr. 1, 
2 und 4 eine Einheit für sich bilden. 

Nach alledem zerfallen also die Einschaltungen des Traktates 
in zwei Klassen: die erste umfafst die elf Nrr.: 3. 6 — 8. 10 — 16, 
die zweite die übrigen fünf: 1. 2. 4. 5. 9. Beide Klassen stellen 
gleichsam zwei verschiedene Schichten von Einschaltungen dar. 
Unzweifelhaft gebührt der zweiten Schicht die Priorität vor der 
ersten, denn die Stücke der zweiten Gruppe stehen in engerer 
Beziehung zu dem Traktat als die Abschnitte der ersten Klasse. 
Dafs die Stücke der zweiten Gruppe den Abschnitten der ersten 
Klasse zeitlich vorausliegen, erfährt noch dadurch eine Bestätigung, 
dafs die Abschnitte der ersten Klasse entweder an Stücke der 
zweiten Gruppe sich anlehnen (so schliefsen die Nrr. 6 — 8 Pfeiffer 
463, 14 an Nr. 5 und die Nrr. 10—13 Pfeiffer 467, 26 an Nr. 9 an) 
oder den Anfang bezw. Schluis des Traktates bilden (vgl. die 
Nrr. 3. 14—16). 

') Nr. 7 ist losgelöst von dem Traktat nur in der Strafsburger Hs. 810 b 
überliefert. Dort finden sich auch die Nrr. 10 und 13 (vgl. oben S. 48 f.). 
2 ) Bei Wackernagel, Altdeutsche Predigten S. 400 Anm. 



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UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



- 88 — 

Für die Mehrzahl der Stacke aas der ersten Klasse gelang 
der Nachweis ihrer Selbständigkeit auf Grund von bereits ge- 
druckter mystischer Literatur. Den gleichen Nachweis auch für 
die Abschnitte der zweiten Gruppe (Nrr. 1. 2. 4. 5. 9) zu führen,, 
reicht jedoch das gedruckte Material bei weitem nicht aus. So 
weit ich sehe, finden in ihm nur zwei Abschnitte aus Nr. 9 eine 
Parallele: Pfeiffer 466,4—12 entspricht Pfeiffer 674,12— 19 und 
Pfeiffer 467, 20 — 26 gleicht, wie Langenberg l ) schon bemerkt 
hat, Pfeiffer 603,18—33. Ferner erinnert der Anfang von Nr. 1 
(Pfeiffer 448, 26 ff.) an den Eingang des Traktates XI (Pfeiffer 
495, 29 ff.). Die bezeichnete Aufgabe wird vielmehr nur mit Hülfe 
weiterer Handschriften zu lösen sein. Ich bin nun in der Lage, 
wenigstens zwei Hss. namhaft machen zu können, die dartun, dafs 
auch der zweiten Schicht zugehörige Einschaltungen unabhängig 
von dem Traktat vorkommen. Es sind: 

1. die von mir schon mehrfach erwähnte Straf sburger Hs. 810 b. 
Hier ist uns Bl. 81b— 84 a ein Passus aus Nr. 2 (= Pfeiffer 
455, 3 — 8) und unmittelbar daran anschlief send Nr. 4 (= Pfeiffer 
458,36—460,84) losgelöst von dem Traktat überliefert. *) 

2. Ms. germ. quart. 1092 der Königl. Bibliothek zu Berlin, in 
der Sammlung des Freiherrn v. Arnswaldt Nr. 3156, Papierhand- 
schrift mit Pergamentblättern aus dem 15. Jahrhundert (vgl. die 
Beschreibung der Hs. im Jahrb. d. Vereins f. niederd. Sprach- 
forschung 10, 34 f. und Langenberg, a. a. 0. S. 185). In dieser Hs. 
steht Bl. 142 b— 143 a ein Abschnitt aus Nr. 5 (= Pfeiffer 462, 
19 — 37), was Langenberg a. a. 0. übersehen hat. 3 ) 

!) Quellen und Forschungen zur Geschichte der deutschen Mystik S. 189. 

») Statt Pfeiffer 458,36 heifst es in der Strafcburger Hs.: nu suln wir 
verstau ein wort, daz zuo dem glouben hceret etc. Dem entsprechend lautet 
Pfeiffer 459, 24: nu stdn wir verstan daz ander stucke etc., and Pfeiffer 459, 34: 
daz drite stucke, daz zuo dem gelouben höret etc. Femer statt Pfeiffer 460, 
6—10 bietet die Es.: nu merke, wie du dich von frien willen als gar durh 
(an dieser Stelle sind mehrere Worte zu ergänzen) sterbe, daz marc in dime 
gebeine, daz bluot in den ädern unn dllez, daz zuo natur(83b)licher crefte 
hceret, obe du gerne gebre&ten uebetest, daz du ez niht vermügest Der Passus 
Pfeiffer 460,15—18 endlich fehlt in der Hs. 

») In der Berliner Hs. folgt unmittelbar auf Pfeiffer 462,19-37 ein Ab- 
schnitt, der folgendermafsen beginnt: sanctus Gregorius sprict: onder dqn wijsen 
so is die oetmoedichste die tvijste . . ., und mit den Worten schliefst: Augustinus: 
o here Jhesus Christus, scrijf in mijnen herten dine wonden mit dijnen dueren 
bloede, op dat ic in oem lese dinen wewen ende dine myrme, amen wewen te 
tiden om dy al wewen, di(H3b)ne mynne te versmaen om dy alle boese mynne. 

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— 84 — 

Wenn es mir infolge unzureichenden handschriftlichen 
Materials auch nicht gelungen ist, für alle Abschnitte der zweiten 
Schicht den Beweis der Selbständigkeit zu erbringen, so kann 
doch, glaube ich, darüber kein Zweifel mehr sein, dafs auch sie 
gleich den übrigen Einschaltungen ursprünglich selbständige 
Stücke bilden, die erst späterhin mit dem Traktat vereinigt 
worden sind. Mit anderen Worten: sämtliche Einschaltungen 
des Traktates in der Handschriftenklasse II erweisen sich als 
sekundäre Bestandteile der „Schwester Katrei". Als solche 
können sie in einer kritischen Ausgabe des Traktates keine 
Aufnahme finden. Damit aber sind wir bei der zweiten Frage 
angelangt, die am Schlufs dieses Kapitels beantwortet werden 
soll: Welche Hs. ist der kritischen Ausgabe des Traktates zu 
Grunde zu legen? 

Als Grundlage für die kritische Ausgabe des Traktates 
kann nur eine Hs. aus einer der beiden ersten Handschriften- 
klassen in Betracht kommen. Denn von den Hss. der Klasse III 
bietet E nur Bruchstücke des Traktates, und F und N nehmen 
als Bearbeitungen unseres Traktates innerhalb seiner handschrift- 
liehen Überlieferung eine Sonderstellung ein. Nach den obigen 
Ausführungen (s. oben S. 42) gebührt nun der Klasse I, was die 
Komposition des Traktates betrifft, die Priorität vor II, während 
Klasse II hinsichtlich der Lesarten vor I den Vorzug verdient 
Demnach hat man bei der Herstellung des kritischen Textes 
unter steter Berücksichtigung der Komposition des Traktates 
in I von einer Hs. der Klasse II auszugehen. Es ist nur die 
Frage: von welcher Hs. der Klasse II? Keinesfalls von einer 
Hs. aus II, die zur Unterklasse 1 oder 3 gehört. Denn sämt- 
lichen Hss. der Unterklasse 1 fehlt der umfangreiche, fast die 
Hälfte des Traktates ausmachende Abschnitt -4 31,36—44,32, 
die Hss. der Unterklasse 3 dagegen überliefern den Traktat nur 
in gekürzter Textgestalt. Es bleiben also blofs noch die beiden 
Hss. der Unterklasse 2, G und Ä", übrig. Von ihnen erweist 
sich, wie bereits oben S. 55 gezeigt, G als die vollständigere von 
beiden. Zudem bietet G im ganzen jedenfalls einen besseren 
Text als K. Nach alledem ist der kritischen Ausgabe des 
Traktates die Hs. G zu Grunde zu legen. 

Die mannigfach verzweigte handschriftliche Überlieferung 
des Traktates ergibt in Gestalt eines Stammbaums folgendes Bild: 



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Nachtrag. 



In der Zeitschrift für deutsche Philologie 38 (Aprilheft 1906), 
S. 179 Anm. 1 macht v. d. Leyeo darauf aufmerksam, dafs die 
Papierhs. Nr. 43 (4°, 15. Jh.) des Coblenzer Kaiserin Augusta 
Gymnasiums unter anderem auch den Traktat „Schwester Katrei" 
und zwar teil weis in lateinischer Fassung enthält. Da der Druck 
vorliegender Arbeit bereits fast abgeschlossen war, so konnte 
der Hinweis leider keine Verwertung mehr finden. Nach gütiger 
Mitteilung des Herrn Dr. v. d. Leyen handelt es sich in der ge- 
nannten Hs. nur um einen sehr geringfügigen Bruchteil des 
Traktates, 



I . Original from 



UNIVERSITY OF CALIFORNIA 



Inhaltsverzeichnis. 



Seite 

Einleitung 1 

Erstes Kapitel. Die Überlieferung des Traktates „Schwester 

Katrei" 5 

1. Die Handschriften der Hauptklasse I . . . . .' 5 

2. Die Handschriften der Hauptklasse II 7 

a) Die Handschriften der Unterklasse 1 8 

b) Die Handschriften der. Unterklasse 2 16 

c) Die Handschriften der Unterklasse 3 24 

3. Die Handschriften der Hauptklasse III 31 

Zweites Kapitel. Das Handschriftenverhältnis des Traktates 

„Schwester Katrei" 41 

1. Das Verhältnis der Handschriftenklassen I und II zu einander 41 

2. Die Handschriftenklasse I 45 

3- Die Handschriftenklasse II 47 

a) Die Unterklasse 1 47 

b) Die Unterklasse 2 55 

c) Die Unterklasse 3 55 

4. Die Handschriftenklasse HI und ihr Verhältnis zu den Hand- 
schriftenklassen I und II 56 

a) Die Handschrift E und ihr Verhältnis zu den Hand- 
schrifteuklassen I und II 57 

b) Die Handschriften F und N und ihr Verhältnis zu den . 
Handschriftenklassen I und II 61 

Stammbaum der handschriftlichen Überlieferung des 

Traktates „Schwester Katrei" 85 

Übersicht über die Komposition des Traktates „Schwester 

Katrei" 86 

Nachtrag 90 



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Lebenslaut 



Geboren wurde ich, Otto Simon, am 27. Mai 1881 zu 
Grofs -Ammensieben (Reg.-Bez. Magdeburg) als Sohn des dortigen 
inzwischen verstorbenen Pastors Otto Simon und seiner ebenfalls 
mittlerweile verstorbenen Gemahlin Lilli geb. Kramer. Zuerst 
besuchte ich die Vorschule, sodann die Lateinische Hauptschule 
der Franckeschen Stiftungen zu Halle & S., die ich Ostern 1900 
mit dem Zeugnis der Reife verliefs, um mich dem Studium haupt- 
sächlich der deutschen Philologie sowie der Geschichte zu widmen. 
Nach einem zweisemestrigen Aufenthalt an der Universität Halle 
ging ich zunächst nach München, studierte dann drei Semester 
in Berlin und kehrte Ostern 1903 nach Halle zurück. Hier blieb 
ich bis Michaelis 1904 immatrikuliert. Seitdem widmete ich mich 
ganz der Abfassung meiner Dissertation. Die Promotionsprüfung 
bestand ich am 13. November 1905. 

Meine Lehrer waren die Herren: 

in Halle: A.E. Berger, Burdach, Counson, Droysen, Fries, Haym, 
Heldmann, Lindner, Eduard Meyer, Rachfahl, Riehl, Robert, 
Schultze, Sommerlad, Strauch; Suchier, Uphues; 

in München: Furtwängler, v. Heigel, von der Leyen, Lipps, 
Muncker, Simonsfeld; 

in Berlin: Breysig, Delbrück, Harnack, Herrmann, HeuslerJ 
Hintze, Hirschfeld, Lasson, Lenz, Menzer, Richard M. Meyer, 
Paulsen, Roediger, Roethe, Rothstein, Erich Schmidt, Schmoller,) 
Stumpf, Tangl, Tobler, v. Wilamowitz-Möllendorff. 

Herrn Professor Dr. Strauch, der mich zu dieser Arbeil 
angeregt und mir dabei jederzeit mit Rat und Tat zur Seit* 
gestanden hat, spreche ich auch an dieser Stelle meinen herz- 
lichsten Dank aus. 






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